Verlierer des Tages
Sell-Rating und Kursziel-Crash: UBS zerpflückt Nemetscheks Wachstumsstory
Ein Downgrade der Schweizer UBS reißt die Aktie von Bau-Software-Konzern Nemetschek am Montag herunter. Seit dem vergangenen Sommer hat sich der Kurs mehr als halbiert. GIbt es noch Hoffnung?
- UBS stuft Nemetschek ab und senkt Kursziel deutlich
- Mehrjährige Verträge blasen Umsatz 2025 künstlich auf
- KI native Wettbewerber drängen in Bausoftwaremarkt
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Nemetschek steht vor einem Wachstumsproblem, das die Analysten der Schweizer Großbank UBS lange unterschätzt sehen: Mehrjährige Softwareverträge haben den Umsatz des Münchener Bausoftware-Spezialisten 2025 um rund 19 Millionen Euro künstlich aufgebläht. Doch dieser Effekt kehrt sich nun um. UBS stuft die Aktie von Neutral auf Sell herab und senkt das Kursziel drastisch von 76 auf 56 Euro.
Die MDAX-Aktie geriet zum Wochenstart kräftig unter die Räder und steht mit einem Minus von knapp 6 Prozent am Schluss des Nebenwerte-Index.
Das Geschäftsmodell hinter dem Problem ist technisch, aber folgenreich: Wenn Nemetschek einen Kunden von einem Jahresvertrag auf einen Dreijahresvertrag umstellt, darf das Unternehmen nach Bilanzierungsregeln einen erheblichen Teil des Gesamtumsatzes sofort in der Gewinn-und-Verlustrechnung verbuchen anstatt ihn über drei Jahre zu verteilen.
Im vergangenen Jahr trieb dieser Effekt das Wachstum in der wichtigen Design-Sparte um knapp 400 Basispunkte nach oben. Ab diesem Jahr dreht sich der Wind: Dieselben Verträge liefern nur noch laufende Wartungserlöse. UBS schätzt, dass aus einem Umsatzbeitrag von rund 43 Millionen Euro im Erstjahr im Folgejahr gerade noch 13 Millionen werden – ein Rückgang, der kompensiert werden muss.
Besonders brisant: Die Offenlegung dieser Effekte war nach UBS-Einschätzung lückenhaft. Erst im Jahresbericht 2025 gab Nemetschek erstmals an, dass vertraglich gebundene, aber noch nicht fällige Leistungsverpflichtungen zum Jahresende bei knapp 70 Millionen Euro lagen, nach 42 Millionen ein Jahr zuvor.
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
Für das laufende Geschäftsjahr senken die Analysten ihre Wachstumsprognose für das Design-Segment von neun auf fünf Prozent. Das Gesamtwachstum des Konzerns dürfte mit zwölf Prozent unterhalb der eigenen Unternehmenszielvorgabe von 14 bis 15 Prozent landen. Beim bereinigten Gewinn je Aktie für die Jahre 2026 bis 2028 liegen die neuen UBS-Schätzungen vier bis fünf Prozent unter den vorherigen Werten – und bis zu elf Prozent unter dem Marktkonsens.
Hinzu kommt ein struktureller Gegenwind: KI-native Wettbewerber drängen in den Markt für Architektur- und Bausoftware. Nemetschek reagiert mit Zukäufen – zuletzt für rund 60 Millionen Euro für ein KI-Unternehmen mit weniger als zwei Millionen Euro Jahresumsatz.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
Die Nemetschek Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -4,88 % und einem Kurs von 58,50EUR auf Tradegate (13. April 2026, 11:29 Uhr) gehandelt.
