Ölpreis treibt Inflation
Alles wird teurer – von der Butter bis zur Jeans
Die Ölpreise explodieren nach den Angriffen im Nahen Osten. Die Krise schlägt nicht nur an der Zapfsäule zu, sondern in fast jedem Supermarktregal in Deutschland. Sich darauf einzustellen, kann sich lohnen.
Nach den jüngsten militärischen Eskalationen im Nahen Osten sind die Öl-Futures innerhalb weniger Tage um mehr als 18 Prozent in die Höhe geschnellt. Am Donnerstag überschritt der Preis pro Barrel der US-Marke WTI die Marke von 77 US-Dollar, Brent-Öl hat sich um 16 Prozent verteuert über 84 US-Dollar pro Barrel, getrieben von der Angst vor einem langwierigen Regionalkonflikt. Während die Märkte in den USA bereits reagieren, sind die Auswirkungen für deutsche Verbraucher aufgrund der Abhängigkeit von globalen Lieferketten und dem Euro-Wechselkurs oft noch deutlicher spürbar.
Steigen die Ölpreise weiter, drohen Deutschland wirtschaftliche Verluste in zweistelliger Milliardenhöhe, wie aus einern aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht. Zudem wird die Inflation angeheizt. "Denn höhere Energiepreise verteuern Transport, Heizung, Produktion und zahlreiche Vorprodukte – Effekte, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis zu den Verbraucherpreisen fortsetzen", erklären die Autoren.
Ein hoher Ölpreis wirkt wie eine versteckte Steuer auf den Alltag. Hier sind die Bereiche, in denen deutsche Haushalte den Gürtel enger schnallen müssen:
1. Mobilität: Mehr als nur teures Benzin
Die offensichtlichste Folge zeigt sich an den Tankstellen in Berlin, München oder Hamburg. Doch der Effekt greift weiter:
- Logistik & Lieferkosten: Speditionen und Paketdienste geben die höheren Dieselkosten direkt weiter. Wer online bestellt, muss demnächst mit höheren Versandgebühren rechnen.
- Flugreisen: Kerosin ist ein massiver Kostenfaktor für Airlines wie die Lufthansa. Steigen die Ölpreise, ziehen die Ticketpreise für den nächsten Urlaub unweigerlich nach.
- ÖPNV und Ridesharing: Auch wenn man kein eigenes Auto besitzt, können Aufschläge bei Fahrdiensten oder langfristige Preiserhöhungen im Nahverkehr die Folge sein.
2. Lebensmittel: Der Wocheneinkauf wird teurer
Öl ist ein "unsichtbarer Gast" an jedem Esstisch. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) können Energiekosten bis zu 50 Prozent der variablen Produktionskosten in fortgeschrittenen Volkswirtschaften ausmachen.
Landwirtschaft: Traktoren und Erntemaschinen benötigen Diesel; Pestizide und Düngemittel basieren oft auf Erdölprodukten.
Verpackung: Ein Großteil der Lebensmittel in deutschen Supermärkten ist in Kunststoff verschweißt. Da Plastik aus Erdöl hergestellt wird, steigen hier die Herstellungskosten massiv.
3. Wohnen und Haushalt: Der Rest der kalten Jahreszeit wird teuer
Besonders in Deutschland, wo viele Haushalte noch mit Öl heizen, ist die Lage brisant. Die Preise für Heizöl folgen dem Rohölmarkt fast unmittelbar.
- Heimtextilien & Kleidung: Viele Textilien wie Polyester oder Elasthan sind synthetisch und damit erdölbasiert. Die neue Sportbekleidung oder das Outdoor-Equipment könnten also bald mehr kosten.
- Haushaltswaren: Von der Frischhaltedose bis zum Kinderspielzeug – Kunststoffprodukte verteuern sich in der Produktion und im Transport.
Wie können sich Verbraucher schützen?
In Zeiten explodierender Kosten kann sich vorausschauendes Handeln lohnen:
- Mobilität überdenken: Nutzen Sie das Deutschlandticket oder bilden Sie Fahrgemeinschaften. Kurze Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß sparen derzeit bares Geld.
- Bevorratung: Produkte des täglichen Bedarfs, die lange haltbar sind (insbesondere solche in Kunststoffverpackungen), könnten jetzt gekauft werden, bevor die nächste Preiswelle den Einzelhandel erreicht.
- Budget-Check: Überprüfen Sie Ihre monatlichen Fixkosten. Es empfiehlt sich, einen Puffer für die nächste Nebenkostenabrechnung oder höhere Ausgaben im Supermarkt einzuplanen, um finanzielle Schocks abzufedern.
Öl treibt den Motor der Weltwirtschaft an. Wenn die Kosten dafür teurer werden, spüren wir das in jedem Aspekt unseres Lebens – vom Kleiderschrank bis zum Kühlschrank. Information und rechtzeitige Anpassung sind jetzt die besten Werkzeuge gegen die Teuerung.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

