Rallye oder Dead Cat Bounce?
Bitcoin: Short-Squeeze – oder droht eine Liquidationswelle ab 67.000?
Bitcoin ist auf den höchsten Stand seit Wochen gesprungen. Strategen sind gespalten: Während einige eine neue Rallye erwarten, warnen andere bereits vor einem möglichen "Dead-Cat-Bounce".
Der Bitcoin-Kurs hat sich nach turbulenten Handelstagen deutlich erholt und erstmals seit Anfang Februar wieder die Marke von 72.000 US-Dollar überschritten. Am Mittwoch stieg die Kryptowährung zeitweise sogar auf fast 74.000 US-Dollar, bevor sie wieder etwas nachgab und zuletzt bei rund 72.800 US-Dollar notierte. Damit legte Bitcoin innerhalb von 24 Stunden mehr als sechs Prozent zu.
Trotz der kräftigen Bewegung warnen Marktbeobachter jedoch davor, den Anstieg bereits als nachhaltige Trendwende zu interpretieren. Nicolai Søndergaard, Research Analyst bei Nansen, sieht den Kurs derzeit an einer kritischen Schwelle. "Dieser Anstieg bringt Bitcoin auf ein Niveau, auf dem frühere Rallyes ins Stocken geraten sind, und es gibt noch keine Bestätigung für einen Durchbruch mit Folgeeffekten", sagte er gegenüber Sherwood News.
Entscheidend könnte nun die makroökonomische Entwicklung werden. Sollte Bitcoin bis zur Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten am Freitag über der Marke von 71.000 US-Dollar bleiben, könnte sich die Marktstruktur deutlich verändern. Schwache Daten würden die Erwartungen an eine Zinssenkung vor der nächsten Sitzung der US-Notenbank am 18. März verstärken und damit zusätzlichen Rückenwind liefern. "Wenn dieses Niveau jedoch wie zuvor nicht gehalten werden kann, bleibt die Spanne von 60.000 bis 71.000 intakt, und es ist sinnvoller, sich zurückzuhalten, bis eine klare Richtung bestätigt ist", sagte Søndergaard.
Auch Derivatemärkte liefern Hinweise auf eine vorsichtig bullishere Stimmung. Stan Low, Forschungsleiter bei Grvt, verwies auf steigende offene Positionen auf der Long-Seite. Gleichzeitig bleiben wichtige Liquidationszonen im Blick: Long-Squeezes könnten laut Low oberhalb von etwa 67.000 US-Dollar ausgelöst werden, während ein Short-Squeeze zwischen 69.000 und 70.000 US-Dollar zusätzlichen Aufwärtsdruck erzeugen könnte.
Ein weiteres Signal liefert die Marktstimmung. Der Crypto Fear & Greed Index verharrt seit Wochen im Bereich "extreme Angst", doch laut Ryan Lee, Chefanalyst bei Bitget, kann genau das ein Kontraindikator sein. "Historisch gesehen gehen lange Phasen extremer Angst in reifen Marktzyklen oft starken Erholungen voraus, da sich der Verkaufsdruck erschöpft und langfristiges Kapital wieder zurückkehrt."
Auch institutionelle Anleger scheinen vorsichtig zurückzukehren. Laut Daten von SoSoValue flossen allein in dieser Woche bislang rund 683 Millionen US-Dollar in Bitcoin-ETFs. Nic Puckrin, Mitbegründer von Coin Bureau, sieht darin ein mögliches Signal, dass Investoren Bitcoin wieder stärker als Absicherung gegen geopolitische Risiken oder Inflation betrachten. "Das Narrativ vom 'sicheren Hafen', das viele Anleger bereits aufgegeben hatten, könnte sich diesmal bewahrheiten."
Dennoch bleibt nicht jeder Marktbeobachter überzeugt. Arthur Hayes, Mitbegründer von BitMEX, warnte auf der Plattform X, die jüngste Rallye könnte lediglich ein kurzfristiger Rückprall sein. "Es könnte ein Dead Cat Bounce sein", schrieb er. "Wir sind noch nicht über den Berg. Seien Sie geduldig." Hayes argumentiert zudem, dass Bitcoin weiterhin stark mit US-Technologieaktien korreliert und sich noch nicht vollständig von deren Entwicklung entkoppelt hat.
Damit bleibt der Markt vorerst in einer entscheidenden Phase: Die jüngste Rallye signalisiert neues Interesse, doch ob daraus ein nachhaltiger Aufwärtstrend entsteht, hängt weiterhin stark von Makrodaten, Kapitalzuflüssen und der Risikostimmung an den globalen Märkten ab.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Bitcoin wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,67 % und einem Kurs von 73.172USD auf CryptoCompare Index (05. März 2026, 12:06 Uhr) gehandelt.

