Talfahrt ohne Ende
Yen steuert auf kritische Marke zu, trotz Interventionsdrohungen
Die Kombination aus explodierenden Ölpreisen und der Zinsstärke des US-Dollars setzt den Yen massiv unter Druck. Marktteilnehmer starren gebannt auf die Interventionsmarke von 160.
- Ölpreis & starker USD drücken Yen nahe 160,00
- BoJ kaum Zinsschritte; Markt fürchtet Eingriff.
- Ölimport >90% schwächt Japans Bilanz Yen fällt
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
Der japanische Yen hat am Dienstag seinen Abwärtstrend gegenüber dem US-Dollar mit neuer Dynamik aufgenommen. Nachdem eine kurze Verschnaufpause am Montag Hoffnung auf eine Stabilisierung keimen ließ, kletterte der Greenback erneut um 0,2 Prozent auf bis zu 157,96 Yen. Damit nähert sich die Währung gefährlich nahe dem 52-Wochen-Tief von 159,45 Yen, das erst kürzlich markiert wurde. Zum Euro befindet sich die Währung seit sechs Jahren in einem kontinuierlichen Abwärtstrend und hat in diesem Zeitraum etwa 57 Prozent an Wert verloren.
Ölpreis-Schock: Japans Achillesferse
Die fundamentale Schwäche des Yen ist derzeit untrennbar mit der Eskalation im Nahen Osten und dem damit verbundenen Ölpreisanstieg verknüpft. Da Japan mehr als 90 Prozent seines Energiebedarfs importiert, wirken hohe Ölpreise wie eine mechanische Bremse für die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Jeder Dollar, den Rohöl der Sorte WTI über der Marke von 90 US-Dollar verbleibt, verschlechtert Japans Handelsbilanz massiv. Da Öl weltweit in US-Dollar gehandelt wird, müssen japanische Importeure verstärkt Yen verkaufen, um US-Dollar für ihre Energielieferungen zu erwerben – ein Teufelskreis, der den Abwertungsdruck strukturell zementiert.
Zinshoffnungen lassen auf sich warten
Ein Ende der Misere durch die Bank of Japan (BoJ) ist kurzfristig nicht in Sicht. Zwar wird in Marktkreisen spekuliert, dass die BoJ die Zinsen bis September auf 1,0 Prozent anheben könnte, doch die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im März oder April bleibt mit 5 Prozent bzw. 35 Prozent gering. Analysten von Morgan Stanley und MUFG warnen zudem, dass die Unsicherheit durch den Iran-Krieg die BoJ eher zu einer noch vorsichtigeren Haltung bewegen könnte.
Tanz auf dem Vulkan
In den vergangenen Wochen und Monaten sich das Währungspaar US-Dollar/Yen immer weiter der Marke von 159,00 bis 160,00 Yen angenähert. In der Vergangenheit war das immer die Schmerzgrenze der japanischen Notenbank. Das wissen auch die Märkte.
Bei 158,90 setzten zuletzt massive Gewinnmitnahmen ein – nicht aus fundamentalen Gründen, sondern aus Angst vor staatlichen Interventionen. Sollte die Marke von 160,21 (das Hoch von April 2024) fallen, wird mit massiven Stützungskäufen durch das Finanzministerium in Tokio gerechnet.
Die Tendenz für den Yen bleibt negativ. Solange der Ölpreis nicht noch deutlicher fällt und die Zinsdifferenz zu den USA besteht, ist der Yen auf Schützenhilfe der Regierung angewiesen. Ohne eine physische Intervention am Devisenmarkt scheint der Weg Richtung 160 Yen vorgezeichnet.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

