KI-Krieg mit Washington
Palantir-Deal beendet: Anthropic zieht gegen Pentagon vor Gericht
Der Streit zwischen Anthropic und der US-Regierung eskaliert. Das Pentagon erklärt die KI-Firma zur Gefahr für die Lieferkette – nun droht ein juristischer Showdown.
- Pentagon stuft Anthropic als Risiko ein; Klage.
- 200Mio$-Vertrag und Palantir-Deal sind bedroht
- Rechtsstreit, Politikrisiko; Microsoft bleibt..
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Der Konflikt zwischen dem KI-Unternehmen Anthropic und der US-Regierung spitzt sich dramatisch zu. Das Pentagon hat die Firma als Risiko für amerikanische Lieferketten eingestuft. Anthropic will die Entscheidung nun vor Gericht anfechten, wie Bloomberg berichtet.
Juristische Offensive gegen Washington
Anthropic-Chef Dario Amodei kündigte am Donnerstag einen Rechtsstreit an. Die Entscheidung des US-Verteidigungsministeriums sei aus Sicht des Unternehmens nicht haltbar.
"Wir halten diese Maßnahme für rechtlich nicht haltbar und sehen keine andere Möglichkeit, als sie vor Gericht anzufechten", erklärte Amodei in einem Blogbeitrag.
Das Pentagon hatte das Unternehmen laut Amodei bereits am Mittwoch über die Einstufung informiert. Die Maßnahme gefährdet einen Vertrag im Wert von 200 Millionen US-Dollar für KI-Software mit Geheimhaltungsstufe. Außerdem könnte sie verhindern, dass Anthropic mit anderen Rüstungsfirmen zusammenarbeitet.
Streit über militärische Nutzung von KI
Der Konflikt ist das Ergebnis mehrwöchiger Verhandlungen zwischen dem Unternehmen und der Regierung. Dabei ging es um den Zugang des US-Militärs zu Anthropics Technologie.
Die Gespräche scheiterten laut Bloomberg vergangene Woche. Anthropic verlangte Garantien, dass seine Systeme nicht für Massenüberwachung amerikanischer Bürger oder für autonome Waffensysteme eingesetzt werden.
Daraufhin drohte Verteidigungsminister Pete Hegseth mit der Einstufung als Lieferkettenrisiko.
In einem Schreiben an den Kongress begründete Hegseth die Entscheidung mit Sicherheitsbedenken. Die Nutzungsbeschränkungen des Unternehmens könnten Risiken für die militärische Lieferkette darstellen.
Folgen für Militärprojekte
Die Entscheidung hat bereits konkrete Konsequenzen. Anthropic muss die Zusammenarbeit mit dem Rüstungssoftwareanbieter Palantir beenden. Palantir hatte Anthropics KI Claude in seinem Missionssystem Maven Smart System eingesetzt, das unter anderem bei US-Militäroperationen gegen den Iran verwendet wird.
Der Schritt könnte auch die Einführung von KI im US-Militär verlangsamen. Anthropics Systeme gehörten zuletzt zu den wenigen KI-Anwendungen, die in der geheimen Cloud des Pentagon laufen konnten.
Lauren Kahn vom Center for Security and Emerging Technology der Georgetown University sagte, der Verlust dieser Technologie werde spürbar sein. "Es ist eine gute Funktion", erklärte sie. Sie zu entfernen werde "für alle Beteiligten schmerzhaft sein".
Investoren hoffen auf begrenzte Auswirkungen
Amodei betonte, dass die rechtliche Grundlage der Maßnahme eng gefasst sei und vermutlich nur spezifische Pentagon-Verträge betreffe. Das dürfte Investoren beruhigen.
Microsoft erklärte bereits, dass die Zusammenarbeit mit Anthropic bei Projekten außerhalb des Verteidigungsbereichs fortgesetzt werden könne.
Trotzdem bleibt der politische Schaden erheblich. Die Regierung von Präsident Donald Trump hat zudem andere Behörden aufgefordert, ihre Verträge mit Anthropic zu beenden. Das US-Finanzministerium und die General Services Administration haben entsprechende Schritte bereits angekündigt.
Präzedenzfall für US-Technologie
Rechtsexperten sehen die Entscheidung kritisch. Charlie Bullock vom Institute for Law and AI sprach von einer möglichen Überschreitung der gesetzlichen Befugnisse.
"Diese Behörde dient nicht dazu, große amerikanische Unternehmen zu zerstören, die vertragliche Meinungsverschiedenheiten mit der US-Regierung haben", sagte er. Solche Maßnahmen zielten eigentlich auf Spionage durch chinesische Firmen.
Für Anthropic steht viel auf dem Spiel. Das Unternehmen wird derzeit mit 380 Milliarden US-Dollar bewertet und steuert auf einen Jahresumsatz von fast 20 Milliarden US-Dollar zu. Der Konflikt mit Washington könnte diese Wachstumsgeschichte nun erheblich belasten.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion



