Plötzlicher Engpass
Nahost-Konflikt löst Rohstoffkrise in der Chipindustrie aus
Steigende Heliumpreise sorgen für Nervosität in der Chipbranche. Noch läuft alles stabil – doch der Konflikt im Nahen Osten birgt Risiken.
- Steigende Heliumpreise bedrohen die Chipproduktion
- Malaysia spielt ein zentrale Rolle in der Chipwelt
- Ausfall in Katar führt zu globaler Heliumknappheit
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Halbleiterhersteller in Malaysia beobachten laut Reuters die Lage genau: Helium, ein zentraler Rohstoff der Chipproduktion, könnte knapp werden. Wong Siew Hai, Präsident des malaysischen Verbandes der Halbleiterindustrie, sagte dem Nachrichtendienst: "Chiphersteller beobachten die Risiken, die sich aus Unterbrechungen der Heliumversorgung ergeben." Gleichzeitig betont er: "Die Situation hat bislang zu keinen Betriebsunterbrechungen geführt."
Der Grund liegt im Nahost-Konflikt: Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben die Produktion von Flüssigerdgas in Katar gestoppt. Helium fällt als Nebenprodukt dieser Verarbeitung an. Fällt die Gasproduktion aus, sinkt automatisch das Angebot des Edelgases.
Malaysia im Zentrum der Chipproduktion
Malaysia ist ein wichtiger Standort für die globale Chipindustrie. Das Land beherbergt Lieferanten und Fabriken für Hersteller wie Intel, Europas Infineon und STMicroelectronics. Rund sieben Prozent des weltweiten Halbleiterhandels passieren Malaysia und etwa 13 Prozent der globalen Chipmontage, -prüfung und -verpackung erfolgen hier. Damit ist das Land ein zentraler Knotenpunkt für die Versorgung der weltweiten Technologieindustrie.
Markt verliert Millionen Kubikmeter
Die Folgen zeigen sich schnell. Aleksandr Romanenko von IndexBox erklärt gegenüber The National: "Solange die mit Katar verbundene Produktion stillsteht, fehlen dem Markt derzeit monatlich etwa 5,2 Millionen Kubikmeter Helium. Diese Versorgungslücke ist groß genug, um den Weltmarkt sehr schnell unter Druck zu setzen."
Katar zählt zu den wichtigsten Produzenten weltweit und deckt etwa ein Drittel des Angebots. Der Ausfall trifft den Markt daher strukturell hart.
Schlüsselrohstoff für Hightech
Helium ist für viele Industrien unverzichtbar. Besonders kritisch ist die Rolle in der Halbleiterproduktion. Das Gas sorgt für stabile Temperaturen und extrem saubere Bedingungen.
Tareq Aljaber von Averroes sagte The National: "Helium mag wie ein gewöhnliches Industriegas klingen, doch aufgrund seiner Eigenschaften ist es in der Halbleiterfertigung unverzichtbar." Er warnt: "Die nächste Umwälzung in der Halbleiterbranche wird möglicherweise nicht durch Siliziumknappheit oder die Nachfrage nach Chips ausgelöst. Sie könnte vielmehr von einem Gas ausgehen, das die meisten Menschen nur mit Luftballons in Verbindung bringen."
Ersatz nur begrenzt möglich
Alternative Quellen existieren, reichen aber nicht aus. Laut Experten kann nur etwa die Hälfte des Ausfalls kompensiert werden. Sobald Lagerbestände sinken, droht eine echte Versorgungslücke.
Phil Kornbluth erklärt, "sobald die Lagerbestände aus der Zeit vor der Krise aufgebraucht sind und solange die Lieferungen aus Katar eingestellt bleiben, wird es auf dem Heliummarkt zu einer erheblichen Verknappung kommen", so The National.
Risiko für globale Industrien
Neben Halbleitern geraten auch Medizintechnik, Forschung und Luftfahrt unter Druck. Besonders betroffen sind Anwendungen, bei denen Helium nicht ersetzt werden kann.
Die Entwicklung zeigt, wie verwundbar globale Lieferketten bleiben. Ein unscheinbares Gas könnte zur nächsten großen Krise der Tech-Industrie werden.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion

