5 Milliarden Dollar verbrannt
BioNTech nach Gründer-Crash: Aktie plötzlich spottbillig?
Der Rückzug der mRNA-Pioniere ließ Milliarden an Börsenwert verdampfen. Einige Analysten halten die BioNTech-Aktie nach dem Schock aber plötzlich für ungewöhnlich niedrig bewertet.
- Gründer ziehen sich zurück, Kurs stürzt -5 Mrd
- Neues mRNA-Startup BioNTech behält Beteiligung
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Der angekündigte Rückzug der BioNTech-Gründer Özlem Türeci und Uğur Şahin sorgt weiter für Diskussionen am Markt. Das Gründerduo will ein neues Unternehmen aufbauen, das sich auf "mRNA-Innovationen der nächsten Generation" konzentrieren soll. BioNTech selbst wird sich künftig stärker auf die Weiterentwicklung seiner bestehenden Pipeline sowie auf die Kommerzialisierung seiner Produkte konzentrieren.
BioNTech soll jedoch eng mit dem neuen Unternehmen verbunden bleiben. "BioNTech wird an der neuen Gesellschaft signifikant beteiligt sein. Es werden keine 50 Prozent sein, wir sprechen ja von einer Minderheitsbeteiligung. Aber der Anteil von BioNTech wird auch nicht nur bei einigen wenigen Prozent liegen", sagte Vorstandschef Uğur Şahin im Interview mit der Wirtschaftswoche. Geplant ist zudem, dass BioNTech bestimmte mRNA-Technologien und Rechte in die neue Gesellschaft einbringt und im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung sowie mögliche Meilensteinzahlungen und Lizenzgebühren erhält.
An der Börse reagierten Anleger zunächst schockiert. Nachdem BioNTech den geplanten Abschied seiner Gründer angekündigt hatte, brach der Kurs der an der Nasdaq notierten Aktie am Dienstag um rund 17 Prozent ein. Für die Aktionäre bedeutete das einen Wertverlust von etwa fünf Milliarden US-Dollar innerhalb kurzer Zeit. Neben dem überraschenden Führungswechsel belastete auch eine schwächere Umsatzprognose für 2026 die Stimmung. Am Mittwoch setzte jedoch eine Gegenbewegung ein: Die Aktie schloss 8,3 Prozent höher, während Analysten die langfristigen Folgen des Führungswechsels neu einordneten.
Die US-Investmentbank Goldman Sachs senkte zwar ihr Kursziel von 145 auf 132 US-Dollar, bestätigte aber die Einstufung "Buy". Analyst Asad Haider argumentiert, dass trotz der kurzfristigen Unsicherheit alle wichtigen Vermögenswerte bei BioNTech verbleiben. Zudem könne der Führungswechsel sinnvoll sein, da sich das Unternehmen zunehmend in einer Phase befinde, in der Expertise bei der spätklinischen Entwicklung und Kommerzialisierung wichtiger werde. Die Bewertung sei zudem "asymmetrisch", da der Börsenwert abzüglich der hohen Barreserven nur rund eine Milliarde US-Dollar für das operative Geschäft widerspiegele.
Auch Jefferies bleibt bullish und senkte das Kursziel lediglich von 151 auf 138 US-Dollar bei unverändertem "Buy". Zwar sei der Abgang der Gründer überraschend gewesen, doch könnte eine neue Führung mit stärkerem Fokus auf die Vermarktung der Forschung langfristig sogar Vorteile bringen. Zudem erwarten Analysten in den kommenden Jahren wichtige Studiendaten aus der Onkologie-Pipeline, die BioNTech erneut in den Fokus der Branche rücken könnten.
Für Anleger bleibt damit vor allem entscheidend, ob BioNTech den Übergang vom forschungsgetriebenen mRNA-Pionier zu einem stärker kommerziell ausgerichteten Biotech-Unternehmen erfolgreich bewältigt – und ob die Partnerschaft mit dem neuen Start-up der Gründer langfristig zusätzliche Innovationsimpulse liefern kann.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Die BioNTech Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,96 % und einem Kurs von 77,60USD auf Tradegate (12. März 2026, 08:56 Uhr) gehandelt.

