Kurs auf mehr
Anthropic prüft eigene KI-Chips – Nvidia-Konkurrenz?
Anthropic erwägt den Einstieg in die KI-Chipentwicklung und gerät zugleich wegen möglicher Cyberrisiken seines neuen Modells ins Visier der US-Regierung.
- Anthropic prüft Eigenentwicklung von KI-Chips
- Annualisierte Umsatzrate über 30 Milliarden US-Dollar
- US-Behörden warnen vor Cyberrisiken durch Claude-Mythos
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Das KI-Unternehmen Anthropic prüft laut einem Bericht von Reuters den Einstieg in die Entwicklung eigener Halbleiter für Künstliche Intelligenz. Hintergrund ist der anhaltende Engpass bei Hochleistungsprozessoren, die für Training und Betrieb moderner KI-Modelle benötigt werden.
Demnach befindet sich das Vorhaben noch in einer frühen Prüfungsphase. Eine endgültige Entscheidung sei bislang nicht gefallen, und Anthropic könnte sich weiterhin dafür entscheiden, auch künftig ausschließlich externe Chips zu beziehen. Weder ein finales Chipdesign noch ein dediziertes Entwicklerteam seien derzeit bestätigt.
Die Überlegungen unterstreichen jedoch, wie groß der Druck auf führende KI-Anbieter geworden ist, sich unabhängiger von externen Hardware-Lieferanten zu machen. Branchenführer Nvidia dominiert weiterhin den Markt für KI-Beschleuniger, während Unternehmen wie Anthropic, OpenAI, Google und Meta zunehmend nach Wegen suchen, ihre Lieferketten und Infrastruktur strategisch abzusichern.
Explosives Wachstum erhöht Infrastrukturbedarf
Der mögliche Schritt kommt zu einem Zeitpunkt rasanter Expansion bei Anthropic. Das Unternehmen erklärte Anfang der Woche, dass die annualisierte Umsatzrate inzwischen die Marke von 30 Milliarden US-Dollar überschritten habe – nach rund 9 Milliarden US-Dollar Ende 2025. Treiber des Wachstums ist vor allem die steigende Nachfrage nach dem KI-Modell Claude im Unternehmens- und Entwicklersegment.
Bislang setzt Anthropic beim Training und Betrieb seiner Modelle auf ein breites Hardware-Portfolio. Dazu zählen unter anderem Tensor Processing Units von Google sowie spezialisierte Chips von Amazon. Erst kürzlich schloss das Unternehmen eine langfristige Partnerschaft mit Google und Broadcom, die gemeinsam an der Entwicklung neuer TPU-Generationen arbeiten.
Cyberrisiken durch neues Anthropic-Modell?
Parallel zu den Infrastrukturplänen sieht sich Anthropic mit wachsender regulatorischer Aufmerksamkeit konfrontiert. US-Finanzminister Scott Bessent und Fed-Chef Jerome Powell haben führende Wall-Street-Banker zu einem kurzfristig anberaumten Treffen nach Washington geladen, um über mögliche Cyberrisiken durch Anthropics neuestes KI-Modell "Claude Mythos Preview" zu beraten.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen demnach Sorgen, dass fortgeschrittene KI-Systeme künftig offensive Cyberfähigkeiten erheblich verstärken und neue Bedrohungen für das Finanzsystem schaffen könnten.
Anthropic hatte bereits vergangene Woche bestätigt, sich in laufenden Gesprächen mit US-Regierungsvertretern über die "offensiven und defensiven Cyberfähigkeiten" des Modells zu befinden.
*ab 500 Euro Ordervolumen über gettex, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
Autor: Pascal Grunow, wallstreetONLINE Redaktion

