Pekings Wirtschaft legt zu
Chinas Wachstum überrascht – doch der Öl-Schock kommt erst noch
Chinas Wirtschaft dürfte stärker ins Jahr gestartet sein. Doch steigende Ölpreise, schwache Nachfrage und Risiken für den Welthandel werfen schon den nächsten Schatten auf den Aufschwung.
- Starkes erstes Quartal aber Energie drückt
- Steigende Ölpreise belasten Margen und Kosten
- Schwache Binnennachfrage trotz lockerer Politik
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Nach einer Reuters-Umfrage unter 50 Ökonomen wird für das erste Quartal ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet. Das wäre mehr als im Schlussquartal 2025, als die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nur um 4,5 Prozent gewachsen war.
Die Erholung dürfte aber nicht lange an Schwung gewinnen. Für das zweite Quartal rechnen die befragten Ökonomen nur noch mit 4,7 Prozent Wachstum. Für das Gesamtjahr 2026 liegt die Medianprognose bei 4,6 Prozent, nach 5,0 Prozent im Vorjahr. Damit bewegt sich die Erwartung zwar noch in der Nähe des offiziellen Ziels von 4,5 bis 5,0 Prozent. Der Gegenwind nimmt aber zu.
Reuters zufolge halfen zuletzt vor allem solide Exporte. Gleichzeitig warnen Ökonomen, dass der Krieg im Nahen Osten die Aussichten im weiteren Jahresverlauf eintrüben könnte. Höhere Ölpreise treiben die Kosten der Unternehmen nach oben und drücken auf die Margen. Hinzu kommt, dass die Binnennachfrage in China schwach bleibt. Sollte sich der Konflikt hinziehen, könnte auch die Auslandsnachfrage leiden und damit eine wichtige Stütze der Wirtschaft wegbrechen.
Die Analysten von Morgan Stanley sehen China im Vergleich zu anderen Netto-Ölimporteuren zwar besser aufgestellt. Das Land profitiere von hohen Ölreserven, einem breiten Energiemix und strengen Preiskontrollen. Dennoch warnen sie:
"Höhere Ölpreise würden Chinas Wirtschaft durch einen Schock bei den Terms of Trade und eine Margenverengung im nachgelagerten Bereich treffen."
Erste Belastungsspuren
Reuters zufolge dürften die anstehenden März-Daten eine Abschwächung des Exportwachstums zeigen. Zudem stiegen die chinesischen Erzeugerpreise im März erstmals seit mehr als drei Jahren. Das gilt als frühes Signal dafür, dass der über Energiepreise importierte Kostendruck nun tiefer in die Wirtschaft einsickert.
Peking hält dennoch an einem stützenden Kurs fest. Die Regierung hat für 2026 ein Haushaltsdefizit von rund 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angesetzt und umfangreiche Anleiheemissionen angekündigt. Die Zentralbank will ihre Politik locker halten. Der Spielraum für Zinssenkungen ist wegen der steigenden Inflation allerdings begrenzt.
Reuters zufolge erwarten Analysten, dass der Leitzins für einjährige Kredite bis Ende 2026 unverändert bleibt. Stattdessen dürfte die Mindestreserveanforderung für Banken im dritten Quartal um 20 Basispunkte sinken.
Die Société Générale sieht in einem starken ersten Quartal sogar einen Grund für politische Zurückhaltung. Die Analysten schreiben, ein solider Jahresauftakt könnte den Entscheidungsträgern Spielraum geben, bei der Politbüro-Sitzung Ende April vorerst auf größere Konjunkturmaßnahmen zu verzichten, obwohl die Risiken durch den Nahen Osten gestiegen sind.
Wenli Zheng, Portfoliomanager bei T. Rowe Price, bleibt für China trotz der jüngsten Nervosität konstruktiv. Kurzfristige Schwankungen änderten nichts an den mittel- bis langfristigen Anlageargumenten, betont er.
Aus seiner Sicht tritt China in die Anfangsphase eines neuen Konjunkturzyklus ein, in dem Technologie und Konsum die wichtigsten Wachstumstreiber sein dürften. Chancen sieht er vor allem bei ausgewählten Konsumplattformen, bei Hardware-Titeln rund um künstliche Intelligenz sowie in traditionellen Branchen mit begrenztem Kapazitätsausbau und stabiler Nachfrage.
Unter dem Strich bleibt das Bild damit gemischt. China dürfte das erste Quartal ordentlich abgeschlossen haben. Doch steigende Energiepreise, schwache Inlandsnachfrage und Risiken für den Welthandel könnten die Erholung im weiteren Jahresverlauf deutlich abbremsen.
Autor: Nicolas Ebert, wallstreetONLINE Redaktion

