Quantencomputer im Alltag
So verändert IBM unsere Computer: Die Zukunft ist näher als gedacht
IBM veröffentlicht eine Architektur, die Quantencomputer nahtlos mit klassischen Systemen verbindet und die Zukunft des Rechnens greifbar macht.
- IBM Architektur integriert Quanten mit Klassik
- IBM fordert fehlertoleranz in Quanten bis 2030
- Quanten ergänzen klassische Rechner in Laboren
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Quantencomputer gelten oft als Technologie der Zukunft, doch bei IBM könnte die Zukunft bereits jetzt beginnen. Am Donnerstag präsentierte das Unternehmen eine Referenzarchitektur, die es Datenzentren ermöglichen soll, Quantencomputer zusammen mit klassischen GPUs und CPUs zu betreiben, wie Barron's berichtete.
"Wir legen keineswegs etwas endgültig fest, sondern schaffen einen Rahmen, der der Gemeinschaft als Orientierung dient", sagte Jerry Chow, Chief Technology Officer für Quantum-Centric Computing bei IBM. "Das ist unsere Vision für die Zukunft der Datenverarbeitung, die Quantencomputer als vollwertige Komponente in Rechenzentren etabliert."
Quantencomputer sollen herkömmliche Computer nicht ersetzen, sondern klassische Systeme ergänzen. Chow erklärt: "Betrachten wir einmal die Arzneimittelforschung und die Wettermodellierung. Einige dieser Probleme sind rechnerisch sehr komplex und beanspruchen eine Menge klassischer Computerressourcen. Mit Quantencomputern haben wir hoffentlich die Möglichkeit, entweder die Genauigkeit zu verbessern oder die Vielfalt der uns zur Verfügung stehenden Arzneimittel und Materialien zu erhöhen."
Quantentechnologie greift in reale Forschung ein
IBM verfolgt das Ziel, bis zum Ende des Jahrzehnts einen fehlertoleranten Quanten-Supercomputer zu entwickeln. Fehlertoleranz bedeutet, dass eine Maschine selbst bei Ausfall einzelner Komponenten zuverlässig arbeitet.
Die praktische Relevanz der Quantencomputer zeigt IBM in mehreren Experimenten. In einer Studie konnten Forscher zusammen mit Universitäten ein bisher unbekanntes Molekül identifizieren und dessen physikalische Eigenschaften auf einem Quantencomputer validieren. Chow kommentierte: "Es ist zwar etwas nerdig, aber es handelt sich um ein echtes, durchgängiges physikalisches Experiment, bei dem Quantenphysik als Teil des Arbeitsablaufs zum Einsatz kommt."
Auch in Zusammenarbeit mit der Cleveland Clinic simulierte IBM eines der größten exakten Molekülmodelle, das je auf Quantencomputern berechnet wurde. Jay Gambetta, Forschungsleiter bei IBM, erklärte: "Die Fähigkeit der Quantenseite, komplexere Probleme zu bewältigen, wird im Laufe der Zeit zunehmen, aber diese Rahmenbedingungen werden dabei von entscheidender Bedeutung sein."
Investoren zeigen vorsichtigen Optimismus
Die Finanzwelt beobachtet diese Entwicklungen genau. Bei einer Tech-Konferenz äußerte Cathie Wood von ARK Invest gegenüber Barron’s Editor in Chief Ben Levisohn, dass sie vorsichtig optimistisch sei: Quanten könnten in der breiten Anwendung noch Jahrzehnte entfernt sein, doch die Argumente für die Technologie seien schwer zu ignorieren.
Chow fasst die Strategie zusammen: "Es ist sehr schmeichelhaft und großartig, diese Position zu haben, aber wenn überhaupt, dann ist diese Ankündigung ein Zeichen dafür, dass wir die Community mitnehmen. Wir möchten zeigen, dass das Ökosystem mehr ist als Quantenphysik und die Entwicklung einzelner Geräte. Es geht darum, wie alles zusammenkommt, um die Datenverarbeitung voranzubringen."
IBM zeigt damit klar: Quantencomputer sind nicht länger nur Theorie. Die Kombination mit klassischen Rechnern könnte bald alltägliche Aufgaben in Pharma, Finanzwesen oder Materialforschung effizienter und präziser machen.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

