Iran, Fed, Edelmetalle
Gold schwächelt trotz Krise – kein sicherer Hafen mehr?
Gold und Silber geraten unter Druck, obwohl die Lage im Nahen Osten fragil bleibt. Anleger warten auf neue Iran-Gespräche. Plötzlich steht sogar die Rolle von Gold als sicherer Hafen infrage.
- Gold und Silber unter Druck wegen Iran-Gesprächen
- UBS sieht Goldpotenzial bis Ende 2026 bei 5900
- Morgan Stanley: Gold als Risiko, Silber gestützt
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Viele Anleger ziehen sich vorerst aus Edelmetallen zurück. Sie warten auf die Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran an diesem Wochenende.
Dabei hatten beide Edelmetalle in den vergangenen zwölf Monaten kräftig zugelegt. Während des Iran-Konflikts gerieten sie zuletzt aber unter Druck. Ein wichtiger Grund waren die Zinserwartungen. Die mit dem Krieg verbundenen höheren Energiepreise dämpften die Hoffnung auf eine baldige Zinssenkung durch die US-Notenbank Federal Reserve. Das belastete zinslose Anlagen wie Gold und Silber.
Die Analysten der UBS halten das langfristige Potenzial dennoch für beträchtlich. Sie argumentieren, dass Gold bis Ende 2026 auf bis zu 5.900 US-Dollar je Unze steigen könnte, falls sich der Fokus des Marktes vom Iran-Konflikt auf Inflationsrisiken verlagert.
Im Moment überwiegt jedoch die Vorsicht. David Morrison, Senior Market Analyst bei Trade Nation, schrieb in einer Research-Notiz:
"Die Anleger scheinen sich damit zufrieden zu geben, abzuwarten, bis die erste Verhandlungsrunde über einen dauerhaften Waffenstillstand stattfindet, die derzeit für Samstag in Pakistan angesetzt ist."
Auch Morgan Stanley sieht derzeit ein ungewohntes Bild. Die Bank verweist darauf, dass Gold seine klassische Rolle als sicherer Hafen zuletzt nicht erfüllt habe. Stattdessen habe sich das Metall eher wie eine Risikoanlage verhalten.
Amy Gower, Strategin für Metalle und Bergbau bei Morgan Stanley, sagte bei CNBC:
"Gold verhält sich derzeit wirklich wie eine Risikoanlage und nicht wirklich wie ein sicherer Hafen."
Normalerweise solle Gold ein Diversifikationsinstrument im Portfolio sein.
"Und das ist im Moment einfach nicht der Fall."
Gower räumte ein, dass eine gewisse Schwäche nach einem Schock nicht ungewöhnlich sei, weil Investoren zunächst Liquidität suchten. Zugleich seien die Preise inzwischen stärker von großen Marktteilnehmern wie Zentralbanken und börsengehandelten Fonds abhängig.
Lage bei Silber laut Morgan Stanley differenzierter
Dort habe es laut Gower "echte Gründe für eine Rallye" gegeben. Das Metall profitierte über Jahre von Angebotsdefiziten. Hinzu kam eine kräftig steigende Nachfrage aus der Solarindustrie. In den vergangenen zwölf Monaten legte Silber deshalb zeitweise stark zu. Im vergangenen Monat fiel der Preis jedoch wieder und notiert klar unter dem Hoch vom Januar.
Den Sprung über 100 US-Dollar je Feinunze im Januar hält Gower rückblickend nur noch teilweise für fundamental erklärbar. Damals habe auch Spekulation eine wichtige Rolle gespielt. Inzwischen zeigten sich echte Verschiebungen in der Nachfrage. Einige große Hersteller von Silberschmuck wollten sich wegen Preis und Volatilität von Silber abwenden und stattdessen auf Alternativen wie platinbeschichteten Schmuck setzen.
Bild bei Edelmetallen insgesamt widersprüchlich
Gold leidet unter Zinssorgen und einer vorsichtigen Marktstimmung. Silber hat zwar weiterhin fundamentale Unterstützung, bekommt aber zunehmend Gegenwind durch hohe Preise und nachlassende Nachfrage in einzelnen Bereichen.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion
