Greenback
US-Dollar wieder stark – doch dieses Comeback hat ein Verfallsdatum
Erst Absturz, jetzt plötzlich wieder sicherer Hafen: Der US-Dollar legt kräftig zu. Doch Analysten warnen, dass die Rückkehr zur alten Stärke nur ein Zwischenhoch sein könnte.
- US Dollar erholt sich durch Krieg und Oelpreis neu
- Anleger sehen Comeback als voruebergehend Reaktion
- Risiken bleiben hohe Haushaltsdefizite und Politik
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Der US-Dollar ist zurück – zumindest vorerst. Noch vor wenigen Monaten sah es so aus, als sei die langjährige Dominanz des Greenbacks gebrochen. Im ersten Halbjahr 2025 erlebte die US-Währung ihre schwächste Phase seit mehr als 50 Jahren. Auslöser war unter anderem, dass US-Präsident Donald Trump seine im April angekündigten "Liberation Day"-Zölle wieder zurücknahm und damit das Vertrauen in US-Anlagen erschütterte.
Doch jetzt hat sich das Bild gedreht. Der US-Dollar-Index, der die Entwicklung der Währung gegenüber einem Korb wichtiger Leitwährungen misst, hat sich zuletzt deutlich erholt und notiert knapp unter einem 10-Monats-Hoch. Gegen Pfund, Euro und Yen konnte der US-Dollar in den vergangenen Wochen zulegen. Genau das sorgt an den Märkten für Aufsehen: Ausgerechnet die Währung, von der viele Anleger dachten, sie sei auf dem Rückzug, wird in einer Phase neuer Unsicherheit wieder gesucht.
Der Hauptgrund dafür ist der Krieg mit dem Iran. Seit Beginn des Konflikts profitiert der US-Dollar gleich doppelt. Einerseits ist die US-Wirtschaft als wichtiger Ölexporteur direkter Gewinner steigender Ölpreise. Da Rohöl in US-Dollar gehandelt wird, steigt mit dem Ölpreis auch die Nachfrage nach der Währung. Zweitens wird der Greenback in Stressphasen erneut als sicherer Hafen wahrgenommen. Während andere klassische Fluchtwährungen, wie der japanische Yen, schwächeln, greift der Markt wieder zum US-Dollar.
Der Konflikt trifft Europa besonders hart. Der Euro und das Pfund gerieten unter Druck, da Europa bei der Energieversorgung stärker von Importen abhängig ist. Die USA gelten dagegen bei der Rohölproduktion als weitgehend selbstversorgend und sind damit deutlich besser gegen Störungen rund um die Straße von Hormus abgesichert. Diese zentrale Route für Öl- und Gastransporte hat der Iran geschlossen.
Trotzdem sehen viele Strategen in der neuen Dollar-Stärke kein Signal für einen dauerhaften Trendwechsel. Denn die Probleme, die den Greenback zuvor belastet hatten, sind nicht verschwunden. Analysten verweisen weiterhin auf die hohen Haushaltsdefizite in den USA, den politischen Druck auf die Unabhängigkeit der Notenbank und die schwer berechenbare Politik in Washington. Genau diese Mischung hatte bereits im ersten Halbjahr das Vertrauen vieler Investoren erschüttert.
Hinzu kommt, dass der große Treiber der Dollar-Rallye von 2022 nicht mehr vorhanden ist. Der jüngste Anstieg wirkt deshalb eher wie eine Krisenreaktion als wie der Beginn eines neuen Superzyklus. Solange der Konflikt andauert und der Ölpreis hoch bleibt, dürfte der US-Dollar Unterstützung erhalten. Fällt die geopolitische Prämie jedoch weg, könnte die alte Schwäche schnell zurückkehren.
Für Anleger bedeutet das: Ja, der US-Dollar hat seine alte Stärke gerade wiederentdeckt. Doch wie belastbar dieses Comeback wirklich ist, ist noch völlig offen. Der Markt feiert im Moment den sicheren Hafen. Doch sobald sich die Lage beruhigt, könnte genau diese Geschichte schon wieder kippen.
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion
