85 % der Aufträge bleiben hier
US-Firmen außen vor: Deutschland lenkt Aufträge an heimische Konzerne
Der milliardenschwere Ausbau der deutschen Verteidigung kommt vor allem heimischen Konzernen wie Rheinmetall zugute, während die USA das Nachsehen haben.
- Deutschland vergibt 85 Prozent der Rüstungsaufträge
- Rheinmetall wandelt sich zum Rüstungsriesen
- Startups sichern Milliardenaufträge für Drohnen
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Die Zeiten, in denen Deutschland seine Verteidigungsausgaben zögerlich behandelte, sind endgültig vorbei. Aktuell erlebt die Bundeswehr ihre größte Transformation seit dem Kalten Krieg. Mit dem massiven Investitionspaket von 600 Milliarden Euro – das von der Schuldenbremse ausgenommen ist und sogar die Infrastrukturausgaben von 500 Milliarden Euro in den Schatten stellt – wird die Bundesrepublik zum militärischen Schwergewicht in Europa.
Entgegen ersten Erwartungen, wonach ein Großteil der Gelder in die USA fließen würde, hat sich das Blatt gewendet. Berlin vergibt mittlerweile rund 85 Prozent der Aufträge innerhalb der Region, berichtet Bloomberg unter Berufung auf Regierungskreise. Durch die gezielte Nutzung rechtlicher Spielräume werden europaweite Ausschreibungen umgangen, um deutsche Unternehmen direkt zu beauftragen. Ziel ist es, mit den Steuergeldern die heimische Innovationskraft zu stärken und die technologische Souveränität zu sichern.
Dieser Kurs sorgt für eine enorme wirtschaftliche Dynamik. Ökonomen rechnen damit, dass der Rüstungssektor bis 2028 jährlich 0,5 Prozentpunkte zum deutschen Wirtschaftswachstum beitragen wird. Während die klassische Industrie schwächelt, fungiert die Rüstung als Rettungsanker: Sogar Automobilzulieferer wie ZF Friedrichshafen schwenken um und fertigen nun Komponenten für das Militär.
An der Spitze dieser Entwicklung steht Deutschlands Rüstungs-Riese Rheinmetall. Der Düsseldorfer Konzern hat sich radikal gewandelt und trennt sich sogar von seinem zivilen Automotive-Geschäft, um sich voll auf die Verteidigung zu fokussieren. Mit Erfolg: Die Aktie stieg seit Anfang 2025 um über 140 Prozent. Für 2026 peilt das Unternehmen einen Umsatz von bis zu 14,5 Milliarden Euro an. Rheinmetall sicherte sich zudem durch die Übernahme der Werft Naval Vessels Lürssen Anteile im Marine-Sektor und investiert 1,7 Milliarden Euro in eine Satellitenkonstellation. Dadurch erhält das Unternehmen Zugang zur weltweit größten Konstellation von Radar-Aufklärungssatelliten.
Auch andere börsennotierte Player profitieren massiv:
- Hensoldt: Der Radarspezialist meldete zuletzt einen Sprung bei den Auftragseingängen um 62 Prozent.
- Renk Group: Der Hersteller von Spezialgetrieben (u. a. für den Panzer Leopard 2) verzeichnete 2025 einen Rekordumsatz und einen historischen Auftragsbestand von 6,7 Milliarden Euro. Im Dezember 2025 erhielt Renk beispielsweise einen Auftrag über 45 Millionen Euro für Getriebe der Fahrzeuge Puma und Büffel.
- Airbus (Sparte Defence and Space): Airbus ist einer der größten Auftragnehmer der Bundeswehr, insbesondere in den Bereichen Militärluftfahrt und Satellitenkommunikation. In den Genehmigungen des Haushaltsausschusses vom Dezember 2025 sind unter anderem neue Aufklärungssatelliten und Lenkflugkörper (Meteor) enthalten, an denen Airbus maßgeblich beteiligt ist.
- MTU Aero Engines: Das Unternehmen ist ein zentraler Partner für die Triebwerke fast aller fliegenden Plattformen der Bundeswehr (z. B. Eurofighter, Transporthubschrauber) und profitiert direkt von den Instandhaltungs- und Neubeschaffungsprogrammen.
- TKMS (Thyssenkrupp-Sparte Marine Systems): Als führendes deutsches Unternehmen für den Marineschiffbau (U-Boote und Fregatten) ist TKMS ein Kernlieferant der Bundeswehr.
Innovation durch Startups
Neben den etablierten Riesen drängen hochinnovative Startups auf den Markt. Die Bundesregierung hat kürzlich Aufträge für Drohnen (Loitering Munition) im Wert von jeweils bis zu einer Milliarde Euro an die Firmen Helsing und Stark Defence vergeben. Hinzu kommen Rahmenverträge für intelligente Munition und KI-gestützte Flugsoftware (z.B. von HAT.tec) und Aufträge für den erst 2023 gegründeten Drohnenhersteller Tytan Technologies.
Während Donald Trump in den USA auf verstärkte Käufe amerikanischer Systeme drängt, geht Deutschland lieber eigene Wege – ganz im Sinne einer "Germany First"-Strategie. Die "Zeitenwende" ist in der Realität der Fabrikhallen angekommen – und sie könnte Deutschland helfen, trotz der aktuellen geopolitischen Verwerfungen wieder zu wachsen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

