Geschäftszahlen vorgelegt
Evotec: Sowas will einfach niemand hören!
Der Hamburger Wirkstoffforscher Evotec hat am Mittwochmorgen seine Geschäftszahlen vorgelegt. Auf die reagiert der Markt allerdings nur verhalten.
- Evotec reduziert Verluste bleibt aber defizitär
- Umsatzrückgang trotz Lizenzzahlung und JEB Sparte
- Aktie erholt sich kurzfristig KGV bleibt negativ
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Evotec kämpft weiter um sein Überleben
Der Biotechnologiekonzern Evotec kämpft weiter um eine finanziell nachhaltige Zukunft und damit auch eine Trendwende der Aktie, die ihren seit 4,5 Jahren anhaltenden Abwärtstrend auch in diesem Jahr unbeeindruckt fortsetzt. Seit dem Jahreswechsel steht hier ein Minus von 18 Prozent zu Buche.
Für die Rückkehr zu Profitabilität und Wachstum setzt das Hamburger Unternehmen auf eine Umstrukturierung und Verkleinerung der Konzernstruktur. Veräußerungen wie die des Standortes in Toulouse an Sandoz sollen außerdem die klammen Kassen aufbessern. Dass der Konzern aber noch einen weiten Weg vor sich hat, zeigen die am Mittwoch vorgelegten Geschäftszahlen.
Verluste deutlich reduziert, Umsätze weiter rückläufig
Im abgelaufenen vierten Quartal verbuchte Evotec Erlöse in Höhe von 253,3 Millionen Euro. Damit wurde ein Ergebnis am oberen Ende der Prognosespanne erzielt. Unter der Annahme konstanter Wechselkurse hätte Evotec mit 266,7 Millionen Euro noch etwas besser abgeschnitten. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr wurden 788,4 Millionen Euro erlöst (810,4 Millionen Euro in konstanten Wechselkursen) und damit etwas weniger als im GJ 2024 (~ 797 Millionen Euro).
Mit Blick auf die Profitabilität legte Evotec ein bereinigtes EBITDA in Höhe von 58,0 Millionen Euro im vergangenen Quartal (+103 Prozent) sowie von 41,1 Millionen Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr vor. Hier wurden also erste Erfolge erzielt, die jedoch wesentlich auf eine einmalige Lizenzzahlung in Höhe von 65 Millionen Euro zurückzuführen sind.
Wird hinter die Fassade bereinigter Zahlen geblickt, bleibt das Bild trüb. Zwar konnte Evotec seine Verluste im abgelaufgenen Geschäftsjahr um 92,6 Millionen Euro verringern, verbuchte nichtsdestotrotz aber noch immer ein negatives Periodenergebnis in Höhe von 103,5 Millionen Euro. Trotz umfangreicher Maßnahmen ist Evotec damit von Profitabilität noch immer weit entfernt.
2026 ein (weiteres) "Übergangsjahr" für Evotec
Daran dürfte sich nach Einschätzung des Managements auch im kommenden Geschäftsjahr 2026 nichts ändern. In der Pressemitteilung ist von einem "Übergangsjahr" die Rede. Das ist zwar eine ehrliche und in diesem Sinne vertrauensbildende Einschätzung, aber sicherlich nicht das, was die leidgeplagten Anlegerinnen und Anleger hören wollten.
Immerhin hat CEO Christian Wojczewski Besserung schon ab der zweiten Jahreshälfte und "einen klaren Plan für eine stärkere Performance ab 2027 und darüber hinaus" in Aussicht gestellt.
Hierfür dürfte die JEB-Sparte eine tragende Rolle spielen, die im vergangenen Jahr eine Umsatzssteigerung von 39 Prozent auf 259,4 Millionen Euro erzielte, während die Geschäfte in der Wirkstoff- und Arzneimittelforschung um -13,5 Prozent auf 611,4 Millionen Euro fielen.
Erholungsrallye sorgt für zweistellige Kursgewinne ...
Am Markt arrangieren sich Anlegerinnen und Anleger mit der Aussicht darauf, dem Unternehmen noch mehr Zeit für die operative Wende zugestehen zu müssen. Nach einem verhaltenen Start in den Handelstag startete Evotec durch und erzielte am Mittwochmorgen ein Plus von rund 10 Prozent.
Damit gelingt eine Halbierung der in diesem Jahr erlittenen Verluste und eine Fortsetzung der in den vergangenen Tagen gestarteten Erholung ausgehend von einer Bodenbildung im Bereich von 4 Euro. Selbst ein erstes prozyklisches Kaufsignal – das Überwinden der 50-Tage-Linie bei knapp 5,30 Euro – liegt aber noch in weiter Ferne und Bedarf weiterer Verbesserungen.
Fazit: ... aber mittelfristig dürften die Schwierigkeiten anhalten!
Evotec befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess und kommt bei der Ausrichtung auf nachhaltig profitables Wachstum nur langsam voran. Zwar konnten die Verluste gegenüber dem Vorjahr fast halbiert und ein positives bereinigtes EBITDA erzielt werden, doch die Rückkehr zur Profitabilität könnte noch Jahre in Anspruch nehmen.
Nicht umsonst hat das Management von einem "Übergangsjahr" gesprochen – einer Äußerung, die am Markt üblicherweise mit Kursverlusten quittiert wird. Dass die Aktie am Mittwoch trotzdem deutlich zulegen kann, dürfte nicht zuletzt auf geschlossene Short-Positionen zurückzuführen sein, denn aus einer fundamentalen Perspektive bleibt die Aktie ein rotes Tuch.
Für 2026 ist Evotec mit einem KGV von -10,3 bewertet, Analystinnen und Analysten rechnen mit einem Verlust von rund 67,5 Millionen Euro. Erst für das kommende Jahr wird ein Vorzeichenwechsel und geringfügig positiven Erträgen in Höhe von 8,1 Millionen Euro erwartet. Das spricht nicht für einen Einstieg in die Aktie, deren Erholung kurzfristig zwar anhalten könnte, deren übergeordnete Schwierigkeiten aber bleiben dürfte.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
Die Evotec Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +7,54 % und einem Kurs von 4,85EUR auf Tradegate (08. April 2026, 10:14 Uhr) gehandelt.

