26-Milliarden-Exposure
Finanzaktien brechen ein – Private-Credit-Angst erwischt Deutsche Bank
Immer mehr Private-Credit-Fonds kämpfen mit Rücknahmeanträgen. Gleichzeitig steckt die Deutsche Bank mit rund 26 Milliarden Euro in dem boomenden Kreditmarkt – Anleger flüchten.
- Private Credit Fonds melden starke Rücknahmen
- Deutsche Bank mit rund 26 Mrd Euro Engagements
- Aufseher warnen vor Risiken und Fondsengpässen
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Der Markt für sogenannte Private-Credit-Finanzierungen gerät zunehmend unter Druck – und die Börse reagiert entsprechend nervös. Auslöser der jüngsten Skepsis ist unter anderem die Entscheidung von JPMorgan, sein Engagement in diesem Segment zurückzufahren und Sicherheiten bei entsprechenden Krediten kritischer zu bewerten.
An den Aktienmärkten hat die wachsende Unsicherheit bereits deutliche Spuren hinterlassen. Große börsennotierte Anbieter von Privatkrediten wie Ares Management, KKR, Blackstone und Apollo haben seit Jahresbeginn teilweise mehr als 25 Prozent an Wert verloren. Marktbeobachter warnen, dass sich einmal etablierte Zweifel nur schwer wieder aus der Branche vertreiben lassen. "Wenn sich einmal ein Narrativ etabliert hat, ist es sehr schwer, es zu ändern", sagte ein Händler in einer Diskussion bei CNBC.
Am Donnerstag gerieten auch andere Finanzwerte unter Druck. Aktien von Vermögensverwaltern wie Invesco, Franklin Resources und Brookfield Asset Management verloren mehrere Prozent. Noch stärker traf es Private-Equity-Konzerne wie Ares, Apollo und KKR. Auch kleinere Investmentbanken wie Jefferies, Lazard, Evercore und Moelis verzeichneten deutliche Kursverluste.
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor sind zunehmende Liquiditätsprobleme einzelner Fonds. So musste der 8 Milliarden US-Dollar schwere North Haven Private Income Fund von Morgan Stanley die Rücknahmen seiner Anleger begrenzen. Auszahlungen wurden auf 5 Prozent der Anteile beschränkt – deutlich weniger als die angeforderten 10,9 Prozent. Auch bei anderen Anbietern wie Blue Owl oder Blackstone kam es zuletzt zu erhöhten Mittelabflüssen.
Weitere Sorgen kommen von der Aufsicht. Francois Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France und Mitglied des EZB-Rates, warnte auf einer Bloomberg-Konferenz vor wachsenden Risiken im boomenden Markt für private Kredite. Besonders kritisch sieht er die zunehmende Verbreitung sogenannter semi-liquider Fonds, die verstärkt Privatanleger anziehen.
"Schuldenstrategien, die sich auf komplexe, undurchsichtige und zunehmend fremdfinanzierte Finanzierungsstrukturen stützen, insbesondere im Bereich der privaten Kredite, können auch die Schwachstellen einiger Kreditnehmer verschleiern", sagte Villeroy. Die zunehmende Vernetzung mit anderen Finanzinstituten könne solche Risiken zusätzlich verstärken.
Für deutsche Anleger besonders relevant ist die Deutsche Bank, die in ihrem Geschäftsbericht erstmals detailliert ihr Engagement im Private-Credit-Segment offengelegt hat. Demnach ist das Institut mit rund 26 Milliarden Euro in diesem Markt engagiert – etwa sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt ist der weltweite Markt für solche Finanzierungen in den vergangenen Jahren auf rund 1,8 Billionen US-Dollar angewachsen.
Die Bank räumt ein, dass Finanzierungen für Private-Credit-Fonds "aufgrund jüngster Zahlungsausfälle einer verstärkten Wachsamkeit unterliegen". Gleichzeitig betont das Institut, derzeit keine "signifikanten Risiken" aus diesem Engagement zu sehen, weist jedoch auf mögliche "indirekten Risiken durch miteinander verbundene Portfolios und Gegenparteien" hin.
An der Börse reagierten Anleger dennoch nervös. Die Aktie der Deutschen Bank verlor zeitweise mehr als sechs Prozent und fiel damit stärker als der europäische Bankenindex Stoxx Europe 600 Banks. Trotz der Turbulenzen will das Geldhaus das Geschäft nicht aufgeben: Gemeinsam mit Vermögensverwaltung und Investmentbanking soll das Private-Credit-Geschäft weiter ausgebaut werden – allerdings ohne das Engagement von derzeit rund 26 Milliarden Euro deutlich zu erhöhen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

