"Krise wie keine andere"

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    Keine Chips mehr für Handys, Laptops, Autos – KI kauft alle auf

    Der KI-Boom frisst die Ressourcen: Speicherchips werden zum Luxusgut. Was das für Laptop, Smartphone und Auto bedeutet und warum eine Entwarnung vorerst nicht in Sicht ist.

    Für Sie zusammengefasst

    Der rasante Aufstieg der künstlichen Intelligenz (KI) hat eine unerwartete Kehrseite: Die Welt steuert auf eine historische Knappheit bei Speicherchips zu, die den Preis für alltägliche Elektronik in die Höhe treibt. Was wir derzeit erleben, ist laut den Marktforschern von IDC eine "Krise wie keine andere".

    Der Hunger von KI-Systemen nach Daten ist gigantisch. Um diesen zu stillen, setzen Tech-Giganten wie Microsoft, Google, Meta und Amazon auf besondere Arbeitsspeicher, sogenannte High-Bandwidth Memory (HBM). Diese Chips erlauben extrem schnelle Datentransfers. Da die Nachfrage nach KI-Rechenzentren explodiert – die Ausgaben hierfür sollen 2026 Schätzungen zufolge bei 650 Milliarden US-Dollar liegen – kaufen diese Unternehmen den Markt leer. Sie zahlen Prämien und schließen langfristige Verträge ab.

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    Das Problem dabei ist, dass die Produktion dieser hochkomplexen HBM-Chips extrem schwierig ist. Nur drei Unternehmen – Samsung, SK Hynix und Micron – beherrschen die Technologie. Um HBM herzustellen, müssen hauchdünne Speicher-Schichten mit mikroskopischer Präzision gestapelt und verbunden werden. Jeder Defekt macht den ganzen Stapel unbrauchbar.

    Da die Chip-Hersteller ihre Kapazitäten bevorzugt für die hochprofitablen KI-Aufträge einsetzen, bleibt für herkömmliche Geräte – wie Laptops, Smartphones, Spielekonsolen und Autos – weniger Produktionskapazität übrig. Die Folge ist eine dramatische Verknappung bei klassischem DRAM- und NAND-Flash-Speicherchips.

    Die Auswirkungen sind bereits spürbar:

    - PCs & Laptops: Bei HP machen Speicherchips mittlerweile etwa 35 Prozent der Materialkosten aus (zuvor 15–18 Prozent). Hersteller wie Dell und HP geben diese Kostensteigerungen durch höhere Preise oder schlechtere Ausstattung (weniger Speicher) an die Kunden weiter.

    - Smartphones: Die Materialkosten für Mobiltelefone könnten laut Schätzungen um 15 Prozent steigen. Der Markt schrumpft, da Hersteller günstige Einsteiger-Modelle aufgrund der hohen Kosten streichen.

    Gaming: Konsolenhersteller wie Sony und Nintendo warnen vor steigenden Preisen und möglichen Verzögerungen bei Produktstarts.

    Wer profitiert?

    Die Gewinner dieses Trends sind eindeutig die Speicherchip-Hersteller selbst. Sie erzielen mit den KI-Aufträgen deutlich höhere Margen als mit dem Massenmarkt für Unterhaltungselektronik. Gleichzeitig agieren sie jedoch vorsichtig: Nach dem schmerzhaften Einbruch der Nachfrage 2023 wollen sie eine Überproduktion und damit verbundene Preisstürze vermeiden.

    Für Verbraucher bedeutet dies: Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Selbst wenn die Produktion hochgefahren wird, ist mit einer Entlastung der Märkte kaum vor Ablauf eines weiteren Jahres zu rechnen. Die Ära der billigen Speicherbausteine ist vorerst vorbei – und damit auch die Zeit der kontinuierlich sinkenden Elektronikpreise.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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