Dividenden-Radar
Der Öl- und Gasriese Ithaca Energy kommt aus einem Land ohne Quellensteuer
Ithaca Energy lockt mit hohen Renditen, doch die Politik in der Nordsee bleibt unberechenbar. Ist der Öl-Riese eine echte Einkommensquelle oder ein hochriskantes Spiel mit dem Feuer?
- Hohe Dividendenrendite aber politisches Risiko
- Fusion stärkt Output doch Dividende unsicher
- Nur spekulative Beimischung nicht für Kerndepot
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
In der letzten Woche hatten wir im Dividenden-Radar mit Hafnia einen spezialisierten Akteur im Fokus, der durch seine starke Position im Tanker-Markt und attraktive Ausschüttungen punktete, aber stark vom weltweiten Handelsaufkommen abhängig ist. Heute nehmen wir Ithaca Energy unter die Lupe – ein Unternehmen, das operativ deutlich tiefer im nordeuropäischen Energiesektor verwurzelt ist.
Womit Ithaca Energy punktet
Ithaca hat sich nach der Fusion mit den Eni-Assets zum größten unabhängigen Betreiber in der Nordsee entwickelt. Das Unternehmen profitiert von massiv erhöhten Produktionskapazitäten und einer strategisch wichtigen Infrastruktur. Die Aktie hat seit Jahresbeginn eine beeindruckende Performance von ca. 57 % hingelegt, was das Vertrauen der Investoren in die Integrationsfähigkeit nach der Fusion widerspiegelt.
Geschichte & Dividenden-Status
Ithaca Energy blickt auf eine Unternehmensgeschichte zurück, die im Jahr 2004 ihren Anfang nahm. Während das Unternehmen ursprünglich seine Wurzeln in Kanada hatte, vollzog es 2008 einen strategischen Wandel mit der Ausrichtung auf die britische Nordsee, wo es sich heute als einer der bedeutendsten unabhängigen Betreiber etabliert hat. Am 14. November 2022 fand der Börsengang an der London Stock Exchange statt. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich im schottischen Aberdeen, einem zentralen Knotenpunkt für die Öl- und Gasindustrie in der Region.
Schon vor der großen Fusion von Ithaca Energy mit den britischen Upstream-Aktivitäten (dem Explorations- und Produktionsgeschäft) von Eni im Jahr 2024 versuchte der Konzern, sich konsequent als "Dividenden-Maschine" am Markt zu positionieren. Für das Jahr 2023 wurden insgesamt 400 Millionen US-Dollar an Dividenden ausgeschüttet und für 2024 und 2025 jeweils 500 Millionen US-Dollar. Wobei die letzte Tranche für das Jahr 2025 noch aussteht. Sie soll Unternehmensangaben zufolge bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen am 18. März offiziell angekündigt werden. Das entspräche einer Schlussdividende von etwa 0,12 US-Dollar (bzw 0,09 Pfund oder 0,10 Euro). Die Gesamtausschüttung für 2025 würde sich damit auf 0,30 US-Dollar (0,23 GBp) summieren, was einer Dividendenrendite (gemessen am Schlusskurs 2025) von 13,9 Prozent.
Für das Geschäftsjahr 2026 hat Ithaca bislang noch keine Aussage gemacht, dazu gibt es hoffentlich auch am 18. März weitere Informationen. Sollte der Konzern daran festhalten, 500 Millionen US-Dollar auszuschütten (zur Information: Ithaca gibt immer nur die Gesamtsumme der Ausschüttungen in US-Dollar an, nie die Dividende pro Aktie) entspräche das nach dem kräftigen Kursplus in diesem Jahr immer noch einer Rendite von 9,02 Prozent.
Nur wenige Analysten beobachten Ithaca. Sie rechnen derzeit eher mit einer Dividendenkürzung von etwa 8 bis 9 Prozent, da das Unternehmen erhebliche Mittel für Investitionen in neue Projekte sowie den Abbau der aus der Fusion resultierenden Schuldenlast benötigt. Das entspräche dann einer Auszahlung von etwa 0,28 US-Dollar pro Aktie und einer aktuellen Rendite von 8,23 Prozent. Für 2027 sagen die Experten eine weitere leichte Senkung auf 0,25 bis 0,27 US-Dollar voraus.
Dividendenpolitik
Das Unternehmen hat sich einen Rahmen gesetzt: Sie wollen zwischen 15 und 30 Prozent ihres Netto-Cashflows nach Steuern für Dividenden nutzen. Mit der Ausschüttung von 30 Prozent für 2025 bewegen sie sich am oberen Ende dieses Rahmens. Das signalisiert eine sehr aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik. Allerdings können es für 2026 auch nur 15 Prozent sein oder auch noch weniger, denn die vorgaben stellen lediglich einen strategischer Leitrahmen dar, das nach unten oder oben erweitert werden kann, wenn notwendig.
Die Risiken für das Geschäft
Ein wesentliches Risiko für Ithaca Energy stellt die unvorhersehbare britische Steuerpolitik dar, insbesondere die sogenannte "Übergewinn-Steuer" ("Windfall Tax"). Diese Sonderabgaben schmälern den freien Cashflow des Unternehmens unmittelbar, wodurch der Spielraum für die Finanzierung attraktiver Dividenden unter Umständen deutlich eingeschränkt wird.
Zudem bleibt das Unternehmen trotz bestehender Absicherungsgeschäfte (Hedges) stark vom Ölpreis abhängig. Als reiner Produzent von Öl und Gas ist das Geschäftsmodell anfällig für Phasen sinkender Rohstoffpreise, die den operativen Gewinn unter erheblichen Druck setzen können.
Einschätzung der Analysten
Die Meinung ist gespalten. Während die operative Performance gelobt wird, warnen viele Experten vor einer "Dividenden-Falle". Aufgrund der unzuverlässigen Gewinnentwicklung und der hohen Abhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen raten viele Analysten zur Vorsicht bei der Langfrist-Planung. Das Konsensurteil der 6 von MarketScreener erfassten Experten lautet dennoch "Aufstocken".
Der Weg zu 12.000 Euro Dividende pro Jahr
Um bei einer geschätzten Ausschüttung von 0,30 US-Dollar (0,26 Euro) auf 12.000 Euro jährliche Einnahmen zu kommen, müssten Investoren bei einem aktuellen Aktienkurs von 255,24 Pence (ca. 2,95 Euro) etwa 46.000 Aktien halten. Das entspricht einer Investitionssumme von etwa 136.000 Euro. Zum Vergleich: Bei Hafnia im Radar der vergangenen Woche waren es 227.000 Euro und bei dem kanadischen Öl- und Gaskonzern CNQ 232.000 Euro.
Vergleich mit CNQ
Ein Vergleich mit Canadian Natural Resources (CNQ) verdeutlicht den fundamentalen Unterschied zwischen einem hochspekulativen "Dividenden-Turbo" und einem etablierten "Dividenden-Wachstumswert". Während Ithaca Energy mit einer hohen, aber wackeligen Rendite operiert, die stark von der Politik und operativen Einzelerfolgen abhängt, hat sich Canadian Natural Resources über 26 Jahre hinweg als einer der zuverlässigsten Dividendenzahler der Energiebranche bewiesen.
CNQ setzt auf stetiges Dividendenwachstum und eine langfristige Cashflow-Stabilität, die auch durch zyklische Ölpreisphasen hinweg Bestand hat, und bietet damit ein deutlich konservativeres Risikoprofil. Im Gegensatz zu Ithacas kurzfristig orientierter Dividendenpolitik, die stark durch Fusionseffekte geprägt ist, überzeugt CNQ durch eine bewährte Historie, eine solide Bilanzstärke und eine klare Ausrichtung auf langfristige Aktionärsrenditen, was das Unternehmen für konservative Dividenden-Strategien deutlich attraktiver macht als die volatilere Aktie von Ithaca Energy.
Fazit
Ithaca Energy ist eine spekulative Beimischung, keine "Witwen-und-Waisen-Aktie". Wer auf 9 bis 13 Prozent Rendite aus ist, muss die Schwankungen der Energiepreise und die britische Politik ertragen. Für den defensiven Aufbau eines Dividenden-Portfolios ist die Aktie aufgrund der hohen Payout-Ratio und der politischen Risiken nur bedingt geeignet, eher als spekulative Beimischung.
Steuerliche Behandlung für deutsche Anleger
Großbritannien erhebt auf Dividenden keine Quellensteuer. Das ist ein großer Vorteil, da das Anlegern den lästigen Rückforderungsprozess spart. In Deutschland fällt jedoch die Abgeltungsteuer (25 Prozent zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) an. Diese wird in der Regel automatisch abgezogen, sofern kein Freistellungsauftrag erteilt wurde.
Übersicht zur Dividende von Ithaca
Marktkapitalisierung: 4,24 Milliarden Pfund (4,91 Milliarden Euro)
Dividendenrendite 2025: 13,9 %; fwd 8-9 %
Dividende erhöht: 0 Jahre in Folge
Dividende nicht gesenkt: 3 Jahre in Folge
Dividende kontinuierlich ausgeschüttet: 3 Jahre in Folge
Frequenz: gewöhnlich dreimal pro Jahr (April, September, Dezember)
Zeitplan (voraussichtlich)
18.03.2026: Dividendenvorschlag
25.03 - 02.04.2026: Ex-Tag/Record date
24.04.2026: Auszahlung
| Geschäftsjahr |
Dividendenrendite in %** |
Dividende in US-Dollar (und in Pfund) |
|---|---|---|
| 2027e | 7,44 - 7,84e | 0,25 - 0,27 (0,19 - 0,20) |
| 2026e | 8,23e | 0,28 (0,21) |
| 2025 | 13,87 | 0,30 (0,23) |
| 2024 | 23,55 | 0,34 (0,26) |
| 2023 | 20,80 | 0,40 (0,30) |
* Quellen: Ithaca, wallstreetONLINE.
** Zur Errechnung der Dividendenrendite wurde der Schlusskurs des jeweiligen Geschäftsjahres genommen, beziehungsweise für die Prognosen der aktuelle Kurs.
Die optimale Dividendenstrategie
Eine optimale langfristige Dividendenstrategie hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter dem individuellen Risikoprofil, den Anlagezielen und der finanziellen Situation. Hier sind jedoch einige allgemeine Prinzipien, die empfohlen werden können:
Diversifikation: Investieren Sie in eine breite Palette von Unternehmen und Sektoren, um das Risiko zu streuen. Diversifikation kann helfen, das Portfoliorisiko zu mindern, da nicht alle Sektoren gleichzeitig von Marktschwankungen betroffen sind.
Qualitätsaktien wählen: Achten Sie auf Unternehmen mit einer starken Bilanz, stabilen Cashflows und einer Geschichte von zuverlässigen und wachsenden Ausschüttungen. Solche Unternehmen sind oft besser positioniert, um auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Dividenden zu zahlen.
Reinvestition von Dividenden: Das Reinvestieren von Dividenden kann das Wachstum des Portfolios beschleunigen. Durch den Zinseszinseffekt können reinvestierte Dividenden über die Zeit einen signifikanten Beitrag zum Gesamtertrag des Portfolios leisten.
Langfristige Perspektive: Dividendenstrategien sind oft langfristig ausgerichtet. Marktschwankungen sollten daher nicht zu überstürzten Entscheidungen führen. Geduld und Beständigkeit sind Schlüssel zum Erfolg.
Steuereffizienz berücksichtigen: Die steuerliche Behandlung von Dividenden kann je nach Land und individueller Situation variieren. Es ist wichtig, Steuereffekte in die Strategie einzubeziehen.
Überwachung und Anpassung des Portfolios: Portfolios sollten regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst werden, um sicherzustellen, dass es weiterhin den eigenen Anlagezielen entspricht und gut diversifiziert bleibt.
Bewertung: Achten Sie auf die Bewertung der Aktien. Hohe Dividendenrenditen sind nicht immer ein gutes Zeichen; sie können auch ein Hinweis auf Probleme im Unternehmen sein.
Verwendung von Dividendenfonds, -ETFs: Für Anleger, die nicht direkt einzelne Aktien auswählen möchten, können Dividendenfonds eine praktikable Alternative sein, da sie eine gute Möglichkeit zur Diversifikation bieten.
Fazit:
Dividendeninvestitionen können eine großartige Möglichkeit sein, ein passives Einkommen aufzubauen. Indem Sie sich auf Unternehmen mit stabiler Dividendenhistorie konzentrieren, können Sie Ihr Portfolio schrittweise ausbauen. Dabei ist natürlich immer zu beachten, dass Investitionen in Dividendenaktien – wie alle Investitionen – mit Risiken verbunden sind.
Weitere interessante Dividenden-Aktien befinden sich übrigens auch in der Dividenden-Watchlist unseres Börsenexperten Markus Weingran, dessen Börsenlounge sich täglich mit aktuellen Marktentwicklungen, Investitionstipps und Finanzthemen befasst.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
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