Earnings Preview
Iran-Krieg trifft auf US-Quartalssaison: Wie schlimm wird's jetzt?
Diese in den kommenden Tagen (KW16) anstehenden US-Quartalszahlen müssen Anlegerinnen und Anleger kennen: Herausforderungen, Erwartungen und die aktuell eingepreisten Kursreaktionen – alles auf einen Blick!
Montag, 13. April: Goldman Sachs
Traditionell eröffnet wird die US-Quartalssaison mit den Ergebnissen der Großbanken. Zwar macht die Investmentbank Goldman Sachs in dieser Ergebnisperiode den Anfang, doch am Dienstag und Mittwoch folgen zahlreiche weitere Finanzinstitute (siehe Tabelle unten).
Das gibt Anlegerinnen und Anlegern die Gelegenheit, sich früh ein recht vollständiges Bild gleich einer ganzen Branche und damit nicht zuletzt auch der Gesamtwirtschaft zu verschaffen, für welche die Finanzindustrie ein wichtiger Frühindikator ist. Für die Branche lief es am Aktienmarkt trotz stark gestiegener Anleiherenditen, welche höhere Zinserträge versprechen, zuletzt nicht gut.
Der vielbeachtete Branchen-ETF Financial Select Sector SPDR von ETF-Anbieter State Street verzeichnete seit dem Jahreswechsel Verluste in Höhe von rund 9 Prozent. Demgegenüber schlug sich Goldman Sachs mit einem Plus von 3,3 Prozent überdurchschnittlich gut – die Investmentbank hatte mir ihren Private-Credit-Fonds weniger Schwierigkeiten als der Rest der Branche.
Angesichts des zuletzt unverändert robusten Wirtschaftswachstums, hohen Realzinsen, einem Aufschwung bei Firmenübernahmen und IPOs sowie rekordhohen Notierungen dürfte das abgelaufene Quartal erneut erfolgreich verlaufen sein. Analystinnen und Analysten erwarten einen Anstieg der Erlöse von 12,0 Prozent auf 16,86 Milliarden US-Dollar. Das wäre das beste Ergebnis seit 5 Jahren. Nicht weniger wird mit 16,14 US-Dollar auch beim bereinigten Gewinn pro Aktie erwartet.
Mit Blick auf eine positive Kursreaktion liegt die Hürde hoch, denn die aktuelle Unternehmensbewertung liegt mit einem KGVe von 14,8 bereits um mehr als ein Viertel über dem 5-Jahres-Mittel von 11,7. Gegenüber dem Branchendurchschnitt wird Goldman Sachs sogar mit einem Aufschlag von über 45 Prozent gehandelt.
Optionshändlerinnen und -händler wetten mit großer Mehrheit auf eine Bewegung zur Oberseite, 64,7 Prozent der am kommenden Freitag verfallenden Optionskontrakte liegen auf der Call-Seite, denen ein Put-Anteil von 35,3 Prozent gegenübersteht. Eingepreist ist eine Bewegung um bis zu 4,6 Prozent. Das stellt gegenüber den Quartalen zuvor einen überdurchschnittlich hohen Wert dar.
Dienstag, 14. April: BlackRock
Zu den vielen Finanzwerten, welche in den kommenden Tagen ihre Bücher öffnen, gehört auch der nach verwaltetem Vermögen größte Finanzdienstleister der Welt BlackRock. Dieser dürfte angesichts von Rekordnotierungen an den weltweiten Aktienmärkten (zumindest vor dem Beginn des Iran-Krieges) erneut ein hervorragendes Ergebnis eingefahren haben.
Dementsprechend hoch liegen die Erwartungen der Expertinnen und Experten. Für den Umsatz wird mit einem Plus von 24,1 Prozent auf 6,55 Milliarden US-Dollar erwartet nach 5,28 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Nach einer Reihe von Preissenkungen bei seinen ETFs dürfte BlackRock bei Ertrag jedoch nur unterproportional um 4,9 Prozent auf 11,85 US-Dollar pro Aktie zugelegt haben.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung am Gesamtmarkt könnten die Assets under Custody (AUC), also die von BlackRock verwalteten Mittel, sowie deren Zuflüsse Auskünfte liefern. Sollten sich diese langsamer als in den Quartalen zuvor entwickelt haben, wäre das ein Indiz für eine nachlassende Kauflaune von Anlegerinnen und Anlegern. In der Vergangenheit haben sinkende Mittelzuflüsse große Tops am Aktienmarkt recht zuverlässig vorhergesagt. Gerade vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten könnten die AUCs von BlackRock ein Schlaglicht darauf werfen, wie viel Geld Haushalten unter dem Strich noch für Investments am Kapitalmarkt übrig bleibt.
Noch größerer Optimismus als gegenüber dem Zahlenwerk von Goldman Sachs herrscht bei BlackRock. Hier steht ein Call-Anteil von 71,9 Prozent einer Put-Qute von 28,1 Prozent gegenüber. Gerechnet werden muss mit einer Kursbewegung um bis zu 4,4 Prozent.
Mittwoch, 15. April: ASML
Gleich in der ersten Woche der neuen Berichtssaison wartet mit Ausrüster ASML ein Highlight aus der Halbleiterindustrie, welche als Mittelpunkt des KI-Booms die vergangenen drei Börsenjahre wesentlich mitbestimmt hat. Grundsätzlich verfügt der niederländische Technologiekonzern über ein hervorragendes Setup, da er die Belichtungsmaschinen für die gegenwärtig leistungsfähigsten Halbleiter entwickelt und herstellt und damit über ein Angebotsmonopol gegenüber Auftragsfertigern wie Intel, Samsung und Taiwan Semiconductor verfügt.
Genau das macht den Konzern aber auch stark zyklusabhängig und zum Vorboten von Entwicklungen auf dem Halbleitermarkt. Ähnlich wie Samsung und Taiwan Semiconductor kommen den Zahlen und dem Ausblick von ASML daher Symbolwirkung für die gesamte Branche zu.
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung liegt die Hürde für weiter steigende Kurse der Aktie, welche gegenüber dem Stand vor einem Jahr mehr als 120 Prozent an Wert gewonnen hat, hoch. Das KGVe 2026 liegt mit 37,8 bereits geringfügig über dem 5-Jahres-Durchschnitt von 37,6. Auch bei anderen Kennziffern ergibt sich gegenüber der historischen Norm ein Bewertungsaufschlag im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Für eine positive Kursreaktion dürfte ASML daher ein Beat-and-Raise-Quarter vorlegen müssen.
Von Analystinnen und Analysten wird ein Umsatzergebnis von 10,1 Milliarden US-Dollar (+14,6 Prozent) erwartet. Das läge zwar deutlich unter den 11,61 Milliarden US-Dollar aus dem Vorquartal, was aber dem Quartalszyklus entspricht. Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll mit 7,75 US-Dollar um 13,5 Prozent über dem Vorjahreswert liegen.
Nach dem starken Kursanstieg der vergangenen 12 Monate hat sich eine Mehrheit der Händlerinnen und Händler am Optionsmarkt gegen fallende Kurse abgesichert, die Put-Qopte liegt mit 65,4 Prozent weit über dem Call-Anteil von 34,6 Prozent. Das hat Folgen für die implizite Volatilität, sodass eine Kursreaktion von 7,5 Prozent eingepreist ist – ein überdurchschnittlich hoher Wert.
Donnerstag, 16. April: PepsiCo
Konsumgüteraktien werden von Anlegerinnen und Anlegern in Krisenzeiten eigentlich als defensive Werte geschätzt. In den vergangenen Wochen konnte die Aktie des Erzrivalen von Coca-Cola aber nicht von der Krisenstimmung profitieren. Auch die Anteile von PepsiCo gerieten unter Druck und korrigierten zweistellig – zugegeben, nachdem sie trotz des herausfordernden Umfelds für Verbraucherinnen und Verbraucher einen fulminanten Start in das Börsenjahr erwischt hatten.
Nach einer rund zweieinhalb Jahre andauernden Wachstumsflaute überraschte PepsiCo, der neben Erfrischungsgetränken auch ein umfangreiches Portfolio an Snacks anbietet, mit einer Wachstumsbeschleunigung. Ein Umsatzplus von 5,6 Prozent bedeutete die größte Steigerung seit 10 Quartalen. An der Wall Street wird fest mit einer Wiederholung dieses Coups und einem Wachstum um 5,6 Prozent auf 18,93 Milliarden US-Dollar gerechnet. Ein solcher dürfte die Voraussetzung für das Ende der laufenden Korrektur der Aktie bedeuten.
Ertragsseitig wird mit einem Gewinnwachstum von 4,1 Prozent von 1,48 auf 1,54 US-Dollar je Aktie gerechnet. Herausforderungen hierfür sind neben zurückhaltenden Verbraucherinnen und Verbraucher auch gestiegene Input-Kosten und Belastungen durch die US-Zollpolitik. Insbesondere die zuletzt gestiegenen Preise für Agrarrohstoffe, wie Zucker, könnten für einen Ausblick unter den Erwartungen und damit Gegenwind für die Aktie sorgen. Gleichzeitig könnte die im kommenden Quartal anstehende Fußball-WM einen Wachstumsbeschleuniger und weiteren Rückenwind darstellen.
Am Optionsmarkt überwiegen aktuell die optimistischen Einschätzungen, sodass es die Aktie auf eine Call-Quote von 59,7 Prozent bringt. PepsiCo handelt als defensiver Basiswert überlichweise mit nur geringer Schwankungsbreite, der Wert von aktuell ±4,3 Prozent stellt daher eine Ausnahme dar.
Donnerstag, 16. April: Netflix
Die Erleichterung über die geplatzte Übernahme von Warner Bros. Discovery hätte unter Anlegerinnen und Anlegern kaum größer ausfallen können. Nachdem die Aktie wochen- und monatelang stark, zeitweise sogar crashartig korrigierte, sorgte der Rückzug aus dem Bietergefecht für einen kräftigen Kursanstieg. Zuletzt konnte Netflix sogar in die Dreistelligkeit zurückkehren.
Damit richtet sich der Fokus wieder darauf, was der führende Streaming-Anbieter aus eigener Kraft an Wachstum auf die Beine stellen kann. Zuletzt erhöhte Netflix zwar seine Abonnement-Preise und verstärkte seine Werbetätigkeit, hatte gleichzeitig aber mit sinkenden Abrufzahlen und einem Rückgang der Nutzungsdauer zu kämpfen. Deshalb soll jetzt unter anderem ähnlich der lange angekündigte Schritt ins Mobile Gaming erfolgen. Erst vor wenigen Tag hat der Konzern seine Plattform Netflix Playground vorgestellt.
Neben der Frage nach neuen Wachstumsinitiativen wollen Investoren auch wissen, welche Pläne Netflix nach der abgesagten Mega-Übernahme für seine Kapitalverwendung verfolgt. Gegenwärtig sitzt das Unternehmen auf einer üppigen Barreserve von rund 9 Milliarden US-Dollar, dazu kommt ein freier Cashflow von fast 25 Milliarden US-Dollar im vergangenen Geschäftsjahr. Das bietet grundsätzlich großen Spielraum für Aktienrückkäufe, wonach die Stimmen zuletzt lauter geworden sind. In Verbindung mit einem starken Quartalsergebnis könnte deren Ankündigung zur Fortsetzung der jüngsten Erholungsrallye beitragen.
Von Analystinnen und Analysten gefordert ist ein Umsatzergebnis in Höhe von 12,17 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) soll sich auf 0,77 US-Dollar belaufen. Das würde gegenüber dem Vorjahresquartal Steigerungen von 15,5 beziehungsweise 16,7 Prozent bedeuten.
Die Netflix-Aktie hat sich in den vergangenen Wochen stark erholen können, deshalb überwiegt jetzt mit einem Put-Anteil von 51,9 Prozent knapp das Absicherungsbedürfnis gegenüber fallenden Kursen. Gerechnet werden muss hier mit einer Bewegung um bis zu 6,7 Prozent. Das liegt deutlich unter dem Erwartungswert der vergangenen Quartale.
Weitere nennenswerte US-, China-ADR-Quartalszahlen:
| Wert | Datum | Zeit | erw. EPS | erw. Umsatz | erw. Kursbew. | Börsenwert |
| Fastenal | Mo., 13.04. | Vorbörse | 0,30 $ | 2,19 Mrd. $ | ± 5,0 % | 56,4 Mrd. $ |
| Sify Tech. | Mo., 13.04. | Vorbörse | 0,00 $ | 180,2 Mio. $ | ± 16,3 % | 6,0 Mrd. $ |
| JP Morgan | Di., 14.04. | Vorbörse | 5,49 $ | 48,91 Mrd. $ | ± 3,9 % | 835,5 Mrd. $ |
| Johnson &. J. | Di., 14.04. | Vorbörse | 2,67 $ | 23,60 Mrd. $ | ± 3,7 % | 547,2 Mrd. $ |
| Wells Fargo | Di., 14.04. | Vorbörse | 1,59 $ | 21,79 Mrd. $ | ± 4,7 % | 262,6 Mrd. $ |
| Citigroup | Di., 14.04. | Vorbörse | 2,62 $ | 23,56 Mrd. $ | ± 4,4 % | 217,6 Mrd. $ |
| MGM Resorts | Di., 14.04. | Vorbörse | 0,54 $ | 4,38 Mrd. $ | ± 4,1 % | 9,5 Mrd. $ |
| CarMax | Di., 14.04. | Vorbörse | 0,21 $ | 5,70 Mrd. $ | ± 10,4 % | 6,6 Mrd. $ |
| Bank of America | Mi., 15.04. | Vorbörse | 1,01 $ | 29,94 Mrd. $ | ± 4,1 % | 375,4 Mrd. $ |
| Morgan Stanley | Mi., 15.04. | Vorbörse | 3,02 $ | 19,70 Mrd. $ | ± 4,5 % | 282,1 Mrd. $ |
| Progressive | Mi., 15.04. | Vorbörse | 4,85 $ | 23,20 Mrd. $ | ± 4,2 % | 113,6 Mrd. $ |
| PNC Financial | Mi., 15.04. | Vorbörse | 4,15 $ | 6,22 Mrd. $ | ± 4,3 % | 89,4 Mrd. $ |
| J.B. Hunt | Mi., 15.04. | Nachbörse | 1,44 $ | 2,95 Mrd. $ | ± 6,3 % | 21,5 Mrd. $ |
| TSMC | Do., 16.04. | Vorbörse | 3,31 $ | 35,24 Mrd. $ | ± 5,7 % | 1,9 Mrd. $ |
| Abbott Labs. | Do., 16.04. | Vorbörse | 1,15 $ | 11,00 Mrd. $ | ± 4,8 % | 174,3 Mrd. $ |
| Charles Schwab | Do., 16.04. | Vorbörse | 1,38 $ | 6,48 Mrd. $ | ± 5,1 % | 168,5 Mrd. $ |
| Prologis | Do., 16.04. | Vorbörse | 1,49 $ ** | 2,12 Mrd. $ | ± 3,8 % | 127,9 Mrd. $ |
| U.S. Bancorp | Do., 16.04. | Vorbörse | 1,14 $ | 7,28 Mrd. $ | ± 4,2 % | 86,5 Mrd. $ |
| Travelers | Do., 16.04. | Vorbörse | 6,97 $ | 11,11 Mrd. $ | ± 4,2 % | 64,3 Mrd. $ |
| Alcoa | Do., 16.04. | Nachbörse | 1,43 $ | 3,29 Mrd. $ | ± 8,5 % | 19,3 Mrd. $ |
| JinkoSolar | Do., 16.04. | Vorbörse | 0,06 $ | 2,36 Mrd. $ | ± 10,5 % | 1,2 Mrd. $ |
| Truist Financial | Fr., 17.04. | Vorbörse | 1,00 $ | 5,18 Mrd. $ | ± 4,3 % | 62,6 Mrd. $ |
| Fifth Third Banc. | Fr., 17.04. | Vorbörse | 0,83 $ | 2,84 Mrd. $ | ± 4,4 % | 44,4 Mrd. $ |
| State Street | Fr., 17.04. | Vorbörse | 2,64 $ | 3,69 Mrd. $ | ± 4,4 % | 38,9 Mrd. $ |
* Earnings per Share / Gewinn pro Aktie (Non-GAAP, bereinigt)
** Immobilieninvestitionsfonds (REIT), daher Funds from Operations (FFO) statt EPS
Stand: Sonntag, 12. April, 13:00 Uhr (MESZ)
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

