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Warum TUI-Anleger jetzt nervös werden sollten
Zwei TUI-Kreuzfahrtschiffe stecken im Persischen Golf fest, der Kurs ist abgestürzt – und das Sommergeschäft wackelt. Wie tief sitzt der Schaden wirklich?
- Zwei TUI-Schiffe im Persischen Golf blockiert
- Einmaleffekt 65 bis 70 Mio und Treibstoff 15 Mio
- Sommerbuchungen gedämpft, Rückkehr 4–5 Wochen
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Es ist keine einfache Zeit für Europas größten Reisekonzern TUI: Zwei Kreuzfahrtschiffe stecken im Persischen Golf fest, der Aktienkurs ist seit Februar um rund 450 Millionen Euro Marktkapitalisierung eingebrochen – und das Sommergeschäft steht unter geopolitischem Druck: Das Unternehmen kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig.
Konkret sind die Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 des Gemeinschaftsunternehmens TUI Cruises seit Ende Februar im Persischen Golf blockiert. Alle Fahrten beider Schiffe sind bis Anfang Mai abgesagt. Das Joint Venture selbst beziffert den finanziellen Schaden auf rund 65 bis 70 Millionen Euro netto – ein Einmaleffekt, der nach UBS-Berechnungen das TUI-Konzernergebnis im laufenden Geschäftsjahr um etwa fünf Prozent belasten dürfte. Hinzu kommen gestiegene Treibstoffkosten: Weil die Bunkerpreise gegenüber Jahresbeginn deutlich angezogen haben, erwartet UBS einen zusätzlichen Kraftstoffkosteneffekt von rund 15 Millionen Euro auf Jahresbasis für das Kreuzfahrt-Joint Venture.
Selbst wenn die Schiffe demnächst durch die Straße von Hormus ausfahren können – wofür ein kürzlich vereinbarter Waffenstillstand Hoffnung macht –, dürfte die Rückkehr in den Normalbetrieb Zeit kosten. UBS rechnet damit, dass vier bis fünf Wochen für die Neupositionierung der Schiffe auf anderen Routen nötig sein werden. Und weil Kreuzfahrten typischerweise sechs bis 18 Monate im Voraus gebucht werden, sind kurzfristige Preiserhöhungen auf Ausweichrouten kaum möglich – die meisten Plätze für das zweite und dritte Quartal sind bereits vergeben.
Das Umfeld für das Gesamtunternehmen bleibt schwierig. Das ifo-Institut meldete zuletzt einen deutlichen Stimmungseinbruch bei Reisebüros und Veranstaltern. Präsident des Deutschen Reiseverbands Albin Loidl sprach von einer "spürbaren Buchungszurückhaltung" – ohne dass die Nachfrage grundsätzlich wegbreche. Profiteure sind westliche Mittelmeer-Destinationen sowie die Kanaren und Balearen; TUI selbst beobachtet hingegen eine starke Zurückhaltung bei Türkei-Reisen und Verbindungen über die Golfstaaten.
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
UBS bewertet die TUI-Aktie unverändert mit Neutral und einem Kursziel von 9,60 Euro – gegenüber einem aktuellen Kurs von 7,18 Euro also erhebliches rechnerisches Aufwärtspotenzial. Doch angesichts der offenen Fragen zur Profitabilität im laufenden Jahr sehen die Analysten keinen Grund zur Eile: Zu viele Variablen hängen davon ab, wie schnell sich die Lage im Nahen Osten entspannt.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
