Ölpreis über 82 US-Dollar
Der Markt wettet bereits auf das Ende des Iran-Kriegs
Prognosemärkte und Ölpreise liefern Hinweise darauf, wie lange der Iran-Konflikt dauern könnte – und wann sich die Börsen wieder beruhigen.
Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran sorgt an den Finanzmärkten weltweit für Nervosität. Für Anleger steht vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wie lange könnte der Konflikt dauern – und wann beruhigen sich die Märkte wieder?
Hinweise liefern derzeit sowohl Prognosemärkte als auch der Ölpreis. Auf der Plattform Polymarket setzen Händler mehrheitlich darauf, dass ein Waffenstillstand nicht sofort kommt, sondern erst im Laufe des Frühjahrs wahrscheinlicher wird. Die implizierten Wahrscheinlichkeiten steigen mit der Zeit deutlich an: Für eine Einigung bis Ende März sehen die Märkte rund 37 Prozent Wahrscheinlichkeit, bis Ende April etwa 56 Prozent und bis Ende Mai rund 67 Prozent. Bis Ende Juni liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei etwa 70 Prozent.
Auch die Reaktion am Ölmarkt gibt Aufschluss über die Erwartungen der Investoren. Nach den US-israelischen Angriffen auf iranische Ziele sprang der Preis für Brent-Rohöl zum Wochenstart zunächst deutlich an und überschritt zeitweise die Marke von 80 US-Dollar je Barrel. In der anschließenden Marktphase pendelte sich der Preis zeitweise um etwa 78 US-Dollar ein – ein Niveau, das laut Goldman Sachs bereits eine geopolitische Risikoprämie widerspiegelt. Inzwischen ist Brent weiter gestiegen und schwankt am Mittwoch um 82 US-Dollar.
Für Daan Struyven, Leiter der Ölforschung bei Goldman Sachs, zeigt diese Preisreaktion vor allem eines: Der Markt rechnet aktuell mit einer begrenzten Störung der Energieversorgung. Ohne geopolitische Risiken sieht die Bank einen fairen Ölpreis bei etwa 65 US-Dollar. "Bei einem Marktpreis von 78 US-Dollar preist der Markt im Wesentlichen eine Risikoprämie von 13 US-Dollar pro Barrel ein", zitiert Fortune Struyven. Nach Berechnungen von Goldman entspricht diese Prämie ungefähr dem Szenario, dass der Ölfluss durch die strategisch wichtige Straße von Hormus etwa einen Monat lang beeinträchtigt bleibt.
Damit deutet der Ölmarkt derzeit auf einen Konflikt von rund vier Wochen hin. Für die Weltwirtschaft wäre diese Zeitspanne noch verkraftbar. Sollte sich die Störung jedoch deutlich verlängern, könnten die Folgen erheblich sein. Wenn regionale Lagerkapazitäten erschöpft sind und Förderländer ihre Produktion drosseln müssen, könnten die Preise stark steigen. "Um eine erhebliche Nachfragereduzierung zu erreichen, müssen die Preise möglicherweise auf dreistellige Werte steigen", warnte Struyven.
Strategen an der Wall Street mahnen jedoch zur Vorsicht. Kriege folgen selten den Erwartungen der Märkte. "Es geht zurück auf den klassischen Satz über den Krieg, dass er, sobald er begonnen hat, eine eigene Dynamik entwickelt", sagte Bob Elliott, Chief Investment Officer bei Unlimited, gegenüber Bloomberg.
An den Börsen zeigt sich bislang ein typisches Muster: Nach starken Einbrüchen greifen Käufer wieder zu. Der S&P 500 etwa fiel am Dienstag zeitweise um rund 2,5 Prozent, schloss aber letztlich nur etwa 0,9 Prozent im Minus. Laut Steve Sosnick von Interactive Brokers stiegen nach dem ersten Schock wieder Investoren ein, während "FOMO-getriebene Händler die beginnende Erholung weiter nach oben" trieben.
Ob diese Stabilisierung anhält, hängt jedoch stark davon ab, wie lange der Konflikt tatsächlich dauert. Für Anleger bleibt deshalb vor allem eine Variable entscheidend: ob sich die derzeit vom Markt erwartete kurze Konfliktdauer bestätigt – oder ob aus Wochen plötzlich Monate werden.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

