Token-Börse kommt
Revolution oder Kompromiss? Nasdaq startet Token-Aktien
Die SEC erlaubt Nasdaq den Handel tokenisierter Aktien. Doch statt Blockchain-Revolution bleibt vieles beim Alten. Experten sehen trotzdem großes Potenzial.
- Nasdaq darf tokenisierte Aktien handeln vorsichtig
- Abwicklung bleibt konservativ über zentrale Systeme
- Marktteilnehmer sehen Potenzial Richtung T0 sofort
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Die US-Börse Nasdaq hat grünes Licht von der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) erhalten, ausgewählte Wertpapiere in tokenisierter Form zu handeln. Die Genehmigung markiert einen wichtigen Schritt für die Digitalisierung klassischer Finanzmärkte. Sie bleibt jedoch eng an bestehende Marktstrukturen gebunden.
Das Pilotprogramm umfasst zunächst Aktien aus dem Russell 1000 Index sowie bestimmte börsengehandelte Fonds. Die tokenisierten Versionen müssen identisch mit den klassischen Wertpapieren sein. Sie behalten dieselben Rechte, Handelssymbole und Prioritäten.
Blockchain trifft auf alte Marktinfrastruktur
Tokenisierung beschreibt die Umwandlung traditioneller Vermögenswerte in digitale Einheiten auf einer Blockchain. Trotz dieser technischen Neuerung bleibt der Abwicklungsprozess konservativ. Orders können zwar als tokenisiert gekennzeichnet werden. Die finale Abwicklung läuft jedoch weiterhin über etablierte Systeme wie die Depository Trust Company.
Scheitert die technische Umsetzung, etwa wegen inkompatibler Wallets oder fehlender Zulassung, erfolgt die Abwicklung automatisch in klassischer Form. Die neue Struktur wirkt damit eher wie ein digitales Upgrade als eine echte Disruption.
Kritik und offene Fragen
Während des Prüfverfahrens äußerten mehrere Marktteilnehmer Bedenken. Branchenverbände und Börsenbetreiber kritisierten vor allem Unklarheiten bei der Rolle zentraler Abwicklungsstellen. Andere Stimmen warnten vor regulatorischen Lücken und möglichen Preisunterschieden zwischen tokenisierten und klassischen Aktien.
Auch die Frage nach technologischer Neutralität spielte eine Rolle. Vertreter der Blockchain-Industrie forderten, dass keine bestimmten Anbieter bevorzugt werden.
Experten sehen langfristiges Potenzial
Trotz der Einschränkungen bewerten Marktbeobachter die Entscheidung als Signal für tiefgreifende Veränderungen. Steven Wu von Clearpool erklärte gegenüber Decrypt: "Die SEC öffnet die Tür dafür, dass diese Vermögenswerte über den Handel hinaus in breitere finanzielle Anwendungsfälle vordringen."
Er sieht die Zukunft in Echtzeitmärkten. "Das eigentliche Signal ist, wohin dies führt. Die Marktstruktur hat sich bereits von T+3 auf T+1 verlagert, aber das Endziel ist T+0 und kontinuierliche, rund um die Uhr geöffnete Märkte", sagte Wu. T+3 oder T+1 beschreibt dabei die Zeitspanne zwischen Handel und finaler Abwicklung, die von früher 3 Tagen auf heute meist 1 Tag verkürzt wurde, während T+0 eine sofortige Abwicklung in Echtzeit bedeutet.
Auch institutionelle Investoren zeigen Interesse. Samar Sen von Talos betonte: "Institutionen werden genau beobachten, wie tokenisierte Wertpapiere in die Post-Trade-Infrastruktur eingebunden werden, insbesondere dort, wo die Abwicklung noch über zentrale Clearing- und Abwicklungssysteme läuft, und ob sich die Liquidität in beiden Formaten konsistent entwickelt."
Evolution statt Revolution
Die SEC macht deutlich, dass tokenisierte Assets rechtlich weiterhin klassische Wertpapiere bleiben. Die Technologie ändert nichts an ihrer regulatorischen Einordnung.
Damit verfolgt die Aufsicht einen vorsichtigen Ansatz. Innovation soll möglich sein, ohne die Stabilität der Märkte zu gefährden. Für Nasdaq bedeutet das: neue Technologie, aber auf alten Gleisen.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
