Börse
Krieg & Zahlen: Von Entspannung keine Spur
Die Erleichterung an den Börsen war groß: Der befristete Waffenstillstand zwischen den USA und führte zu einem Kursfeuerwerk. Der Ölpreis fiel, Aktien stiegen rasant. Doch heute sieht alles schon ganz anders aus.
- Markt erst erleichtert, Waffenstillstand gescheitert
- Transitgebühren durch IRGC treiben Ölpreis weiter
- Berichtssaison prüft Preissetzungsmacht und Nachfrage
Die Welt atmete (kurz) durch – Ölpreis bleibt hoch
Ob der japanische NIKKEI, der koreanische KOSPI, DAX oder S&P 500 – sie alle schossen geradezu nach oben. Schließlich erholte sich auch Gold um knapp vier Prozent. Die Erleichterung war überall zu spüren.
Doch: Wie lange hält dieser Waffenstillstand? Die Vereinbarung sah vor: die USA greifen keine Infrastruktur in Iran an, dafür wird die Straße von Hormus mit sofortiger Wirkung vollständig geöffnet. Doch die Gespräche sind gescheitert und von einer Öffnung der Meerenge kann nicht die Rede sein. So sitzen etwa immer noch sechs Schiffe der deutschen Reederei Hapag-Lloyd in der Straße von Hormus fest. Insgesamt liegen die Mehrkosten für die Reederei bei rund 60 Millionen Dollar pro Woche. Hinzu kommen stark gestiegene Versicherungsprämien: "Was wir vor dem Krieg für ein Jahr bezahlt haben, zahlen wir jetzt für eine Woche für Schiffe in den Kriegsgebieten", so das Unternehmen.
Reedereien in der Hormus-Klemme
Und das Research-Haus Gavekal berichtet von einer faktischen „Transitgebühr“ durch die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Demzufolge gewährt das IRGC den Schiffen „freundlicher“ Staaten nach Zahlung hoher Gebühren – teils bis zu zwei Millionen US‑Dollar pro Passage, abrechenbar in Renminbi oder Kryptowährungen – einen sicheren Transit, während andere Schiffe weiterhin Angriffen ausgesetzt sind. Für den Ölmarkt bedeutet die Gebühr rechnerisch einen Aufschlag von rund fünf US‑Dollar pro Barrel für Golf-Öl und etwa einen US‑Dollar pro Barrel auf die globalen Benchmarks. Zudem entstünde für die Revolutionsgarden ein potenzielles jährliches Zusatzeinkommen von bis zu 50 Milliarden US‑Dollar. Sprich: Der Ölpreis wird auch weiterhin hoch bleiben. Entspannung sieht anders aus. Das gilt auch für die Preise an unseren Tankstellen.
Qualitative Faktoren im Blick bei den anstehenden Quartalszahlen
Nun, die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sind zunächst einmal gescheitert. Und angesichts des wackeligen Waffenstillstands ist auch wieder Ernüchterung an den Märkten eingekehrt. Derweil müssen sich die Marktakteure auch auf die anstehende Berichtssaison vorbereiten. In dieser Woche fällt in den USA der Startschuss für die Vorlage der Quartalszahlen zu Q1. Bis Ende April werden Unternehmen, die rund zwei Drittel der Marktkapitalisierung des S&P 500 ausmachen, ihre Zahlen vorlegen. Analysten erwarten nach Berechnungen der Deutschen Bank im Schnitt ein Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahresquartal von rund neun Prozent sowie einen Gewinnanstieg von über 14 Prozent. Im Technologiesektor sollen die Gewinne um 46 Prozent zulegen und sich damit gegenüber den 34 Prozent im Vorquartal erneut beschleunigen. Weitere Unterstützung für die Indexgewinne sehen Analysten bei Roh- und Grundstoffunternehmen sowie Finanzinstituten. Entscheidend dürften in dieser Berichtssaison jedoch weniger die reinen Zahlen als der Umgang der Unternehmen mit dem deutlich gestiegenen Ölpreis sein. Entsprechend rücken Preissetzungsmacht, Nachfrageentwicklung und Kostenkontrolle in den Fokus. Dies gilt vor allem für energieintensive und zyklische Branchen. Gleichzeitig dürfte aufmerksam verfolgt werden, inwieweit Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz den Wachstumsausblick einzelner Unternehmen beeinflussen. Insgesamt stehen also qualitative Faktoren, sowie robuste Geschäftsmodelle und eine starke Marktposition im Vordergrund des Interesses.

