Machtverschiebung im Automarkt
BYD prüft Kauf eines Traditionsherstellers
Der Elektroauto-Gigant sondiert den kanadischen Markt für eine eigene Produktion – und schließt sogar den Kauf eines traditionellen Autobauers nicht aus.
- BYD prüft Kanada für eigene Fabrik, Kauf offen
- BYD erwägt Übernahmen; Marktchancen im Westen.
- Europa-Ausbau, Flash-Charge, 1,3M Exportziel!!
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Der chinesische Elektroautohersteller BYD treibt seine internationale Expansion weiter voran und prüft dabei neue Produktions- und Übernahmeoptionen. Besonders im Fokus steht derzeit Kanada. Das Unternehmen untersucht nach Angaben von Executive Vice President Stella Li den kanadischen Markt als möglichen Standort für eine eigene Autofabrik. Eine endgültige Entscheidung sei zwar noch nicht gefallen, doch BYD wolle eine mögliche Produktionsstätte vollständig selbst besitzen und betreiben. "Ich glaube nicht, dass ein Joint Venture funktionieren würde", sagte Li während eines Besuchs in São Paulo.
Die kanadische Regierung wirbt derzeit verstärkt um Investitionen chinesischer Autobauer. Ottawa hatte Anfang des Jahres entschieden, jährlich bis zu 49.000 in China produzierte Elektrofahrzeuge von einem zuvor eingeführten Zollsatz von 100 Prozent auszunehmen. Der Schritt gilt als deutliche Lockerung der bisherigen Politik, die chinesische Modelle weitgehend vom Markt fernhalten sollte. Für BYD könnte Kanada damit perspektivisch zu einem strategischen Zugang zum nordamerikanischen Markt werden.
Parallel hält sich der Konzern auch die Option offen, einen etablierten globalen Autohersteller zu übernehmen. Li bestätigte, dass BYD mögliche Übernahmeziele prüfe, auch wenn derzeit keine konkrete Vereinbarung bevorstehe. "Wir sind offen für jede sich bietende Gelegenheit", sagte sie. Angesichts der schwierigen Transformation vieler westlicher Hersteller, die gleichzeitig Milliarden in Elektroautos und klassische Verbrenner investieren müssen, könnten sich für den chinesischen Konzern günstige Gelegenheiten ergeben. Beispiele für solche strategischen Schritte gibt es bereits in der Branche: So hatte die chinesische Zhejiang Geely Holding Group vor mehr als einem Jahrzehnt den schwedischen Autobauer Volvo übernommen.
Während BYD seine globale Expansion vorantreibt, bleibt der US-Markt vorerst außen vor. Li bezeichnete die Vereinigten Staaten als "kompliziertes Umfeld", da hohe Zölle und Beschränkungen für vernetzte Fahrzeugtechnologie chinesischen Herstellern den Zugang erschweren. Stattdessen setzt BYD verstärkt auf Regionen, in denen das Unternehmen sein erfolgreiches "Brasilien-Modell" übertragen kann.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf Europa. BYD baut derzeit seinen ersten europäischen Pkw-Produktionshub in Ungarn aus und prüft zusätzlich ein zweites Werk in der Türkei. Parallel bringt der Konzern neue Technologien auf den Markt, um seine Wettbewerbsposition zu stärken. In Europa soll bereits im kommenden Monat das Premium-Elektroauto Denza Z9GT starten. Das Modell nutzt die neue Flash-Charging-Technologie des Unternehmens und kann laut BYD in nur fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent geladen werden, bei einer Reichweite von bis zu 800 Kilometern.
Mit solchen Innovationen versucht der Konzern, seine internationale Offensive zu beschleunigen. Während der Absatz in China zuletzt schwächelte, gewannen die Auslandsverkäufe deutlich an Dynamik. BYD hat sich deshalb das Ziel gesetzt, bis 2026 rund 1,3 Millionen Fahrzeuge außerhalb Chinas zu verkaufen und seine Position als einer der weltweit größten Elektroautohersteller weiter auszubauen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

