Ölpreis
Iran-Krieg treibt Ölmarkt ins Chaos! Was ist mit der Straße von Hormus?
Auch wenn die Aufwärtsbewegung bei Nordsee-Rohöl der Sorte Brent zuletzt etwas an Dynamik verlor, sind die Rohölpreise aufgrund des Iran-Konflikts in dieser Woche explodiert. Was ist jetzt mit der Straße von Hormus?
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hat zu massiven Störungen der globalen Rohölversorgung geführt und die Preise stark in die Höhe getrieben. So stieg Brent-Öl in dieser Woche zeitweise auf mehr als 84 US-Dollar je Barrel (159 Liter) und legte in den ersten drei Tagen der Woche laut Bloomberg um 12 Prozent zu. Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg innerhalb von sieben Tagen um rund 15 Prozent auf zeitweise mehr als 77 US-Dollar je Barrel.
Zuletzt verlor die starke Aufwärtsbewegung beim Nordsee-Rohöl der Sorte Brent etwas an Dynamik. Aktuell notiert Brent-Öl nur noch 0,07 Prozent im Plus, bei 82,88 US-Dollar je Barrel. WTI-Öl steht dagegen weiter deutlich im Plus: 2,54 Prozent bei 76,56 US-Dollar je Barrel (Stand: 11:47 Uhr).
Die Straße von Hormus ist die bedrohte Engstelle im Energiehandel
Die Straße von Hormus, durch die ein großer Teil des globalen Ölhandels läuft, bleibt das zentrale Sorgenkind. Zwar erklärte der iranische Militärkommandeur Amir Heydari, dass eine vollständige Blockade des Schiffsverkehrs nicht angestrebt werde, doch die letzten Tage zeigen, dass der Schiffsverkehr durch die Meerenge um mehr als 95 Prozent zurückgegangen ist.
Quelle: picture alliance / Anadolu | Murat Usubali
"Einige kritisieren uns dafür, dass wir die Straße von Hormus gesperrt haben. Wir halten nichts davon, die Straße von Hormus zu sperren" erklärt Militärkommandeur Amir Heydari wörtlich im iranischen Staatsfernsehen.
Allerdings berichtete das iranische Staatsfernsehen am Donnerstag, dass ein Öltanker im nördlichen Teil des Persischen Golfs von der iranischen Marine angegriffen wurde. Und die iranischen Revolutionsgarden kündigten an, ihre Angriffe auf westliche Schiffe und Infrastruktur zu verstärken. Viele Öltanker meiden deshalb die Meerenge aus Sorge vor Angriffen, was zu Lieferengpässen führt.
Washington arbeitet zwar derzeit an einem Plan, um den Schiffstransport durch die Straße von Hormus abzusichern. Dazu sollen Versicherungen und gegebenenfalls militärische Geleitschutzmaßnahmen angeboten werden. Doch dieser Plan könnte Wochen in Anspruch nehmen, wie Marsh, der weltweit größte Versicherungsmakler, warnte.
Die Auswirkungen dieses Konflikts sind besonders gravierend für die großen Ölverbraucher weltweit. So hat China, der größte Importeur von Rohöl, seine großen Raffinerien angewiesen, Exporte von Diesel und Benzin auszusetzen, um die heimische Versorgung zu sichern. Auch Japan hat seine Raffinerien angewiesen, auf Ölreserven aus den strategischen Ölvorräten zurückzugreifen. In Indien kündigte ein bedeutender Raffineriebesitzer an, die Produktexporte auszusetzen, wodurch sich die globale Versorgung weiter verschärft.
Die Ölterminkontrakte spiegeln das wachsende Risiko wider. Der Unterschied zwischen den beiden nächstfälligen Brent-Kontrakten – ein Indikator für die Marktentwicklung – sprang auf 3,94 US-Dollar je Barrel an. Dies weist auf eine zunehmende Verknappung in naher Zukunft hin. Vor einem Monat lag dieser Unterschied noch bei 0,57 US-Dollar. Inzwischen liegt das Preisniveau für den Oktober-Kontrakt fast 11 US-Dollar unter dem für den Mai-Kontrakt, was die Unsicherheit auf den Märkten weiter unterstreicht.
Vor dem Ausbruch des Konflikts war der Markt noch von einem Überangebot an Öl geprägt, was zu einem weiteren Preisverfall geführt hatte. Ein Analyst von IG Asia sagte nun, dass China immer noch über ausreichende Vorräte verfüge, um im Falle einer Deeskalation des Konflikts den Markt wieder zu stabilisieren. In den USA stiegen die Rohölbestände zuletzt um 3,5 Millionen Barrel und erreichten den höchsten Stand seit Mai des vergangenen Jahres. Dies trägt ebenfalls zu einem gewissen Puffer auf den Märkten bei.
Zusammenfassend bleibt der Ölmarkt also extrem volatil. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran könnte die Preise weiter in die Höhe treiben, sollten sich die Störungen im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus fortsetzen oder gar eskalieren.
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion


