Verluste halten an
SAP-Aktie: Wie viel tiefer denn noch?
Auch in die neue Handelswoche startet die SAP-Aktie mit Verlusten. Aus charttechnischer Perspektive ist ein Ende des Crashs noch nicht abzusehen.
- SAP-Aktie seit Jahreswechsel deutlich gefallen
- Technische Indikatoren bestätigen intakten Abwärtstrend
- Weitere Verluste bis 120–125 Euro werden erwartet
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Iran-Konflikt belastet: SAP verliert erneut an Boden
Die Verlustserie der SAP-Aktie reißt nicht ab. Nachdem die Anteile allein in der vergangenen Woche knapp 7 Prozent an Wert eingebüßt haben, belaufen sich die Abgaben seit dem Jahreswechsel bereits auf 33 Prozent. Angesichts der anhaltenden KI-Panik in der Softwarebranche verpasste es SAP, an der Gesamtmarkterholung nach der zwischenzeitlichen Entspannung im Iran-Konflikt teilzuhaben.
Am Montagmorgen wurde das Papier erneut mit Verlusten gehandelt, nachdem die Friedensverhandlungen in Islamabad ergebnislos endeten und der erneute Ölpreisanstieg für ein Aufflammen der Inflations- und Rezessionsängste sorgte. Vom erst am Donnerstag erzielten neuen Mehrjahrestief trennt die Aktie nur rund 1 Prozent.
Sind weitere Verluste fest einzuplanen?
Während es also jederzeit zum nächsten Verkaufssignal kommen kann, sind die Erholungschancen der Aktie begrenzt. Wer investiert ist, muss aktuell mit weiteren Abgaben rechnen, während sich an einem Einstieg interessierte Anlegerinnen und Anleger gedulden sollten. Dazu der Blick in den Chart:
Aktie inzwischen mehr als halbiert
Gegenüber ihrem im Februar vergangenen Jahres erzielten Allzeithoch befindet sich die SAP-Aktie in einem dynamischen Abwärtstrend, der sich nach dem Jahreswechsel mit dem Beginn der Panik im Software-Sektor sowie dem als enttäuschend empfundenen Geschäftsausblick für 2026 beschleunigt hat. Zuletzt wurde die rund 2 Jahre alte, bei 150 Euro noch offene Kurslücke geschlossen.
Die Hoffnungen auf eine Gegenbewegung nach dem Gap-Close haben sich angesichts der schwachen technischen Indikatoren aber nicht erfüllt. Sowohl der Relative-Stärke-Index (RSI) als auch der Trendstärkeindikator MACD begleiten den Abwärtstrend der Aktie und verleihen im somit Nachhaltigkeit. Fehlsignale sind bislang ausgeschlossen.
SAP nimmt bereits Kurs auf neue Tiefs
Zwischen der bei 150 Euro liegenden, bereits aber unterschrittenen Unterstützung sowie dem nächsten Supportbereich zwischen 120 und 125 Euro liegen keine nennenswerten Unterstützungen mehr. Daher muss mit weiteren Verlusten bis mindestens in diese Zone gerechnet werden, da der MACD weit unter der Nulllinie liegend, einen ebenso intakten wie dynamischen Abwärtstrend anzeigt.
Der RSI liegt zwar tief im überverkauften Bereich, was einerseits für steigende Chancen auf eine zumindest kurzfristige Erholung schürt, Rückenwind für eine solche liefert er damit allerdings auch keinen. Die kurzfristigen bullishen Divergenzen sowohl im RSI als auch im MACD dürften unterdessen kaum genügen, bereits eine Trendwende zu erzwingen.
Erholung dürfte auf zahlreiche Schwierigkeiten stoßen
Während in den kommenden Tagen und Wochen mit weiteren Verlusten von 12 bis 15 Prozent gerechnet werden muss, sind die Chancen zur Oberseite damit begrenzt. Bereits 150 Euro könnten das Ende eines Rebounds bedeuten, da hier neben der nun als Widerstand fungierenden alten Unterstützung auch die Oberkante des beschleunigten Abwärtstrends liegt.
Prozyklische Kaufsignale, wie sie oberhalb der 50-Tage-Linie bei 162,45 Euro oder der Rückkehr in den flacheren der beiden Abwärtstrendkanäle vorliegen würden, sind mit Blick auf die schwachen technischen Indikatoren hingegen nicht zu erwarten. Hierfür bräuchte es ein externes, bislang nicht eingepreistes Ereignis, wie besser als erwartete Geschäftszahlen oder ein Ende des branchenweiten Abverkaufs in der Software-Branche.
Fazit: Neubewertung mit offenem Ausgang
Ein solcher ist jedoch noch nicht abzusehen, da neue leistungsfähige KI-Modelle wie von Anthropic das Geschäftsmodell und die finanzielle Visibilität von Softwareunternehmen infrage stellen. Die Transformation von Pay-per-Seat zu einem volumenbasierten Abrechnungsmodell bedeutet eine Disruption des in den vergangenen Jahren zuverlässigen Unternehmenswachstums auch von SAP.
Hier läuft also eine Neubewertung mit offenem Ausgang. Deshalb können zur Bestimmung des Erholungspotenzials auch keine Vergleiche mit der historischen Norm mehr herangezogen werden, die eine deutliche Unterbewertung von Aktien wie SAP, Microsoft und ServiceNow darlegen würden.
Wer investiert ist, muss daher sowohl aus fundamentalen als auch aus technischen Gründen mit weiteren Verlusten rechnen. Anlegerinnen und Anleger, die trotz der laufenden Neubewertung einsteigen wollen, sollten zumindest eine mehrwöchige Bodenbildung abwarten.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


