Aus der Traum
Der Iran-Konflikt hat den US-Traum vom Eigenheim schnell ausgebremst
Kurz sah es nach einer Wende am US-Immobilienmarkt aus: Die Zinsen fielen unter 6 Prozent. Doch die Eskalation im Nahen Osten treibt die Raten prompt wieder nach oben und heizt die Inflation an.
- Zinsen kurz unter 6% → Kaufkraft stieg, Häuser
- Iran-Konflikt treibt Ölpreise + Zinsen hoch an
- Kurzes Kauf-Fenster zu— Inflation bedroht Haus
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
Für einen kurzen Moment kehrte der Optimismus in die Wohnzimmer amerikanischer Familien zurück. Erstmals seit September 2022 sank der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Festhypotheken Ende der vergangenen Woche unter die Marke von 6 Prozent. Mit einem Wert von 5,98 Prozent schien der Weg frei für eine Belebung des "eingefrorenen" Immobilienmarktes pünktlich zur wichtigen Frühjahrssaison. Doch die Freude war von kurzer Dauer: Militärschläge der USA und Israels im Iran haben die Finanzmärkte erschüttert und die Zinsen umgehend wieder über die 6-Prozent-Schwelle getrieben.
Der Rückgang unter 6 Prozent wirkte wie ein Startschuss. Laut Daten von Freddie Mac stiegen die Anträge auf Refinanzierung und Hauskäufe sofort an. Experten wie Kara Ng von Zillow sprachen von einem massiven Zuwachs an Kaufkraft: Im Vergleich zum Vorjahr, als die Zinsen noch im Bereich von 7 Prozent lagen, konnten sich Käufer plötzlich Häuser leisten, die rund 30.000 US-Dollar teurer waren.
"Ein Zinssatz, der mit einer 5 beginnt, bricht eine emotionale Barriere", sagen Immobilienexperten. Es ist der Schlüssel, um den sogenannten "Lock-in-Effekt" zu überwinden – ein Phänomen, bei dem Hausbesitzer ihre Immobilien nicht verkaufen, weil sie ihre alten Niedrigzins-Kredite aus der Pandemiezeit nicht gegen teure Neukredite eintauschen wollen.
Doch die geopolitische Realität holte den Markt am Wochenende ein. Normalerweise gelten US-Staatsanleihen in Krisenzeiten als "sicherer Hafen". Investoren flüchten in Anleihen, die Kurse steigen und die Renditen – an denen sich die Hypothekenzinsen orientieren – sinken. Diesmal jedoch reagierte der Markt anders.
Der Konflikt im Iran löste einen Ölpreisschock aus; die Preise sprangen deutlich nach oben. Die Angst vor einer neuen Inflationswelle sorgte dafür, dass Anleger Staatsanleihen eher mieden und stattdessen in Gold investierten. Die Folge: Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe kletterte wieder über 4 Prozent, und die Hypothekenzinsen zogen nach. Am Montag meldete Mortgage News Daily bereits wieder einen Durchschnittswert von 6,12 Prozent, aktuell liegt er bei 6,13 Prozent.
Experten uneins: Kurzes Beben oder dauerhafte Krise?
Die entscheidende Frage für den US-Häusermarkt ist nun die Dauer des Konflikts. Mark Zandi, Chefökonom bei Moody’s Analytics, warnt: "Sollte der Krieg länger als ein paar Wochen dauern, werden Ölpreise und Zinsen weiter steigen und die Psyche der amerikanischen Haushalte schwer belasten." Dies könnte den gesamten Immobilienmarkt nachhaltig schädigen.
Andere Experten mahnen zur Ruhe. Historisch gesehen führen Kriege im Nahen Osten oft zu einer anfänglichen Volatilität und einem kurzen Zinsspike, bevor die Zinsen im weiteren Verlauf wieder sinken. Dennoch bleibt die Verunsicherung spürbar. "Vergessen Sie den Zinssatz – wie werden sich die Menschen angesichts der Wirtschaftslage fühlen? Wenn ein Krieg beginnt, weiß man nie, wohin der Ball rollt", bringt es Christopher Maloney von BOK Financial Securities gegenüber Bloomberg auf den Punkt.
Für US-Hauskäufer öffnete sich in der vergangenen Woche ein seltenes, kurzes Fenster der Gelegenheit, als die Zinsen die psychologisch wichtige 6-Prozent-Marke unterschritten. Doch so schnell dieses Fenster aufging, so abrupt wurde es durch die geopolitische Eskalation im Nahen Osten wieder zugeschlagen.
Über den reinen Hypothekenzins hinaus ist mit dem Iran-Konflikt eine tiefe zusätzliche Verunsicherung in den Alltag der US-Bürger eingekehrt. Da der Krieg das Potenzial hat, die Inflation erneut anzuheizen, droht eine Kettenreaktion bei den Lebenshaltungskosten: Steigende Ölpreise dürften nicht nur das Tanken und Heizen verteuern, sondern über höhere Transport- und Produktionskosten auch die Preise für Strom und Lebensmittel weiter nach oben treiben. Für viele Amerikaner, die ohnehin mit den hohen Lebenshaltungskosten kämpfen, rückt der Traum vom Eigenheim damit in weite Ferne – nicht nur wegen der Zinsen, sondern weil das Budget für das tägliche Leben schrumpft.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

