Neue Milliardenfantasie?
1.000 Drohnenboote: Rheinmetall geht aufs Wasser – morgen wird abgerechnet
Der Rüstungskonzern will in Hamburg unbemannte Boote in Serie bauen und denkt langfristig an bis zu 1.000 Einheiten pro Jahr. Erste NATO-Marinen haben bereits bestellt. Jetzt wartet der Markt auf morgen.
- Rheinmetall will in Hamburg Drohnenboote bauen
- NATO-Aufträge gesichert: 150 Boote vereinbart.
- Markt wartet auf Q-Zahlen; Kursziele schwanken
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Rheinmetall baut sein Geschäft mit maritimen Drohnensystemen massiv aus. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern will künftig unbemannte Boote – sogenannte Drohnenboote oder "Unmanned Surface Vehicles" – in größerem Umfang in Hamburg produzieren. "Wir fangen an mit einer relativ kleinen Anzahl von 15 Booten, um das ganze Thema in Fahrt zu bringen", sagte Tim Wagner, Leiter der Rheinmetall-Division Naval Systems. "Wollen aber dann schon auf 200 Boote pro Jahr hochskalieren." Perspektivisch sei sogar deutlich mehr möglich: Im Dreischichtbetrieb könnten auf der Werft Blohm+Voss bis zu 1.000 Boote jährlich gebaut werden.
Das Modell "K3 Scout", das gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Kraken Technology Group entwickelt wird, wird zunächst ferngesteuert und soll künftig auch autonom operieren können. Die Drohnenboote sind sowohl für militärische Einsätze als auch für zivile Anwendungen wie den Schutz kritischer Infrastruktur vorgesehen. Laut Wagner gibt es bereits Aufträge aus mehreren NATO-Marinen. Insgesamt sei der Bau von 150 Booten bereits vertraglich vereinbart. Die Produktion profitiert auch von der kürzlich abgeschlossenen Übernahme des Marineunternehmens NVL, zu dem die traditionsreiche Werft Blohm+Voss gehört.
Die Expansion im Drohnenbereich zeigt, wie stark Rheinmetall auf neue militärische Technologien setzt. Parallel prüft der Konzern gemeinsam mit Airbus und dem Satellitenhersteller OHB eine Beteiligung am milliardenschweren Bundeswehrprogramm "SATCOM Bw Stufe 4". Das Projekt sieht vor, bis 2029 mehr als 100 Kleinsatelliten zu starten, um ein unabhängiges militärisches Kommunikationsnetz aufzubauen – inspiriert von Systemen wie Starlink.
Für Anleger richtet sich der Blick nun vor allem auf die anstehenden Quartalszahlen, die Rheinmetall am 11. März vorlegen will. Der Markt wartet gespannt auf neue Signale zum Geschäftsausblick. Analysten halten weiterhin hohe Bewertungen für möglich: Kursziele reichen in einigen Schätzungen bis zu 2.120 Euro.
Allerdings gibt es auch vorsichtigere Stimmen. Das Analysehaus MWB Research senkte sein Kursziel zuletzt auf 1.700 Euro und stufte die Aktie auf "Hold" herab. Als Gründe nennen die Analysten unter anderem steigenden Wettbewerb bei neuen Verteidigungstechnologien, mögliche Verzögerungen bei Marineprojekten sowie Risiken für die Profitabilität, falls sich der aktuell sehr starke Munitionszyklus abschwächen sollte. Gleichzeitig betonen sie, Rheinmetall bleibe "strukturell gut aufgestellt", um langfristig von steigenden Verteidigungsausgaben zu profitieren.
Bernstein Research bleibt dagegen bullisher und bestätigte vor den endgültigen Zahlen das Rating "Outperform" mit einem Kursziel von 2.050 Euro. Entscheidend dürfte sein, ob Rheinmetall mit den morigigen Zahlen und dem Ausblick die hohen Erwartungen des Marktes bestätigen kann.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

