Keine US-Zinssenkung mehr?
Fed in auswegloser Lage: Arbeitsmarkt wird schwächer, aber Inflation steigt
Ein massiver Ölpreisschock und eine hartnäckige Inflation bringen die US-Notenbank in Bedrängnis. Vor diesem Hintergrund rückt die erhoffte Zinssenkung in weite Ferne.
- Ölpreisschock treibt Inflation Fed unter Druck
- Fed: Inflation bekämpfen vs Arbeitsmarktschutz
- Zinssenkungen erst ab Herbst 2026, evtl. 2027..
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
Innerhalb weniger Tage hat sich das wirtschaftliche Narrativ in den USA radikal gewandelt. Noch vor einer Woche rechneten Marktteilnehmer fest mit einer geldpolitischen Lockerung im Frühsommer. Doch der Konflikt mit dem Iran hat die Kalkulationen der Federal Reserve (Fed) "zerfetzt".
Der Ölpreis als "Steuererhöhung" für Konsumenten
Obwohl der Preis für die US-Sorte WTI nach einem rasanten Anstieg auf fast 116 US-Dollar am Dienstag wieder auf aktuell etwa 83,20 US-Dollar nachgegeben hat, bleibt die Bilanz der vergangenen vier Wochen mit einem Plus von 30 Prozent alarmierend. Ökonomen warnen, dass ein Preisniveau um 100 US-Dollar pro Barrel die US-Wirtschaft binnen drei Monaten in eine Rezession stürzen könnte.
Der Effekt wirkt wie eine zwangsweise Steuererhöhung: Da Amerikaner die Kosten an der Zapfsäule kaum vermeiden können, bleibt weniger Geld für den restlichen Konsum – und das bei einem Arbeitsmarkt, der bereits erste Risse zeigt. Im Februar brachen die Stellenbesetzungen überraschend um 92.000 ein.
Das Duale Mandat in der Sackgasse
Für die Fed-Vorsitzenden entsteht daraus ein klassisches Dilemma zwischen ihren beiden Hauptzielen:
- Inflationsbekämpfung: Die Headline-Inflation (CPI) wird durch die Energiepreise sofort nach oben getrieben. Falken innerhalb der Fed, wie Beth Hammack (Cleveland Fed), fordern sogar, Zinserhöhungen als Option offenzuhalten, falls die Inflation nicht zum 2-Prozent-Ziel zurückkehrt.
- Arbeitsmarktsicherung: Ein Öl-Schock dämpft das Wachstum. Normalerweise müsste die Fed hier mit Zinssenkungen gegensteuern, um einen Einbruch zu verhindern.
"Die Fed hat immer ein Problem damit, auf einen Angebotsschock zu reagieren", erklärt der ehemalige Fed-Ökonom Alan Detmeister, der jetzt für die UBS tätig ist, gegenüber der New York Times. Höhere Zinsen bekämpfen zwar die Inflation, würden aber die ohnehin fragile Beschäftigungslage weiter verschlechtern.
Zinssenkung erst im Herbst – oder gar nicht?
Die Erwartungen der Anleger haben sich bereits massiv verschoben. Galt zuvor Juni oder Juli als gesetztes Datum für die erste Zinssenkung, haben Trader diese Erwartung nun auf September 2026 korrigiert. Einige Experten, darunter die ehemalige Notenbankerin Esther George, halten es sogar für möglich, dass die Diskussion über Zinssenkungen komplett in das Jahr 2027 verschoben werden muss, sollten die Auswirkungen der hohen Preise bis in den Herbst anhalten.
Für das Treffen der Fed in der nächsten Woche wird allgemein erwartet, dass die Zinsen in der Spanne von 3,5 Prozent bis 3,75 Prozent belassen werden. Die entscheidende Frage wird sein, ob die Notenbank den Ölpreis-Peak als kurzfristiges Rauschen ("Blip") abtut oder als strukturelle Gefahr für die Preisstabilität einstuft.
Angesichts der Tatsache, dass die Inflation seit Jahren nicht mehr das 2-Prozent-Ziel erreicht hat, wächst die Skepsis am Markt. Die Fed wird wohl erst handeln, wenn entweder die Inflation eindeutig kapituliert oder der Arbeitsmarkt so massiv wegbricht, dass ein Eingreifen unumgänglich wird.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

