Iran-Schock trifft Europa
Strom und Gas im Dauerhoch? Diese Warnungen lassen aufhorchen
Iran-Konflikt, teures Gas, teurer Strom: E.ON schlägt Alarm. Auch die EU und große Marktakteure erwarten keine schnelle Entspannung.
- E.ON erwartet langfristig hohe Strom und Gaspreise
- EU und Marktakteure erwarten anhaltende Auswirkungen
- IWF, Weltbank und Banken senken Wachstum und warnen
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E.ON rechnet aufgrund des Iran-Konflikts mit langfristig anhaltend hohen Strom- und Gaspreisen, wie die dpa berichtet. "Das Preisniveau vor dem Iran-Konflikt wird so schnell nicht wieder erreicht werden", sagte Filip Thon, Vorstandsvorsitzender der E.ON-Tochter E.ON Energie Deutschland, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.
Er geht davon aus, dass die Preise "noch einige Zeit" über dem Vorkrisenniveau bleiben werden, und verweist auf deutlich gestiegene Beschaffungskosten. Er ergänzte: "Auf den Großhandelsmärkten sind die Gaspreise im laufenden Jahr zeitweise um 75 Prozent gestiegen, während die Strompreise um 35 Prozent zugelegt haben. Für das kommende Jahr wurden bereits Großhandelspreiserhöhungen von 60 Prozent für Gas und 20 Prozent für Strom prognostiziert."
Mit zwölf Millionen Strom- und zwei Millionen Gaslieferverträgen im Inland, ist E.ON Deutschlands größter Energieversorger. Zudem ist das Unternehmen über seine zahlreichen Tochtergesellschaften auch Deutschlands größter Stromverteilnetzbetreiber und deckt rund ein Drittel des gesamten Stromnetzes ab.
Auch die EU-Kommission sprach Ende vergangener Woche davon, dass mit länger anhaltenden Auswirkungen der Iran-Krise auf den Gasmarkt gerechnet werden muss. Ein EU-Beamter sagte nach einer Sitzung der Gas Coordination Group, es gebe zwar aktuell kein akutes Versorgungsrisiko, man erwarte aber einen langfristigen Effekt und müsse sich auf den Winter vorbereiten.
J.P. Morgan sieht den Preisdruck ebenfalls nicht nur als kurzen Spike: Laut Reuters könnten die Ölpreise kurzfristig auf 120 bis 130 US-Dollar steigen, im Extremfall sogar über 150 US-Dollar, falls die Störungen in der Straße von Hormus anhalten. Im Basisszenario der Bank sollen die Preise im 2. Quartal über 100 US-Dollar je Barrel bleiben.
Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hat sich ebenfalls in diese Richtung geäußert. Reuters berichtete am 9. April, OMV rechne damit, dass höhere Energiepreise Belastungen aus dem Iran-Krieg zumindest teilweise ausgleichen. OMV verwies dabei selbst auf bereits gestiegene Durchschnittspreise im 1. Quartal, darunter höhere Erdgaspreise.
Auf der makroökonomischen Ebene warnen IMF und Weltbank ebenfalls vor anhaltenden Folgen. Reuters berichtete, die beiden Institutionen hätten ihre Wachstumsprognosen gesenkt und die Inflationsrisiken erhöht; bei längerem Fortbestand des Konflikts drohten noch stärkere Belastungen.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
