Ende der lockeren Geldpolitik
Zentralbanken starten Zyklus der Zinserhöhungen
Inflationstrauma und Ölpreis-Schock: Die Weltleitbanken Fed, EZB und BoJ treffen sich in diesen Tagen – Australien hat am Dienstag schon Fakten geschaffen.
- Notenbanken treffen in Superwoche über Zinspfad
- Nahostkonflikt treibt Ölpreis und Inflation an
- Weltweit straffere Geldpolitik zwingt Anleger
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
In den kommenden Tagen blickt die Finanzwelt auf eine seltene "Super-Woche" der Geldpolitik: Erstmals seit Ende 2021 entscheiden die Federal Reserve (Fed), die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan (BoJ) innerhalb weniger Tage über ihre Leitzinsen. Es stehen bei jedem einzelnen Mitglied der G7-Staaten sowie bei acht der zehn weltweit am häufigsten gehandelten Währungsgebiete Entscheidungen an.
Die australische Zentralbank hat am Dienstag Fakten geschaffen und den Leitzins auf 3,85 Prozent angehoben. Damit ist die RBA die erste große Notenbank der Industrienationen, die auf die veränderte Weltlage durch den Iran-Konflikt mit einer konkreten Zinserhöhung reagiert. Gouverneurin Michele Bullock begründete den Schritt mit dem anhaltenden Inflationsdruck und der Sorge, dass die steigenden Energiepreise die heimische Teuerung weiter befeuern könnten. An den Märkten wird dies als klares Signal gewertet: Der eigentlich für später im Jahr erwartete Zinsschritt wurde vorgezogen, da die RBA der Gefahr einer "Entankerung" der Preise entschlossen entgegentreten will. Andere Notenbanken könnten folgen.
Die Vorzeichen haben sich zuletzt deutlich verdüstert. Der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie die Blockade der Straße von Hormuz lassen die Ölpreise steigen und wecken Erinnerungen an den Inflationsschock von 2022.
Fed: Das Ende der Zinssenkungsträume?
Für die US-Notenbank Fed hat sich das Blatt gewendet. War man vor Wochen noch fest von baldigen Zinssenkungen ausgegangen, zwingen die jüngsten Turbulenzen am Arbeitsmarkt und die Energiepreis-Rallye Jerome Powell zur Vorsicht.
- Erwartung: Die Fed wird die Zinsen bei der Sitzung am 17. und 18. März stabil halten.
- Das Dilemma: Höhere Energiekosten treiben die Inflation, während Risse im Arbeitsmarkt eigentlich nach Lockerung rufen.
- Marktausblick: Händler sehen eine Zinssenkung erst ab September 2026 als wahrscheinlich an – ein massiver Rückschlag für die Märkte.
Europäische Zentralbank (EZB): Die Rückkehr der Inflationssorgen
Obwohl allgemein erwartet wird, dass die EZB den Einlagenzins am Donnerstag unverändert lässt, hat die Krise im Nahen Osten die Hoffnung auf eine baldige Entspannung zunichtegemacht. Die Notenbank steht vor der Herausforderung, den jüngsten Energiepreisschock zu bewerten, der Erinnerungen an die Krise nach der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2022 weckt.
- Markterwartung: Ein Stillhalten gilt als sicher, doch die Rhetorik dürfte deutlich vorsichtiger ausfallen.
- Zinswende: Anleger wetten bereits darauf, dass die EZB noch in diesem Jahr zu Zinserhöhungen gezwungen sein könnte – bis Juli wird mindestens ein Zinsschritt eingepreist.
- Fokus: EZB-Präsidentin Christine Lagarde muss erklären, wie sehr das Risiko einer "Entankerung" der Inflationserwartungen die bisherige Strategie gefährdet. In der Geldpolitik ist diese Entankerung einer der größten Alpträume für Zentralbanken. Sobald die Erwartungen entankert sind, wird die Inflation selbsterfüllend. Selbst wenn die ursprüngliche Ursache (z. B. der Ölpreis) sinkt, bleibt die Inflation hoch, weil sie sich in die Köpfe und Verträge gefressen hat. Die Zentralbank muss dann meist extrem radikal die Zinsen erhöhen, um dieses Vertrauen zurückzugewinnen – oft um den Preis einer schweren Rezession und hoher Arbeitslosigkeit. Lagarde muss also den Spagat schaffen, einerseits die Preisstabilität zu sichern, ohne andererseits die ohnehin fragile Wirtschaft abzuwürgen.
Bank of Japan (BoJ): Der schwierige Weg zur Normalisierung
Die japanische Zentralbank steht vor einem Drahtseilakt: Einerseits will Gouverneur Kazuo Ueda den Weg in Richtung einer geldpolitischen Normalisierung fortsetzen, andererseits drohen die hohen Ölpreise die heimische Wirtschaft massiv zu belasten. Da Japan extrem abhängig von Energieimporten aus dem Nahen Osten ist, verschärft der Konflikt den Inflationsdruck zusätzlich.
- Währungsrisiko: Ein zu zurückhaltender Ton könnte den Yen weiter schwächen, der bereits auf den tiefsten Stand seit 2024 gefallen ist.
- Nächste Schritte: Experten schließen nicht aus, dass die BoJ bereits im April die Zinsen anheben könnte, um der Inflation und der Währungsschwäche entgegenzuwirken.
- Strategie: Am Donnerstag wird die BoJ die Zinsen voraussichtlich noch stabil halten, während die Märkte gespannt auf Signale für eine Erhöhung bis Juli warten.
Globaler Ausblick: Alarmstufe Rot
Während die großen Player Fed, EZB und BoJ die Richtung vorgeben, passen sich auch die anderen Notenbanken wie die BoE, die BoC in Kanada oder die brasilianische Zentralbank der neuen, kriegsbedingten Realität an.
Was die anderen Notenbanken betrifft, so werden diese Woche auch die SNB in der Schweiz, die Riksbank in Schweden sowie die Zentralbanken von Brasilien, Indonesien und Russland über ihre Leitzinsen entscheiden und dabei Experten zufolge größtenteils eine abwartende oder hawkishere Haltung einnehmen.
Die Botschaft der Woche ist klar: Die Zeit der lockeren Geldpolitik rückt in weite Ferne. Anleger müssen sich auf eine Phase der "erhöhten Wachsamkeit" einstellen, in der geopolitische Tweets wichtiger werden könnten als klassische Wirtschaftsdaten.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion



