Diesel-Rallye
Warum die Dieselpreise jetzt Benzin überholen
Die Preise für Diesel explodieren und hängen Super E10 ab. Die Krise im Nahen Osten trifft Logistik und Verbraucherpreise in Deutschland besonders hart.
- Dieselpreise explodieren, überholen Super E10.
- Hormus-Krise lähmt Schiffsverkehr Diesel steigt
- Zeitverzug schützt Verbraucher Inflation droht
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
Wer aktuell in Deutschland an die Zapfsäule fährt, erlebt ein ungewohntes Bild: Diesel, der aufgrund geringerer Steuersätze normalerweise deutlich günstiger als Benzin ist, hat die 2-Euro-Marke durchbrochen und Super E10 mancherorts bereits überholt. Während beide Kraftstoffe teurer werden, reagiert Diesel deutlich aggressiver auf die aktuelle Weltlage.
Hintergrund für den steilen Anstieg ist vor allem die geografische Sensibilität der Dieselmärkte. Analysten betonen, dass Diesel ein hochgradig globales Gut ist, das extrem empfindlich auf maritime Störungen reagiert. Durch die Eskalation im Nahen Osten ist der Verkehr in der Straße von Hormus – einem der weltweit wichtigsten Korridore, durch den rund ein Fünftel des globalen Öls fließt – nahezu zum Erliegen gekommen.
"Bei erhöhten Spannungen in einem so kritischen Schifffahrtsweg reagiert Diesel wesentlich heftiger als Benzin", erklärt Patrick De Haan, Leiter der Erdölanalyse bei GasBuddy, gegenüber Yahoo Finance. Da Europa und insbesondere Deutschland stark auf Importe von Mitteldestillaten angewiesen sind, schlagen Blockaden in diesen Regionen unmittelbar auf den hiesigen Markt durch. Aber auch in den USA ist der Dieselpreis erstmals seit fast zwei Jahren über die Marke von 4 US-Dollar pro Gallone (ca. 3,8 Liter) gestiegen.
Der Motor der deutschen Wirtschaft unter Druck
In Deutschland ist die Abhängigkeit vom Diesel im Vergleich zu anderen Ländern besonders ausgeprägt. Während der Dieselanteil bei PKW schrumpft, bleibt er im Güterverkehr das Maß aller Dinge:
- Rund 95 Prozent aller LKW in Deutschland fahren mit Diesel.
- Über 72 Prozent der gesamten Güterlast wird hierzulande über die Straße transportiert.
Das bedeutet: Jede Preissteigerung beim Diesel ist eine direkte Steuer auf den Warenverkehr – vom Joghurt im Supermarktregal bis hin zum Baumaterial für neue Wohnungen.
Zeitverzögerung schützt Verbraucher (noch)
Noch kommen die massiven Preissteigerungen nicht in vollem Umfang bei den Endverbrauchern im Supermarkt an. Das liegt an der Struktur der Logistikbranche. Die meisten Speditionen arbeiten mit langfristigen Verträgen, in die sogenannte Diesel-Floater (Preisklauseln) eingebaut sind.
"Höhere Dieselpreise sickern absolut in die Verbraucherpreise ein, allerdings meist mit einer zeitlichen Verzögerung", so De Haan. Der Effekt wird erst dann für die Allgemeinheit spürbar, wenn Verträge erneuert werden oder die Treibstoffzuschläge die kalkulierten Margen der Händler übersteigen. Sollte das aktuelle Preisniveau von über 1,90 Euro pro Liter jedoch anhalten, ist eine neue Inflationswelle bei Alltagsgütern kaum zu vermeiden.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

