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Smart Investor Weekly 17/2007

Gastautor: Ralf Flierl
24.04.2007, 20:43  |  1045   |   |   
Der Anlagenotstand von institutionellen Investoren und Unternehmen verlangt nach einem Ventil. Warum also nicht einige Milliarden in deutsche Aktien umlenken?

Fressen oder gefressen werden
Sie ist wieder da: Die aus den Boomzeiten der Börse zur Jahrtausendwende bekannte Fusionitis-Welle. Firmenübernahmen, die bereits über die letzten Jahre sukzessive im Volumen anzogen, sind praktisch täglich ein Thema an der Börse. Egal, ob sich strategische Käufer wie die französische PPR Puma einverleiben oder Finanzinvestoren aus dem Private Equity-Umfeld „Angriffe“ sogar auf Konzerne aus der Dax-Liga starten, die Ursache ist in jedem Fall dieselbe. Es ist zuviel Geld im Umlauf. Das niedrige Zinsniveau und die starken Cash Flows der letzten Jahre haben Finanzakteure respektive die Unternehmen dazu in die Lage versetzt, den Markt aggressiver nach interessanten Übernahmekandidaten zu „screenen“. Mit dem beabsichtigten Kauf der niederländischen ABN Amro durch Barclays wird auch im Finanzsektor die Fusions- und Akquisitionsfantasie weiter angeheizt. Die seit mehr als zwei Jahrzehnten kolportierte Übernahme der Commerzbank rückt mit jeder solchen Transaktion ein Stücken näher. Das scheint auch die Börse ähnlich zu sehen. Jedenfalls kletterte die Commerzbank-Aktie seit Bekanntwerden des Deals um knapp 10% auf den höchsten Stand seit Mitte 2000.



Finanzinvestoren lassen die Muskeln spielen
Vorbei ist die Zeit, wo sich deutsche Unternehmen durch ihre intransparenten Strukturen und speziellen Stimmrechtskonstruktionen gegen unliebsame Aufkäufer zu Wehr setzen konnten. Gegen die in Aktien-Fonds und Private Equity (PE) angelegten Gelder müssen die sonst so mächtigen Manager kapitulieren – zumindest langfristig. Womöglich stellen die zumeist verteufelten globalisierten Finanzmärkte vielleicht das wirksamste Mittel gegen Missmanagement dar. In jedem Fall sind sie wirksamer und effektiver, als jedes noch so gut gemeinte aber letztlich zahnlose Anlegerschutzgesetz. Auch wenn in den Mehrzahl der Fälle PE-Investoren geräuschlos agieren und nicht durch über die Medien kommunizierte Forderungen nach Sonderausschüttungen oder harten Sanierungen auffallen, sollte man die psychologische Wirkung solch exponierter Beispiele wie Cewe Color oder der Deutschen Börse nicht unterschätzen. Ohne Finanzinvestoren – soviel ist sicher – würde das Tempo über die Beratungen eines Chrysler-Verkaufs von Herrn Zetsche und Kollegen weit weniger forciert. Mittlerweile kann es sich Zetsche gar nicht mehr leisten, die Verhandlungen über den zunächst zaghaft formulierten und dann konkretisierten Einstieg aus dem Ausstieg abzubrechen.
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