Gigantischer Schuldenberg
SAP-Rivale Oracle: Letzter Rettungsanker im Kampf gegen den Bankrott?
Der hochverschuldete US-Clouddienstleister Oracle braucht im Kampf gegen die Rekordverschuldung Erfolge. Richten soll es jetzt eine neue Finanzchefin.
- Oracle mit 123 Mrd USD Schulden und hoher Last
- Neue CFO Hilary Maxson soll Vertrauen wiederherstellen
- Aktienkurs seit Jahresanfang minus 25 Prozent, Risiko
- Report: Energiepreisschock - Diese 3 Werte könnten langfristig abräumen!
Oracle: Ein Schuldenberg höher als der Mount Everest
Um vom KI-Boom bestmöglich zu profitieren und ein überdurchschnittlich hohes Wachstum zu erzielen, setzt SAP-Rivale Oracle für den massiven Auf- und Ausbau seiner Rechenzentrumsinfrastruktur auf den Einsatz von Fremdkapital und hat sich hierfür massiv verschuldet – obwohl noch völlig unklar ist, ob und wann sich die gewaltigen Investitionen auszahlen.
Der letzte Quartalsbericht wies langfristige Verbindlichkeiten in Höhe von fast 125 Milliarden US-Dollar aus. Unter Berücksichtigung auch anderer Zahlungsverpflichtungen sowie der liquiden Reserven liegt die Gesamtverschuldung bei 123 Milliarden US-Dollar und damit so hoch wie noch nie. Die Kreditzinsen belaufen sich inzwischen auf mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar – pro Quartal.
"Sinnvoller" Schritt: Neue Finanzchefin soll es richten
Die Sorge davor, dass sich das Unternehmen finanziell übernommen hat, ist groß. Die Preise für Ausfallversicherungen (Credit Default Swaps; CDS) sind bereits im vergangenen Jahr gestiegen, während die Aktie gegenüber ihren Rekordnotierungen zeitweise fast zwei Drittel an Wert verloren hat.
Im Kampf um Glaub- und Kreditwürdigkeit sowie um eine Stabilisierung des Schuldengeschehens setzt Oracle jetzt auf eine neue Finanzchefin. Am Montag hat der Konzern bekannt gegeben, dass Hilary Maxson, zuvor beim französischen Elektrotechnikkonzern Schneider Electric beschäftigt, den bisher amtierenden CFO Doug Kehring ablösen wird. Dieser soll sich künftig auf den Bereich "Go-to-Market" konzentrieren und dem Unternehmen damit erhalten bleiben.
Analysten der Royal Bank of Canada (RBC) bewerten den Schritt als "sinnvoll": "Wir glauben, dass die Ernennung von Frau Maxson vor dem Hintergrund ihrer Herkunft und den anhaltend herausfordernden Ressourcen- und Energieengpässen in der Branche Sinn ergibt, da Oracle Cloud Infrastructure (OCI) wächst und für Oracle kritischer wird."
Aktie unbeeindruckt, Minus 25 Prozent seit Jahresanfang
Am Montag blieb eine positive Kursreaktion in einem konstruktiven US-Gesamtmarktumfeld, das vor dem Ablauf von Donald Trumps Ultimatum auf eine Entspannung im Iran-Krieg gewettet hat, aus. Die Oracle-Aktie gab um 0,6 Prozent nach. Damit beläuft sich das Minus seit dem Jahreswechsel auf 25,3 Prozent, während die Zugewinne im Vergleich zum Vorjahr auf 14,5 Prozent zusammengeschrumpft sind, nachdem die Aktie zeitweise dreistellig im Plus gelegen hatte.
Wie auch die Aktie von SAP hat Oracle angesichts des schwer angeschlagenen Chartbilds erkennbare Mühe, einen Boden als Ausgangsbasis für eine mögliche Gegenreaktion oder sogar eine Trendwende zu bilden. Sollte die Aktie nachhaltig unter 135/136 US-Dollar fallen, wo aktuell ein potenzieller Dreifachboden liegt, wäre mit weiteren Kursverlusten zu rechnen.
Fazit: Ein Fass ohne erkennbaren Boden!
Inmitten des KI-Booms setzt Oracle aggressiv auf den Ausbau seiner Rechenzentreninfrastruktur und hat sich hierfür massiv verschuldet. Am Markt herrscht große Skepsis, dass sich die auf 123 Milliarden US-Dollar gewachsenen Verbindlichkeiten auszahlen, was die Kursentwicklung der Aktie widerspiegelt. Der Schuldenberg stellt inzwischen eine existenzielle Gefahr für das Unternehmen dar, da der Schuldendienst einen immer größeren Teil der Cashflows auffrisst, ohne dass überhaupt ein US-Dollar an Verbindlichkeiten abgebaut wurde.
Der Austausch einer Führungskraft dürfte kaum genügen, das Vertrauen der Anlegerinnen und Anleger wiederherzustellen und die Aktie zu einer Trendwende zu bewegen. Hierfür benötigt es erkennbaren Willen, das Problem zu adressieren – zum Beispiel mithilfe einer im kommenden Quartalsbericht erkennbaren Reduzierung der Verschuldung, die allein im vergangenen Jahr um fast 50 Prozent angewachsen ist. Bis dahin gilt für Investoren: Finger weg!
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

