Die Börse reicht als Waffe
Bricht der Markt bis hier weg, muss Trump im Iran-Krieg nachgeben
Ein Rückgang von 12 bis 15 Prozent gilt laut BCA Research als "Bruchpunkt". Noch sind die Märkte darüber – doch trügerischer Optimismus erhöht den Druck. Die Frage ist nicht ob, sondern wann es kippt.
- Bruchpunkt bei 12 bis 15 Prozent Kursrückgang
- Trügerischer Optimismus erhöht Kippgefahr an Märkten
- Saisonale Schwäche ab Mai in Wahljahren belastet Börsen
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Die Unsicherheit an den Finanzmärkten könnte sich im Zuge des Konflikts zwischen den USA und dem Iran weiter verschärfen. Nach Einschätzung von Dhaval Joshi, Chefstratege bei BCA Research, hängt der weitere Verlauf maßgeblich von einer kritischen Schwelle ab: einem kombinierten Rückgang von Aktien- und Anleihemärkten um 12 bis 15 Prozent. Dieses Niveau bezeichnet er als "Bruchpunkt" für US-Präsident Donald Trump – sowohl im aktuellen geopolitischen Konflikt als auch mit Blick auf frühere wirtschaftspolitische Spannungen. Derzeit liegen die Märkte noch rund sieben Prozent über dieser Marke.
Joshi argumentiert, dass der Iran die Märkte gezielt als strategisches Druckmittel einsetzen könnte. "Der Iran muss kein einziges US-Kriegsschiff versenken – er könnte viel größeren Schaden anrichten, indem er die US-Aktien- und Anleihemärkte zum Einbruch bringt", erklärte er. Tatsächlich habe sich in der Vergangenheit ein Muster gezeigt, bei dem politische Entscheidungen zunehmend unter dem Einfluss von Marktbewegungen getroffen wurden.
Parallel dazu mehren sich Hinweise, dass die laufende Korrektur an den US-Aktienmärkten noch nicht abgeschlossen ist. Konträre Analysten verweisen darauf, dass die Stimmung unter Anlegern bislang nicht pessimistisch genug sei, um ein belastbares Tief zu markieren. Trotz der Verluste, insbesondere im technologielastigen Nasdaq, blieben viele Marktteilnehmer vergleichsweise bullish – selbst nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten und einer anschließenden Waffenstillstandsankündigung.
Gerade diese fehlende Skepsis gilt aus konträrer Sicht als Warnsignal. Typischerweise werden nachhaltige Wendepunkte an den Märkten von ausgeprägtem Pessimismus begleitet, der als "Mauer der Sorgen" gilt, an der sich Erholungen entwickeln können. Stattdessen deute die aktuelle Entwicklung eher auf einen "Hang der Hoffnung" hin, von dem die Kurse weiter abrutschen könnten.
Zusätzliche Risiken ergeben sich aus saisonalen Mustern. Historisch betrachtet zählt der Zeitraum ab Mai in Jahren mit US-Zwischenwahlen zu den schwächeren Börsenphasen. Vor diesem Hintergrund mahnen Analysten zur Vorsicht: Die Kombination aus geopolitischen Spannungen und einer möglicherweise trügerischen Anlegerstimmung könnte dafür sorgen, dass die Märkte noch nicht den Tiefpunkt erreicht haben.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

