Konflikt spitzt sich zu
Trumps Drohungen gegen Irans Exportanlagen belasten den Ölpreis
Drohungen aus Washington gegen Irans wichtigste Ölanlagen dämpfen trotz Reservefreigaben die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts.
- US Drohungen an Ölziele dämpfen Hoffnungen aus
- Angriffe auf Kharg bedrohen 90 Prozent Exporte
- 400 Mio Barrel Freigabe dämpft Preise kaum und
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
US-Rohöl (WTI) kletterte am Sonntagabend zeitweise über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, bevor der Preis wieder leicht nachgab und zuletzt bei rund 98,9 US-Dollar gehandelt wurde. Der Brent-Preis stieg um etwa 1,2 Prozent auf rund 104 US-Dollar je Barrel. Beide Kontrakte haben seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen vor etwas mehr als zwei Wochen mehr als 40 Prozent zugelegt.
Militärschläge auf Kharg Island erhöhen Risiko für globales Ölangebot
Die jüngste Preisrallye wurde ausgelöst, nachdem US-Präsident Donald Trump Luftangriffe auf iranische Militäranlagen auf Kharg Island angeordnet hatte. Die Insel gilt als das wichtigste Ölexportterminal des Landes.
Nach Angaben des Weißen Hauses richteten sich die Angriffe bislang ausschließlich gegen militärische Infrastruktur. Trump machte jedoch deutlich, dass auch Energieanlagen ins Visier geraten könnten, sollte Iran weiterhin Tanker im Persischen Golf oder in der Straße von Hormus angreifen.
Für den Ölmarkt wäre ein solcher Schritt von enormer Bedeutung. Rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte werden über Kharg Island abgewickelt. Laut Daten der OPEC produzierte Iran zuletzt etwa 3,2 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, davon rund 1,5 Millionen Barrel für den Export.
Analystin Natasha Kaneva von JPMorgan warnt, dass ein direkter Angriff auf das Exportterminal praktisch sofort den Großteil der iranischen Ausfuhren stoppen würde. Eine solche Entwicklung könnte eine massive militärische Gegenreaktion Irans auslösen.
Internationale Militärpräsenz im Golf geplant
Um die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten, arbeitet Washington laut US-Regierungsvertretern an einer internationalen Marinekoalition, die Tanker durch die Straße von Hormus eskortieren soll.
Unklar ist allerdings, ob eine solche Operation bereits während der laufenden militärischen Auseinandersetzungen beginnen würde oder erst nach einem möglichen Waffenstillstand.
Strategische Ölreserven sollen Markt beruhigen
Angesichts der dramatischen Preissprünge haben mehr als 30 Länder eine koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven beschlossen. Insgesamt sollen über 400 Millionen Barrel Rohöl auf den Markt gelangen.
Die USA allein planen, rund 172 Millionen Barrel aus ihrer strategischen Erdölreserve freizugeben. Die in Paris ansässige Internationale Energieagentur (IEA), die die Maßnahme koordiniert, teilte mit, dass asiatische Länder bereits sofort mit der Freigabe beginnen werden. Staaten in Europa und Amerika wollen ihre Vorräte bis Ende März auf den Markt bringen.
Trotz dieser massiven Intervention bleiben die Preise jedoch hoch, da Marktteilnehmer weiterhin mit einer anhaltenden Störung der Lieferketten rechnen.
Märkte fürchten neue Inflationswelle
Die geopolitische Eskalation sorgt auch an den Finanzmärkten für zunehmende Nervosität. Steigende Energiepreise könnten die globale Inflation erneut anheizen und die wirtschaftliche Erholung bremsen.
Analysten von Goldman Sachs schätzen, dass der energiebedingte Preisschock das globale Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr um etwa 0,3 Prozentpunkte reduzieren könnte. Gleichzeitig könnte die weltweite Inflationsrate um bis zu 0,6 Prozentpunkte steigen.
Als besonders anfällig gelten Europa und Asien, die stark von Energieimporten abhängig sind.
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion

