Token statt Aktie
Kommt der 24/7-Aktienmarkt? Nasdaq schmiedet Krypto-Allianz
Nasdaq will Aktien auf die Blockchain bringen und rund um die Uhr handelbar machen. Gemeinsam mit Kraken entsteht ein System mit gleichen Rechten wie echte Aktien.
- Nasdaq tokenisiert Aktien, Start geplant 2027.
- Kraken vertreibt 1:1 Token, Handel 24/7 global.
- Gleiche Stimm- und Eigentumsrechte, SEC prüft.
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Die US-Börse Nasdaq treibt ihre Pläne für tokenisierte Aktien voran, wie das Wall Street Journal berichtet. Der Börsenbetreiber kündigte eine Zusammenarbeit mit der Kryptobörse Kraken sowie mit Emittenten an. Ziel ist ein System, das Aktien und andere börsengehandelte Produkte als digitale Token auf der Blockchain abbildet.
Der geplante Rahmen soll Anfang 2027 starten. Anleger sollen dabei dieselben Stimm- und Eigentumsrechte erhalten wie Investoren, die klassische Wertpapiere halten. Nasdaq will das Modell allen Unternehmen öffnen, die teilnehmen möchten. Das gilt auch für Firmen, die nicht an der Börse Nasdaq gelistet sind.
Kraken soll als Vertriebspartner fungieren. Die Kryptobörse will die digitalen Eins-zu-eins-Abbilder börsennotierter Aktien ihren Kunden in Europa und weltweit anbieten. Die Token repräsentieren dabei reale Aktien. Anleger sollen sie wie herkömmliche Wertpapiere handeln können.
Fokus auf Unternehmensrechte
Nasdaq will bei der Tokenisierung besonders die Bedürfnisse der Unternehmen berücksichtigen. Dazu gehört etwa die Vereinfachung von Stimmrechtsabgaben bei Hauptversammlungen oder die Automatisierung von Dividendenzahlungen.
Nasdaq-Präsident Tal Cohen erklärte gegenüber dem Wall Street Journal, der frühere Vorschlag der Börse habe sich vor allem auf Marktstrukturen konzentriert. Nun gehe es stärker um die Perspektive der Unternehmen. "Der Großteil der Tokenisierung erfolgte ohne Berücksichtigung der Emittenten. Unsere Bemühungen konzentrieren sich auf die Emittenten", sagte Cohen.
Antrag bei der Börsenaufsicht
Bereits im September beantragte Nasdaq bei der US-Börsenaufsicht SEC eine Genehmigung, tokenisierte Versionen seiner gelisteten Aktien neben klassischen Wertpapieren handeln zu lassen.
In diesem Modell könnten Anleger stark gehandelte Titel wie Nvidia oder Tesla entweder als klassische Aktie oder als Blockchain-Token kaufen. Beide Varianten würden dieselbe Identifikationsnummer tragen und über die Infrastruktur der Depository Trust abgewickelt werden. Damit blieben sie vollständig austauschbar. Die Genehmigung der SEC steht noch aus.
Wall Street entdeckt die Blockchain
Befürworter von Kryptowährungen argumentieren seit Jahren, dass Blockchain-Technologie die Finanzmärkte modernisieren kann. Viele Handels- und Abwicklungssysteme der Börsen basieren noch auf Jahrzehnte alter Infrastruktur.
Ein zentraler Vorteil wäre der Handel rund um die Uhr. Während Kryptomärkte bereits 24 Stunden am Tag geöffnet sind, folgen Aktienbörsen festen Handelszeiten. Zudem könnten Transaktionen nahezu sofort abgewickelt werden und Kosten für Zwischenhändler sinken.
Mehrere Broker und Kryptoplattformen bieten bereits tokenisierte Versionen US-amerikanischer Aktien für internationale Anleger an. Kritiker bemängeln jedoch, dass viele dieser Produkte nur synthetische Derivate seien und nicht dieselben wirtschaftlichen oder Stimmrechte wie echte Aktien gewähren.
Großer Wettbewerb um die Tokenisierung
Der Vorstoß der Nasdaq ist Teil eines größeren Trends an der Wall Street. Große Finanzhäuser und Börsen treiben Blockchain-Projekte zunehmend voran. Auch die New York Stock Exchange kündigte an, eine Genehmigung für eine Plattform zu beantragen, auf der Unternehmen Wertpapiere direkt als Blockchain-Token ausgeben können.
Vermögensverwalter wie BlackRock sowie die Asset-Management-Sparte von JPMorgan bieten bereits tokenisierte Geldmarktfonds an. Goldman Sachs und die Bank of New York Mellon haben ebenfalls digitale Token entwickelt, die Anteile an solchen Fonds repräsentieren.
Mit der geplanten Plattform könnte Nasdaq nun einen weiteren Schritt gehen – und den Aktienhandel selbst ins Blockchain-Zeitalter führen.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

