Arbeitsplätze in Gefahr
"KI-Weltuntergang läuft schon" – Stratege warnt vor Job-Kahlschlag
Der Société-Générale-Stratege Albert Edwards sieht die KI-Krise bereits in vollem Gange. Arbeitsplätze verschwinden, Einkommen stagnieren und der Konsum könnte bald einbrechen.
- AI-Krise läuft: Jobs verloren Konsum gefährdet
- Sparquote 3,6% niedrig; Konsum droht Einbruch.
- SG defensiv: Aktien 30%, Anleihen 50%, Cash 20%
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Der Société-Générale-Stratege Albert Edwards warnt, dass die wirtschaftlichen Folgen der künstlichen Intelligenz früher eintreten könnten als von vielen Investoren erwartet. Während einige Marktbeobachter eine KI-bedingte Wirtschaftskrise erst gegen Ende des Jahrzehnts prognostizieren, sieht Edwards die Entwicklung bereits heute im Gange. "Das KI-Makro-Weltuntergangsszenario ist nicht für 2028 vorgesehen. Es ist bereits jetzt Realität!", schreibt er in seinem aktuellen Strategiebericht.
Seit der Einführung von ChatGPT im November 2022 habe KI die Rallye am US-Aktienmarkt maßgeblich befeuert und den S&P 500 auf Rekordstände getragen. Gleichzeitig sieht Edwards jedoch zunehmend negative Nebenwirkungen für den Arbeitsmarkt. Seiner Einschätzung nach ersetzt KI bereits Arbeitsplätze und bremst damit das Beschäftigungswachstum, obwohl die Wirtschaft insgesamt weiter wächst.
Besonders kritisch bewertet der Stratege die Entwicklung beim Konsum, der bislang als wichtigste Stütze der US-Wirtschaft gilt. Die US-Verbraucherausgaben wachsen aktuell um fast drei Prozent, während das reale verfügbare Einkommen seit rund sechs Monaten stagniert. Für Edwards ist das ein Warnsignal: Der amerikanische Verbraucher finanziere seine Ausgaben zunehmend aus Ersparnissen.
Tatsächlich ist die Sparquote in den USA auf nur noch 3,6 Prozent gefallen – ein Niveau, das zuletzt während der Immobilienboomphase 2006 erreicht wurde. Edwards hält es für unwahrscheinlich, dass die Haushalte ihre Ersparnisse weiter reduzieren können. "Ein weiterer starker Rückgang der (Sparquote) ist von diesem sehr niedrigen Niveau aus unwahrscheinlich, was meine Ansicht untermauert, dass wir auf eine KI-bedingte Konsumkrise zusteuern", schreibt er.
Besonders besorgniserregend sei, dass sich die Auswirkungen nicht mehr nur auf den Technologiesektor beschränkten. Inzwischen würden auch Branchen wie Versicherungen, Fondsmanagement oder Logistik zunehmenden Druck spüren. Für junge Menschen zeichnet Edwards sogar ein ungewöhnlich düsteres Bild: Wenn er heute noch einmal 18 Jahre alt wäre, würde er "die Universität ganz überspringen und Elektriker werden", statt sich für Berufe mit unklaren Perspektiven zu verschulden.
Auch für die Geldpolitik erwartet Edwards Konsequenzen. Während einige Ökonomen argumentieren, dass KI-bedingte Produktivitätsgewinne langfristig zu höheren Zinsen führen könnten, schließt er sich der Einschätzung des designierten Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh an. Sollte sich die Konsumschwäche verstärken, könnten die Zinsen deutlich stärker fallen als derzeit am Markt erwartet.
Vor diesem Hintergrund positioniert sich Edwards ausgesprochen defensiv. In der Vermögensallokation der Société Générale sind Aktien aktuell mit rund 30 Prozent deutlich untergewichtet, während Anleihen mit etwa 50 Prozent und Bargeld mit rund 20 Prozent stärker gewichtet sind. Für Edwards ist klar: Die Risiken einer KI-getriebenen wirtschaftlichen Abkühlung zeigen sich bereits jetzt – und der Verbraucher bleibt dabei das "schwächste Glied".
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

