Earnings Preview
Der Absturz geht ungebremst weiter: Hoffnung jetzt wenigstens für diese Werte?
Diese in den kommenden Tagen (KW13) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Dienstag, 24. März: GameStop
In den vergangenen Wochen kochte die Gerüchteküche beim Videospiele- und Merchandising-Einzelhändler GameStop einmal mehr hoch. Niemand geringeres als Crash-Prophet Michael Burry widmete dem König aller Meme-Werten eine längere Abhandlung und spekulierte darüber, ob der nächste Move von CEO Ryan Cohen nicht eine Unternehmensübernahme in der Einzelhandelsbranche sein könnte.
Nach einer Reihe erfolgreicher Kapitalerhöhungen wartet noch immer ein Milliardenbetrag darauf, sinnvoll investiert zu werden. Als mögliches Übernahmeziel galt dabei auch der Tiernahrungshändler Chewy, den Ryan Cohen selbst gegründet hatte, ihm aber schon seit einigen Jahren nicht mehr als Vorstandschef vorsteht. Die zuletzt stark gestiegenen Anleiherenditen könnten aber auch dafür sorgen, dass Cohen die Füße weiter stillhält und das Finanzergebnis des Unternehmens mithilfe üppiger Zinszahlungen auf die hohen Finanzreserven verbessert.
Auch ein zweites Gerücht machte die Runde: Hat GameStop seine Bitcoin-Bestände von rund einer halben Milliarden US-Dollar vor dem großen Krypto-Crash verkauft, nachdem es Ende Januar zu einer großen On-Chain-Bewegung gekommen war? Wäre das der Fall, würde sich das gute Timing jetzt gleich doppelt auszahlen – und könnte fortgesetzte Schwäche im Kerngeschäft kompensieren.
Von Analystinnen und Analysten wird ein Umsatzergebnis von 1,47 Milliarden US-Dollar erwartet. Das würde gegenüber dem Vorjahresquartal einen Rückgang um 2 Prozent bedeuten. Fortschritte soll GameStop hingegen bei der Profitabilität gemacht haben. Nach einem bereinigten Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) von 0,29 US-Dollar im Jahr zuvor sollen nun 0,37 US-Dollar gelungen sein.
Am Optionsmarkt wird wie inzwischen jedes Quartal aggressiv auf einen Kursanstieg der Aktie gewettet. 74,1 Prozent aller am kommenden Freitag verfallenden Optionskontrakte liegen auf der Call-Seite, denen ein Put-Anteil von nur 25,9 Prozent gegenübersteht. Eingepreist ist eine Kursbewegung um bis 7,9 Prozent. Das ist ein für GameStop eher unterdurchschnittlicher Wert.
Mittwoch, 25. März: Paychex
Der Spezialist für Lohnbuchhaltung und überaus zuverlässige Dividendenzahler Paychex kämpft bereits seit Monaten an gleich zwei Fronten. Zum einen ist die Aktie Opfer des Ausverkaufs bei Software-Unternehmen, da eine Disruption des Geschäftsmodelles durch KI-Agenten befürchtet wird. Andererseits wenden sich Anlegerinnen und Anleger angesichts von Stellenstreichungen und einer wachsenden Schwäche auf dem US-Arbeitsmarkt von den Anteilen des Unternehmens ab.
Gegenüber ihrem vor rund einem Dreivierteljahr bei über 160 US-Dollar markierten Allzeithoch hat die Paychex-Aktie zwischenzeitlich fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Allein seit Jahresbeginn steht ein Minus von 17,5 Prozent zu Buche. Damit ist die langfristig überaus erfolgreiche Aktie mit einem Plus von 2.560 Prozent in den vergangenen 30 Jahren deutlich hinter den Gesamtmarkt zurückgefallen.
Dadurch ist die Bewertung des Unternehmens so günstig wie seit Langem nicht. Für 2026 steht ein KGVe von 16,9 zu Buche, was um fast 40 Prozent unter dem 5-Jahres-Durchschnitt liegt, gleichzeitig ist die Dividendenrendite mit 4,67 Prozent so hoch wie seit dem Corona-Crash nicht mehr. Gelingt es Paychex, zumindest die Sorgen bezüglich einer KI-Disruption erfolgreich zu adressieren, könnte das bereits für eine Erleichterungsrallye und eine starke Gegenbewegung der Aktie sorgen.
Von Expertinnen und Experten gefordert ist ein Umsatzergebnis in Höhe von 1,78 Milliarden US-Dollar (+17,8 Prozent) sowie ein bereinigter Gewinn von 1,67 US-Dollar je Anteilsschein nach 1,49 US-Dollar im Jahr zuvor. Da hierin bereits die Übernahme von Paycor enthalten ist, wird auch das organische Wachstum exklusive der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Transaktion entscheidend für die Bewertung der operativen und finanziellen Leistung des Unternehmens.
Am Markt überwiegen aktuell die Sorgen vor einer weiteren Abschwächung des US-Arbeitsmarktes. Eine deutliche Mehrheit der Optionshändlerinnen und -händler wettet angesichts einer Put-Quote von 61,2 Prozent für den April-Kontrakt (bei Paychex gibt es keine wöchentlich verfallenden Optionen) auf einen fallenden Aktienkurs. Bis zum Verfall in einem Monat ist eine Bewegung um 9,1 Prozent eingepreist. In den beiden vergangenen Quartalen fiel die Reaktion mit unter 2 Prozent gering aus.
Mittwoch, 25. März: Ondas
Drohnenaktien sorgen bereits im vergangenen Börsenjahr für viel Aufmerksamkeit. Titel wie DroneShield, Red Cat und nicht zuletzt auch Ondas profitieren von der veränderten Kriegsführung auf dem Schlachtfeld der Gegenwart und der wachsenden Bedeutung von autonom agierenden Luftfahrzeugen sowie geeigneten Abwehrinstrumenten.
Der Iran-Krieg hat beides, sowohl die Aufmerksamkeit als auch die Einsicht in die wachsende Bedeutung von drohnengestützter Kriegsführung, noch einmal verstärkt. Während Israel und die USA den Iran mit teurer Hochtechnologie bombardieren, wehrt sich die Islamische Republik mit vergleichsweise einfachen Mitteln. Die Kriegsführung ist längst auch finanziell asymmetrisch.
Das in der Branche aufgeheizte Sentiment hat zuletzt der spektakulär gestartete Börsengang des auf Drohneneinsätze spezialisierten KI-Unternehmens Swarmer weiter angeheizt. Die Aktie vervielfachte sich innerhalb von nur zwei Handelstagen. In der Nische von Kommunikations- und Datenlösungen für Drohnen ist auch Ondas aktiv. Ein starkes Quartalsergebnis könnte der zuletzt angeschlagenen Aktie neuen Auftrieb verleihen und die Branche weiter in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses rücken.
Bereits am Freitag hatte das Unternehmen vorläufige Zahlen vorgelegt und die Spanne für die Umsatzprognose geringfügig auf 29,1 bis 30,1 Millionen US-Dollar angehoben. Damit werden die Erwartungen von 27,77 Millionen US-Dollar in jedem Fall übertroffen. Profitabilität hat Ondas jedoch noch nicht erreicht, während am Markt mit einem Fehlbetrag von -0,03 US-Dollar gerechnet wird, warnte Ondas vor einem EBITDA-Verlust in Höhe von 9,4 bis 9,9 Millionen US-Dollar. Zur zukünftigen Profitabilität äußerte sich das Unternehmen noch nicht. Das dürfte am Mittwoch entscheidend für die Kursreaktion der Aktie werden.
Am Optionsmarkt wird mit einer knappen Mehrheit von 55,4 Prozent auf der Call-Seite liegenden Kontrakten auf steigende Aktienkurse gesetzt. Dabei ist mit hoher Volatilität zu rechnen, denn eingepreist ist eine Kursbewegung um bis zu 14,4 Prozent.
Freitag, 27. März: Carnival
Tourismus- und Kreuzfahrtaktien waren in den vergangenen Jahren innerhalb der Konsumgüterbranche ein Fels in der Brandung. Von schwachen Verbrauchertrends, steigenden Lebenshaltungskosten und einer nachlassenden Konsumfreude waren Unternehmen wie TUI, Carnival oder Royal Caribbean kaum betroffen.
Da Verbraucherinnen und Verbraucher bei Reisen nicht zu Einsparungen bereit waren, verzeichneten viele Titel der Branche einen anhaltenden Aufwärtstrend und konnten hierfür von wachsenden Geschäften profitieren. In den vergangenen Wochen ist die Branche aber stark unter Druck geraten. Im Arabischen Golf festsitzende Schiffe, wie die von TUI, sorgten für schlechte Presse, während die explodierenden Kosten auf für Schiffsdiesel die operativen Margen von Kreuzfahrtanbietern bedrohen.
Bleibt es bei anhaltend hohen Energiepreisen und einem Comeback der Inflation, könnten nicht nur die operativen Kosten von Reiseveranstaltern steigen, sondern auch der Trend bis zuletzt hoher Ausgaben für Urlaub drehen. Carnival ist hierfür besonders anfällig, weil das Unternehmen mit Blick auf die Verschuldung innerhalb der Branche bilanziell am schlechtesten aufgestellt ist. Trotz einiger Fortschritte ist das Unternehmen netto noch immer mit über 26 Milliarden US-Dollar verschuldet.
Sollte Carnival am Freitag weitere Fortschritte demonstrieren, könnte bereits das für Erleichterung sorgen. Darüber hinaus wird am Markt mit einer weiteren Steigerung der Geschäftszahlen gerechnet. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5 Cent auf 0,18 US-Dollar geklettert sein, während beim Umsatz mit einer Steigerung um 5,7 Prozent auf 6,14 Milliarden US-Dollar gerechnet wird nach 5,81 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal.
Am Optionsmarkt herrscht vor den Zahlen eine Patt-Situation. Da die Call-Quote bei 49,9 Prozent und der Put-Anteil bei 50,1 Prozent liegt, stehen sich Bullen und Bären auf Augenhöhe gegenüber. Eingepreist ist eine Kursbewegung von bis zu 9,1 Prozent.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| WeRide | Mo., 23.03. | Vorbörse | -0,15 $ | 39,3 Mio. $ | ± 19,8 % | 2,2 Mrd. $ |
| Smitfhfield Foods | Di., 24.03. | Vorbörse | 0,68 $ | 4,15 Mrd. $ | ± 6,0 % | 9,1 Mrd. $ |
| Core & Main | Di., 24.03. | Vorbörse | 0,33 $ | 1,59 Mrd. $ | ± 12,7 % | 8,9 Mrd. $ |
| Hesai | Di., 24.03. | Vorbörse | 0,22 $ | 155,8 Mio. $ | ± 18,5 % | 3,6 Mrd. $ |
| KB Home | Di., 24.03. | Nachbörse | 0,54 $ | 1,09 Mrd. $ | ± 10,9 % | 3,2 Mrd. $ |
| PDD Hldgs. | Mi., 25.03. | Vorbörse | 3,07 $ | 18,17 Mrd. $ | ± 8,1 % | 136,6 Mrd. $ |
| Cintas | Mi., 25.03. | Vorbörse | 1,24 $ | 2,82 Mrd. $ | ± 4,9 % | 71,7 Mrd. $ |
| Chewy | Mi., 25.03. | Vorbörse | 0,28 $ | 3,26 Mrd. $ | ± 11,6 % | 9,7 Mrd. $ |
| Jefferies | Mi., 25.03. | Nachbörse | 0,84 $ | 1,95 Mrd. $ | ± 15,1 % | 7,9 Mrd. $ |
| Kingsoft | Mi., 25.03. | Vorbörse | -0,07 $ | 394,7 Mio. $ | ± 17,9 % | 3,9 Mrd. $ |
| H.B. Fuller | Mi., 25.03. | Nachbörse | 0,56 $ | 787,8 Mio. $ | ± 7,1 % | 2,7 Mrd. $ |
| Argan | Do., 26.03. | Nachbörse | 1,98 $ | 255,3 Mio. $ | ± 20,1 % | 6,5 Mrd. $ |
| Pony AI | Do., 26.03. | Vorbörse | 0,22 $ | 23,9 Mio. $ | ± 12,5 % | 4,6 Mrd. $ |
| The Metals Co. | Fr., 27.03. | Vorbörse | -0,06 $ | 0,00 Mio. $ | ± 12,0 % | 2,1 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
Stand: Sonntag, 22. März, 12:30 Uhr (MEZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

