"Riesiges Schneeballsystem"
Johnson verspottet Bitcoin-Anleger – Pokémon-Karten als bessere Langfrist-Wette
Boris Johnson verspottet Bitcoin als "riesiges Schneeballsystem" und hält Pokémon-Karten für die bessere Langfrist-Wette. Strategy-Chairman Michael Saylor hält dagegen.
- Johnson verspottet Bitcoin und lobt Pokemon Karten
- Saylor sagt Bitcoin ist kein Ponzi und dezentralok
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Eine spöttische Bemerkung des ehemaligen britischen Premierministers Boris Johnson hat eine neue Debatte über den Wert von Bitcoin ausgelöst. In einer Kolumne der Daily Mail bezeichnete Johnson die Kryptowährung als "riesiges Schneeballsystem" und stellte deren langfristige Attraktivität infrage. Er argumentierte, dass der Preis von Bitcoin letztlich auf kollektivem Glauben basiere und nicht auf einem inneren Wert. "Ich schätze, in zehn Jahren wird eine Investition in Pokémon-Karten wie eine viel bessere langfristige Wette aussehen", schrieb Johnson. Der "gute alte Pikachu" habe zumindest "ein Bild und eine Aufschrift, die jeder Fünfjährige erkennen kann".
Die Kritik kam, obwohl Johnsons Regierung zuvor selbst Signale der Offenheit gegenüber der Branche gesendet hatte. Im April 2022 kündigte der damalige Finanzminister Rishi Sunak an, Großbritannien zu einem "globalen Zentrum für Krypto-Asset-Technologie und -Investitionen" machen zu wollen.
Besonders scharf fiel die Reaktion von Michael Saylor aus, dem Chairman von Strategy und einem der prominentesten Unternehmensbefürworter von Bitcoin. Er wies Johnsons Vorwürfe entschieden zurück und erklärte, die Kritik verkenne die Funktionsweise des Netzwerks. "Bitcoin ist kein Ponzi-Schema", schrieb Saylor. Ein solches System basiere auf einem zentralen Betreiber, der Renditen verspreche und frühe Investoren mit Geldern neuer Teilnehmer bezahle. Genau das treffe auf Bitcoin nicht zu. "Bitcoin hat keinen Emittenten, keinen Promotor und keine garantierte Rendite – nur ein offenes, dezentralisiertes Währungsnetzwerk, das von Code und Marktnachfrage angetrieben wird."
Saylors Unternehmen Strategy gilt als größter institutioneller Bitcoin-Inhaber und hält nach eigenen Angaben 738.731 Bitcoin. Trotz politischer Kritik bleibt die Kryptowährung mit einem Anteil von über 58 Prozent an der gesamten Marktkapitalisierung der größte digitale Vermögenswert der Welt.
Während Politiker über den inneren Wert von Bitcoin streiten, sehen einige Marktstrategen in den aktuellen Entwicklungen im Finanzsystem sogar potenziellen Rückenwind für die Kryptowährung. Der erfahrene Makrostratege Jordi Visser warnt, dass der rund drei Billionen US-Dollar große Markt für private Kredite erste Stresssignale sende. JPMorgan habe zuletzt einige Kredite an Private-Credit-Fonds abgewertet, während Morgan Stanley die Rücknahmen bei einem Fonds begrenzte, nachdem Investoren versucht hatten, fast elf Prozent der Anteile abzuziehen.
Ein besonderes Risiko sieht Visser in der hohen Konzentration auf Softwarefirmen. Etwa ein Viertel der Portfolios von Business Development Companies sei in diesem Sektor investiert, der derzeit durch künstliche Intelligenz unter erheblichen Neubewertungsdruck gerate.
Kurzfristig könnte ein Liquiditätsschock zwar auch Bitcoin treffen. "Bei einem echten Liquiditätsereignis wird Bitcoin in der Regel zusammen mit allen anderen liquiden Vermögenswerten als Erstes getroffen", zitiert Stocktwits Visser. Historisch habe sich die Kryptowährung jedoch nach politischen Rettungsmaßnahmen oft stark erholt. Während der Pandemie im März 2020 fiel Bitcoin zunächst um mehr als 30 Prozent, bevor er bis Anfang 2021 um über 900 Prozent zulegte. Auch nach der Bankenkrise 2023 stieg der Kurs deutlich.
Für Visser folgt daraus ein wiederkehrendes Muster: "Die erste Phase ist keine Befreiung. Es ist eine Liquidation." Doch sobald Regierungen und Zentralbanken eingreifen, könne neue Liquidität entstehen – ein Umfeld, das Bitcoin in der Vergangenheit stark beflügelt habe. Seine Schlussfolgerung: "Bitcoin eilt der Panik nicht voraus. Es eilt der Rettung voraus."
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

