Im Schatten der Chips
KI-Boom erzwingt überraschenden Schritt: Google sucht Hilfe in China
Der KI-Boom bringt neue Engpässe. Google prüft wohl Deals mit chinesischen Kühltechnikfirmen. Der Markt wächst rasant – und China spielt eine Schlüsselrolle.
- Google prueft Deals mit chinesischen Kuehltechnike
- Fluessigkuehlung wird zum strategischen Engpassens
- China gewinnt an Einfluss in globalen Lieferketten
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
Der globale Wettlauf um künstliche Intelligenz verschärft nicht nur die Nachfrage nach Chips. Auch eine weniger beachtete Technologie wird plötzlich zum strategischen Faktor: die Kühlung von Rechenzentren.
Googles Einkaufsteam prüft Deals
Der US-Technologiekonzern Google führt Gespräche mit mehreren chinesischen Herstellern über den Kauf von Flüssigkühlsystemen für Rechenzentren. Das berichten mehrere mit der Reise vertraute Personen laut der Nachrichtenagentur Reuters.
Ein Beschaffungsteam aus Googles Taiwan-Geschäft besuchte dafür in diesem Monat China. Ziel der Reise ist es, mögliche Lieferanten für Komponenten zu finden, die für KI-Server immer wichtiger werden.
Während der Reise traf das Team unter anderem den Kühltechnikhersteller Envicool. Außerdem sind Gespräche mit mindestens einem weiteren Unternehmen geplant, wie eine zusätzliche Quelle berichtet. Google und Envicool reagierten nicht auf Anfragen von Reuters.
KI-Rechenzentren brauchen neue Kühlung
Der Hintergrund ist ein technisches Problem des KI-Booms. Hochdichte KI-Server erzeugen deutlich mehr Wärme als klassische Rechenzentren. Luftkühlung reicht oft nicht mehr aus.
Flüssigkühlungssysteme führen Wasser oder andere Kühlflüssigkeiten direkt an die Hardware heran. Sie gelten deshalb als entscheidend für die nächste Generation von KI-Infrastruktur.
Der rasante Ausbau solcher Anlagen sorgt jedoch für Engpässe. Laut den Reuters-Quellen sind Teile für diese Systeme derzeit knapp.
Milliardenmarkt wächst rasant
Der Markt für Flüssigkühlung in KI-Servern könnte deshalb stark wachsen. Eine Analyse der Investmentbank JPMorgan erwartet, dass das weltweite Marktvolumen im Jahr 2026 auf mehr als 17 Milliarden US-Dollar steigt. Im vergangenen Jahr lag es noch bei 8,9 Milliarden US-Dollar.
Envicool profitiert bereits von dieser Dynamik. Das 2005 gegründete Unternehmen kommt auf eine Marktbewertung von rund 98 Milliarden Yuan (etwa 14 Milliarden US-Dollar). In den ersten 9 Monaten des Jahres stieg der Umsatz um 40 Prozent.
Auf einer Branchenveranstaltung präsentierte die Firma zuletzt eine sogenannte Coolant Distribution Unit. Diese zentrale Komponente verteilt Kühlflüssigkeit an Serverracks und wurde nach Angaben des Unternehmens nach Spezifikationen von Google entwickelt.
China gewinnt Einfluss in der Lieferkette
Analysten sehen in den Gesprächen ein weiteres Signal für den steigenden Einfluss chinesischer Zulieferer in der globalen Rechenzentrumsindustrie.
Eine Studie von Goldman Sachs verweist darauf, dass Envicool mit möglichen Aufträgen von Google für seine fünfte Generation solcher Kühlmodule rechnet. Gleichzeitig plant das Unternehmen eine Ausweitung der Produktionskapazitäten in der Provinz Guangdong sowie neue Anlagen in Thailand und in den Vereinigten Staaten.
Der Markt für Flüssigkühlung ist stark fragmentiert. Viele Unternehmen liefern einzelne Komponenten. Neben Envicool gewinnen auch chinesische Anbieter wie Lingyi iTech oder Feilong Auto Components Marktanteile. Serverhersteller wie Lenovo sind ebenfalls beteiligt.
Parallel profitieren weitere Zulieferer vom KI-Boom. Dazu gehören Produzenten optischer Transceiver sowie Hersteller von Leiterplatten, deren Kunden unter anderem Nvidia und Google sind.
Der KI-Wettlauf verändert damit nicht nur den Chipmarkt. Auch weniger sichtbare Technologien wie die Kühlung von Rechenzentren werden zu einem strategischen Engpass.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

