Rüstungsboom unter Wasser
Exail sichert sich Rekordaufträge für Minenjagd-Drohnen
Während der Nahost-Krieg den Welthandel destabilisiert, meldet der französische Drohnenspezialist Exail Rekordzahlen – und wird zum Highflyer des Verteidigungssektors.
- Exail verzeichnet starkes Wachstum bei Drohnen und
- FOG Technologie erlaubt Navigation ohne GPS Signal
- Auftragseingang stieg massiv auf 844 Millionen Euro
- Report: Achtung, Korrektur!
Unter der Wasseroberfläche entscheidet sich derzeit die Sicherheit des Welthandels. Das französische Technologieunternehmen Exail Technologies hat am Mittwoch seine Jahresbilanz für 2025 vorgelegt und dabei Zahlen präsentiert, die das enorme Ausmaß der globalen Rüstungseinkäufe widerspiegeln. Dabei kommt Exail zugute, dass das Unternehmen einer der weltweit wenigen Anbieter für autonome Minenjagd-Systeme ist.
Der Auftragseingang von Exail ist im vergangenen Jahr um 87 Prozent auf 844 Millionen Euro hochgeschnellt, der Auftragsbestand knackte dabei erstmals die Marke von 1 Milliarde Euro. Der Kernprofit (EBITDA) kletterte um 40 Prozent auf 103 Millionen Euro.
Was Exail im aktuellen Konflikt im Nahen Osten so interessant macht, sind ihre Unterwasser-Drohnen mit denen Wasserminen ausgeschaltet werden können. Exail liefert das weltweit erste voll integrierte, autonome Drohnensystem für die Minenräumung. Statt teure bemannte Schiffe in gefährliche Minenfelder zu schicken, erledigen Drohnenschwärme die Arbeit deutlich günstiger. Das Flaggschiff-Programm für die belgische und niederländische Marine erreichte 2025 die operative Einsatzfähigkeit.
Die Erfolge sind an der Börse nicht unbemerkt geblieben. Seit Beginn des Jahres 2026 ist die Aktie bereits um 60 Prozent gestiegen. Seit Ende 2024 hat sich der Wert sogar versiebenfacht.
Besonders im zweiten Halbjahr 2025 zogen die Margen deutlich an. Mit einer EBITDA-Marge von 23 Prozent im letzten Quartal nähert sich Exail seinem Ziel von 25 Prozent weiter an. Für 2026 prognostiziert die Geschäftsführung weiteres zweistelliges Umsatzwachstum.
Der zweite Geschäftsbereich von Exail neben der Maritimen Robotik (Unterwasser-Drohnen) ist der Bereich Navigation & Positionierung. Herzstück davon ist die sogenannte FOG-Technologie (Fiber Optic Gyroscope). Diese hochpräzisen Glasfaserkreisel ermöglichen Schiffen, Drohnen und sogar Landfahrzeugen die Navigation ohne GPS-Signal – eine kritische Fähigkeit in Zeiten der elektronischen Kriegsführung, in denen Satellitensignale oft gestört werden.
Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran hat die Bedeutung der Unterwasser-Minenjagd schlagartig ins öffentliche Bewusstsein gerückt. "Die Rückkehr hochintensiver Konflikte beschleunigt die strukturelle Transformation der Seestreitkräfte", kommentierte das Unternehmen. Wenn strategische Wasserstraßen vermint werden, ist die Weltwirtschaft direkt bedroht. Exail-Systeme, wie die Überwasserdrohne DriX, die bis zu 30 Tage autonom operieren kann, oder die neuen H-9 Modelle, sind plötzlich immens wichtige Hilfsmittel, um den Seehandel wieder zu ermöglichen.
Mit einem Anteil von 44 Prozent bleibt Exail ein Familienunternehmen unter der Führung von CEO Raphaël Gorgé. Doch die gewaltige Nachfrage aus Europa und Ländern wie Singapur, Indonesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigt, dass der Bedarf an autonomer maritimer Verteidigung global ist und drastisch wächst.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
