Angst statt Fakten
So verdienen Influencer mit Anleger-Panik Millionen
Apokalypse-Videos, KI-Fakes, erfundene Berichte über fliehende Investoren: Laut der Dubaier Zeitung Khaleej Times sollen Influencer in 28 Tagen bis zu 47 Millionen US-Dollar mit Panikmache verdient haben.
- Influencer verdienten Millionen mit KI-Panikvideos
- Gefälschte Videos zielten auf die Anlegerangst
- Monetarisierung der Erwartung brachte hohe Erlöse
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Laut einem Bericht der Dubaier Tageszeitung Khaleej Times sollen Influencer weltweit den Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran ausgenutzt haben, um mit KI-generierten Katastrophenvideos, alten Explosionsszenen und erfundenen Geschichten über eine Kapitalflucht von Investoren enorme Reichweiten und hohe Werbeerlöse zu erzielen.
Besonders perfide: Die Masche zielte direkt auf das Sicherheitsgefühl von Anlegern ab. Mal war plötzlich von einem Angriff auf Dubai die Rede, mal von Investoren, die panisch das Land verließen, mal vom Kollaps des Immobilienmarkts. Ein gefälschtes Video zeigte den Burj Khalifa in Flammen. Laut dem Bericht entlarvte AFP die Aufnahme schnell als Fälschung. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Panik bereits millionenfach ausgebreitet.
Die von der Khaleej Times unter Berufung auf Analysen genannten Zahlen sind alarmierend. So soll ein erfundener Bericht über fliehende Investoren in nur 72 Stunden 4,2 Millionen Abrufe und rund 29.400 US-Dollar an AdSense-Erlösen generiert haben. Ein anderer Influencer soll mit dramatischen Videos, Sponsorings und bezahlten Beratungen auf rund 600.000 US-Dollar gekommen sein. Insgesamt sollen 127 Influencer mit erfundenen Ausreise- und Exodus-Erzählungen Kasse gemacht haben.
Der eigentliche Skandal ist jedoch, dass nicht ein realer Crash, sondern die Erwartung eines Crashs monetarisiert wurde. Genau darin liegt die gefährliche Macht solcher Inhalte. Wer Angst vor Kapitalflucht, Marktstress und Wertverlust schürt, trifft einen Nerv und kann Unsicherheit in Klicks, Verkäufe und Werbegeld verwandeln.
Für Anleger ist das mehr als nur eine schmutzige Social-Media-Nummer. Denn Falschmeldungen über einen angeblichen Exodus von Investoren können die Stimmung, das Vertrauen und im schlimmsten Fall Entscheidungen beeinflussen. Wer in Krisenzeiten hektisch verkauft, weil ein Video Panik verbreitet, spielt den Absendern dieser Inhalte direkt in die Karten.
Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass Angst in der Aufmerksamkeitsökonomie oft die härteste Währung ist. Und für manche Influencer offenbar ein Millionengeschäft.
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion

