Droht Silber die Neubewertung?
Silberpreis auf der Kippe: Warum Anleger gerade jetzt genau hinschauen sollten
Silber konnte am Freitag vom überraschend schwachen US-Arbeitsmarktbericht profitieren. Der Silberpreis legte kräftig zu. Dennoch scheint das Edelmetall noch immer auf der Kippe zu stehen.
- Silber gewann nach schwachem US-Arbeitsmarkt!!
- Produzentenprobleme verstärken Angebotsdefizit
- Silber konsolidiert, Ratio 61; Ziel 100–120 70
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
Silberpreis aktuell gehemmt
Die Wucht und die Dynamik vergangener Wochen sind aus der Preisentwicklung des Edelmetalls gewichen. Silber zieht aktuell vergleichsweise ruhig seine Bahnen. Das Ganze ist fast schon „verdächtig“. Ist es die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm? Die nächste Preiseskalation scheint in Vorbereitung zu sein. Dabei hat Silber diese Phase nicht exklusive, denn auch über den Goldpreis hat sich eine trügerische Ruhe gelegt.
Preisschwäche bei Silber nur temporär
Dass es dem Edelmetall aktuell ein wenig an Momentum mangelt, ist wohl noch immer auf die Preiseskalation im Januar zurückzuführen. Die Silber-Rallye auf 120 US-Dollar verlangte nach einer Korrektur. Und diese kam und hält noch immer an. Auf lange Sicht ist eine etwas ausgedehntere Korrektur sogar zu begrüßen, bildet sich in ausgeprägten Konsolidierungs- und Korrekturphasen doch nicht selten ein stabiler Boden und damit eine tragfähige Basis für den nächsten Rallyeimpuls. Solange die strukturellen Preistreiber, wie das anhaltende Defizit am Silbermarkt, bestehen, ist das langfristig bullische Szenario zu bevorzugen.
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Probleme der Silber-Produzenten könnten Angebotsdefizit am Silbermarkt verschärfen
Im Silber-Kommentar vom 15. Februar wurden die aktuellen Prognosen des „The Silver Institute“ für 2026 thematisiert. Die Branchenorganisation der Silberindustrie erwartet den Silbermarkt in 2026 das sechste Jahr in Folge in einem Defizit. Da passt es ins Bild, dass der weltgrößte Primärsilberproduzent Fresnillo am 03. März für das laufende Jahr eine überraschend schwache Produktionsprognose abgab. Diese ging vor dem Iran-Krieg ein wenig unter. In Zahlen. Während Fresnillo im Jahr 2025 insgesamt 48,7 Mio. Unzen Silber aus dem Boden holte, erwartet das Unternehmen für das laufende Jahr eine Silberproduktion in einer Spanne von 42,0 Mio. bis 46,5 Mio. Unzen. Die Probleme wichtiger Silber-Produzenten, die Produktion stabil zu halten oder gar auszudehnen, sind bekannt und waren bereits ein ums andere Mal Thema an dieser Stelle. Hecla Mining gehört ebenfalls in diese Kategorie. Die US-Amerikaner produzierten in 2025 17 Mio. Unzen, erwarten für 2026 „nur“ 15,1 Mio. Unzen bis 16,5 Mio. Unzen. Der im Januar angekündigte Verkauf der Goldmine Casa Berardi hat keinen Einfluss auf die Prognose für die Silberproduktion; zu gering ist der Silberausstoß auf Casa Berardi.
Auch vermeintlich positive Beispiele relativieren sich bei genauerer Betrachtung. So rechnet Pan American Silver für 2026 mit einer Silberproduktion in einer Spanne von 25 Mio. bis 27 Mio. Unzen, nach 22,8 Mio. Unzen Silber in 2025. Auf den ersten Blick sieht das beeindruckend aus. Bereinigt man das Ganze jedoch um den „MAG Silver-Effekt“, sieht es doch ein wenig anders aus. Der 44 %ige Anteil an der Juanicipio-Mine (56 Prozent besitzt Fresnillo) soll im laufenden Jahr 2026 6,0 bis 6,5 Mio. Unzen zur Unternehmensproduktion von Pan American Silver beitragen. Die Übernahme von MAG Silver durch Pan American Silver wurde am Anfang September 2025 wirksam. Entsprechend trug Juanicipio 2025 „nur“ mit 2,5 Mio. Unzen zur Silberproduktion von Pan American Silver bei.
Gold vs. Silber – Die Gold-Silber-Ratio im Blick
Gold beendete die Handelswoche bei 5.158 US-Dollar und Silber bei 84,33 US-Dollar. Die aktuelle Gold-Silber-Ratio beträgt demnach 61. Zum Vergleich. Zum Zeitpunkt der letzten Silber-Kommentierung an dieser Stelle war eine Gold-Silber-Ratio von 56 zu verzeichnen. Mit anderen Worten: Gold zog in den letzten Tagen das Momentum wieder auf seine Seite. Als langfristig relevanter Wert für die Ratio gilt zudem 60.
Fazit - Warum Anleger gerade jetzt genau hinschauen sollten
Silber befindet sich in einer entscheidenden Phase und könnte jederzeit in die eine oder andere Richtung kippen. Obgleich die langfristigen Perspektiven unverändert „bullisch“ sind, muss man auf kurze und mittlere Sicht doch einen erneuten Rücksetzer auf 70 US-Dollar einkalkulieren. Nicht zuletzt die ambivalente Erwartungshaltung des Marktes in Richtung Fed befeuert die Verunsicherung. Die US-Notenbank könnte auf den kommenden Sitzungen gezwungen werden, zwischen einer Reaktion auf den Inflationsdruck (unter anderem angefeuert von den eskalierenden Preisen für Brent Öl und WTI Öl) und einer Reaktion auf eine mögliche Wirtschaftsschwäche (Stichwort US-Arbeitsmarktbericht für Februar) abzuwägen.
Kurzum. Silber konsolidiert aktuell, hält aber nach wie vor alle Trümpfe in der Hand, die Bewegung auf 100 US-Dollar bzw. 120 US-Dollar auszudehnen. Auf der Unterseite sollte es jedoch nicht signifikant unter die 70 US-Dollar gehen. Einen solchen Rücksetzer gilt es, unter allen Umständen zu vermeiden.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte
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