Eskalation im Iran
Droht jetzt der Chip-Schock aus dem Nahen Osten?
Der Konflikt zwischen USA, Israel und Iran alarmiert Südkoreas Chipbranche. Es geht um Helium, Energiepreise und Milliardeninvestitionen in KI-Rechenzentren.
Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran könnte die Versorgung mit zentralen Materialien für die Halbleiterproduktion empfindlich treffen. Davor warnt die südkoreanische Regierungspartei, wie Reuters berichtet.
Kim Young-bae, Politiker und ehemaliger Bezirksbürgermeister von Seongbuk, erklärte nach einem Treffen mit Führungskräften unter anderem von Samsung Electronics sowie Branchenverbänden, es gebe wachsende Sorgen. "Beamte wiesen auf die Möglichkeit hin, dass die Halbleiterproduktion gestört werden könnte, wenn einige dieser wichtigen Materialien nicht aus dem Nahen Osten bezogen werden können", sagte er vor Journalisten. Südkoreanische Unternehmen bezögen wichtige Materialien wie Helium aus der Region.
Helium als kritischer Faktor
Helium ist für das Wärmemanagement in der Chipfertigung unverzichtbar. Der Stoff hat derzeit keine praktikable Alternative. Produziert wird er nur in wenigen Ländern. Zu den wichtigsten Anbietern zählen Katar und die USA.
Südkorea ist ein Schwergewicht der Branche. Das Land liefert rund zwei Drittel der weltweiten Speicherchips. Ein länger anhaltender Konflikt könnte zudem die Energiepreise steigen lassen. Auch das würde die Kosten der Hersteller erhöhen, so Kim.
Der Zeitpunkt ist heikel. Die Branche kämpft bereits mit Engpässen. Die stark gestiegene Nachfrage nach Chips für KI-Rechenzentren bindet Kapazitäten. Andere Industrien wie Smartphones, Laptops und Autos leiden unter knappen Lieferungen.
Unternehmen geben sich noch gelassen
Der Speicherchiphersteller SK Hynix teilte mit, man verfüge über ausreichende Heliumbestände. Das Unternehmen erwarte keine Unterbrechung der Beschaffung. Samsung Electronics lehnte eine Stellungnahme gegenüber Reuters ab.
Der Auftragsfertiger GlobalFoundries erklärte, man beobachte die Entwicklungen im Nahen Osten genau: "Die Lage bleibt weiterhin unbeständig, aber wir stehen in direktem Kontakt mit Lieferanten, Kunden und Partnern in der Region und haben Maßnahmen zur Risikominderung getroffen."
Rückschlag für KI-Offensive?
Nach Angaben von Kim könnte die Krise auch langfristige Investitionspläne bremsen. Große Technologiekonzerne planen den Bau von KI-Rechenzentren im Nahen Osten. Eine Eskalation könnte diese Projekte verzögern und damit die starke Chipnachfrage dämpfen.
Zuletzt meldete Amazon Schäden an Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain nach Drohnenangriffen. Das nährt Zweifel am Expansionstempo der Branche in der Region.
US-Konzerne wie Microsoft und Nvidia positionieren die Vereinigten Arabischen Emirate als Drehscheibe für KI-Rechenleistung, die Anwendungen wie ChatGPT antreibt.
Die Lage bleibt angespannt. Sollte der Konflikt weiter eskalieren, könnte aus einem regionalen Krieg schnell ein globales Lieferkettenrisiko für die Schlüsselindustrie der digitalen Wirtschaft werden.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion


