Rette sich, wer kann
Anleger werfen Software panisch raus – "Claude Mythos" löst Verkaufsinferno aus
Das Modell "Claude Mythos" von Anthropic hat Sicherheitslücken aufgedeckt – und das Vertrauen in Software zerlegt. Anleger verkaufen blind – Käuferstreik im ganzen Sektor.
- Claude Mythos deckt schwerwiegende Schwachstellen auf
- Cybersecurity und Softwareaktien fallen massiv
- Käuferstreik treibt Sektorverkauf und IGV-Risiko
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Der Software-Sektor hat einen brutalen Ausverkauf verzeichnet – und Cybersecurity-Aktien wurden am härtesten getroffen. Qualys verlor am Donnerstag über 12 Prozent, Cloudflare, Tenable und Zscaler brachen jeweils zwischen 8 und 11 Prozent ein. Okta und Snowflake verloren ebenfalls mehr als zehn Prozent. Aber auch der Rest des Sektors blieb nicht verschont: ServiceNow, Appian, Intuit, Autodesk, Oracle und Salesforce büßten alle ein. Palantir, das 2025 noch weitgehend immun gegen den Software-Ausverkauf war, verlor 7,3 Prozent und liegt seit Jahresbeginn bereits 27 Prozent im Minus. Der iShares Expanded Tech-Software ETF (IGV), der den Sektor abbildet, verlor 3,9 Prozent und liegt seit Jahresbeginn bereits 25 Prozent im Minus.
Der breitere Markt hingegen legte zu – Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq stiegen, Halbleiterwerte kletterten sogar 1,5 Prozent nach oben. Die Schere zwischen Software und dem Rest des Technologiesektors ist so groß wie seit mindestens 2011 nicht mehr.
Auslöser der Panik ist Anthropic. Das KI-Unternehmen hat diese Woche sein neues Modell Claude Mythos vorgestellt – laut eigenen Angaben in der Lage, versteckte Cybersicherheitsprobleme in einer Vielzahl von Softwaresystemen aufzudecken. Bisher wurde das Modell nur an rund 40 Technologiegiganten weitergegeben.
"Wenn Mythos so stark und leistungsfähig ist und diese Schwachstellen aufdeckt, die schon seit Jahren bestehen, zeigt das erstens die Schwäche der derzeit auf dem Markt befindlichen Software und zweitens, dass KI im Vergleich zu traditionellen Softwareunternehmen immer noch unglaubliche Fortschritte macht", sagte Michael O'Rourke von JonesTrading gegenüber Reuters. Auch OpenAI arbeitet an einem ähnlich leistungsstarken Modell mit Cybersicherheitsfunktionen.
Die Folge: ein Käuferstreik. "Die Realität ist, dass es bei Software schlichtweg einen Käuferstreik gibt", kommentierte Evercore-ISI-Analyst Kirk Materne. Anleger ziehen sich aus dem gesamten Sektor zurück, ohne zwischen einzelnen Unternehmen zu unterscheiden – was Materne für "ironisch" hält, da die größten Positionen im Software-ETF Titel wie Microsoft und Palantir seien, bei denen das KI-Risiko deutlich umstrittener sei.
BTIG-Stratege Jonathan Krinsky warnt, der Software-ETF IGV könnte auf 70 oder sogar 65 US-Dollar fallen – rund 15 Prozent unter dem aktuellen Niveau. Je öfter eine Unterstützungsmarke getestet werde, desto wahrscheinlicher sei ein Durchbruch nach unten, so Krinsky.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

