Vom Sorgenkind zum Börsenstar

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    Griechenlands Rückkehr in den Club der Eliten

    Nach 14 Jahren Krise und gewaltigen Kursgewinnen in den letzten Jahren kehrt Griechenland in den Reigen der Industrienationen zurück. Ein Ritterschlag, der Milliarden an neuem Kapital freisetzen könnte.

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    Vom Sorgenkind zum Börsenstar - Griechenlands Rückkehr in den Club der Eliten

    Griechenlands Aktienmarkt hat eine Auferstehung hinter sich, die vor einem Jahrzehnt kaum jemand für möglich gehalten hätte. Wer am Tiefpunkt der Pandemie im März 2020 den Mut aufbrachte, in griechische Werte zu investieren, blickt heute auf einen Zuwachs von rund 312 Prozent. Damit hat das Land am Peloponnes fast alle etablierten Industrienationen abgehängt: Das ist fast das Doppelte des DAX-Gewinns und auch der S&P 500 in den USA hat in dem Zeitraum lediglich rund 174 Prozent zugelegt.

    Doch der eigentliche Paukenschlag folgte nun durch den Index-Anbieter MSCI: Ab Mai 2027 wird Griechenland offiziell wieder als Industrienation ("Developed Market") geführt. Das ist die finale Bestätigung einer Normalisierung nach einer Schuldenkrise, die 2009 begann und das Land zeitweise an den Rand des Euro-Austritts drängte. Für Investoren könnten sich interessante Chancen ergeben.

    Die Logik hinter dem Optimismus vieler Marktteilnehmer ist simpel, aber gewaltig. Bisher war Griechenland als Schwellenland ("Emerging Market") für viele sicherheitsorientierte Investoren tabu. Gigantische Pensionsfonds, Versicherungen und konservative Staatsfonds durften griechische Aktien aufgrund ihrer Statuten gar nicht oder nur sehr begrenzt anfassen. Schwellenländer gelten in deren Risikomodellen oft als zu volatil oder regulatorisch unsicher.

    Mit der Einstufung als Industrienation fällt diese Brandmauer. Griechenland wird für einen Kapitalstock investierbar, der laut Schätzungen weltweit über 18 Billionen US-Dollar umfasst, die MSCI-Indizes folgen. Auch wenn Griechenland in einem Weltindex nur einen kleinen Anteil ausmachen wird, ist dieser "Ozean an Kapital" so groß, dass bereits kleinste Umschichtungen ausreichen, um die Kurse in Athen weiter zu treiben.

    Die Fakten sehen gut aus: Die griechische Regierung hat Rettungskredite vorzeitig zurückgezahlt, die Banken sind wieder profitabel und privatisiert, und Unternehmen schütten nach Jahren der Dürre wieder Dividenden aus. Die Krise liegt in der Vergangenheit. Dafür gibt es umso mehr Aufholpotenzial. Griechenland ist nun der einzige Euro-Staat, der den Makel des Schwellenland-Status ablegt.

    Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Analysten von JPMorgan und Goldman Sachs mahnen zur Vorsicht. Als Schwellenland stand Griechenland im Rampenlicht spezialisierter Investoren. Im riesigen Universum der entwickelten Märkte könnte das Land zu einem "Zwerg" unter Riesen wie Deutschland oder Frankreich werden. Es besteht die Gefahr, dass die Analysten-Coverage sinkt, weil Griechenland innerhalb europäischer Sektoren nur ein minimales Gewicht hat. Zudem könnten passive ETFs, die Schwellenländer abbilden, gezwungen sein, ihre Bestände zu verkaufen, bevor die neuen Käufer aus dem Industrieländer-Lager voll zugreifen.

    Trotz dieser technischen Bedenken überwiegt das Signal der Stabilität. Griechenland hat bewiesen, dass Reformen und europäische Solidarität ein Land transformieren können. Für Anleger bedeutet das Upgrade vor allem, dass Griechenland kein riskantes Abenteuer mehr ist, sondern ein seriöser Baustein für diversifizierte Portfolios. Die "Normalisierung" ist abgeschlossen – und die Börse feiert den neuen, alten Status.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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