Iran-Krieg treibt Spritpreise
Dieselpreis explodiert – Autofahrer zahlen die Zeche
Der Dieselpreis in den USA ist erstmals seit fast zwei Jahren über vier US-Dollar gestiegen. Gleichzeitig stoppt China Kraftstoffexporte – ein Schock, der oft zeitversetzt auch Europas Tankstellen erreicht.
Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten beginnt zunehmend, die globalen Energiemärkte zu erschüttern. Besonders deutlich zeigt sich das derzeit beim Diesel – einem Kraftstoff, den Analysten als sensiblen Indikator für mögliche Versorgungsengpässe betrachten.
In den USA ist der durchschnittliche Dieselpreis erstmals seit fast zwei Jahren wieder über die Marke von 4 US-Dollar pro Gallone gestiegen. Laut Daten des Automobilclubs AAA legte der nationale Durchschnittspreis am Mittwoch um 14,7 Cent auf 4,04 US-Dollar zu – der stärkste Tagesanstieg seit März 2022, als Russlands Angriff auf die Ukraine die Energiemärkte erschütterte. Bereits einen Tag später setzte sich die Bewegung fort: Am Donnerstag lag der Durchschnittspreis laut AAA bei rund 4,17 US-Dollar pro Gallone.
Analysten erwarten kurzfristig weitere Preissteigerungen. "Wir könnten in den kommenden Tagen einen Anstieg des Durchschnittspreises auf 4,25 bis 4,45 US-Dollar pro Gallone sehen, aber jede neue Entwicklung könnte den Preis in die eine oder andere Richtung treiben", sagte GasBuddy-Analyst Patrick De Haan gegenüber Reuters.
Der Dieselmarkt gilt unter Energieanalysten als sensibler Frühindikator für globale Versorgungsengpässe – oft reagieren Benzinpreise in Europa erst mit Verzögerung auf dieselben Schocks. Hintergrund ist die zentrale Rolle von Diesel für Transport, Industrie, Landwirtschaft und Energieversorgung.
Auch an den Terminmärkten spiegelt sich die wachsende Nervosität wider. US-Dieselfutures sind bereits den vierten Handelstag in Folge gestiegen und erreichten mit rund 3,29 US-Dollar pro Gallone den höchsten Schlussstand seit Ende September 2023. Marktbeobachter sehen darin ein Signal, dass der Aufwärtstrend bei den Energiepreisen noch nicht beendet sein könnte. Das Beratungsunternehmen Ritterbusch and Associates bezeichnete Diesel sogar als "besserer Indikator für kriegsbedingte Versorgungsengpässe als Rohöl".
Die geopolitische Lage verschärft die Situation zusätzlich. Ein erheblicher Teil der weltweiten Destillatversorgung stammt aus Rohölsorten des Nahen Ostens, die besonders reich an Diesel sind. Über den Persischen Golf werden laut dem Datenanbieter Vortexa täglich rund 900.000 Barrel Diesel und 350.000 Barrel Kerosin transportiert – etwa zehn beziehungsweise zwanzig Prozent der globalen Seetransporte dieser Produkte.
Vor diesem Hintergrund reagiert auch China zunehmend vorsichtig. Wie Bloomberg berichtet, hat die Regierung die größten Raffinerien des Landes angewiesen, ihre Exporte von Diesel und Benzin vorübergehend auszusetzen. Die Unternehmen sollen keine neuen Lieferverträge abschließen und versuchen, bereits vereinbarte Ausfuhren neu zu verhandeln. Ausnahmen gelten lediglich für Flug- und Bunkerkraftstoffe in Zolllagern sowie für Lieferungen nach Hongkong und Macau.
Die Maßnahme zeigt, wie stark große Importländer inzwischen versuchen, ihre eigene Energieversorgung zu sichern. Obwohl China über eine der größten Raffineriekapazitäten der Welt verfügt, bleibt das Land stark von Rohöllieferungen aus dem Persischen Golf abhängig und bezieht fast die Hälfte seiner Ölimporte aus der Region.
Für die Energiemärkte ergibt sich daraus eine brisante Kombination: geopolitische Risiken, knappe Vorräte und erste Exportbeschränkungen. Besonders der Dieselmarkt könnte dadurch zum Frühindikator für weitere Preisschübe werden – mit möglichen Folgen auch für Benzinpreise weltweit.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

