Aktie im Kurskeller
Die LVMH-Aktie ist günstig – aber wie günstig ist günstig genug?
LVMH meldet schwache Mode-Zahlen und einen Nahost-Schock – doch Chinas Comeback gibt Hoffnung. Warum Analysten die Aktie trotzdem klar zum Kauf empfehlen.
- LVMH organisches Umsatzwachstum von einem Prozent
- Mode und Lederwaren schrumpfen um zwei Prozent
- Aktie bewertet deutlich am unteren historischen Ende
- Report: Vergessen Sie Gold, Silber und Öl: Nächste Megarallye startet!
Der Luxusgüterkonzern LVMH hat das erste Quartal 2026 mit einem organischen Umsatzwachstum von einem Prozent abgeschlossen – ein Ergebnis, das die Erwartungen der Analysten zwar grob trifft, aber die Schwäche des wichtigsten Geschäftsbereichs nicht verbergen kann.
Die Sparte Mode & Lederwaren, die Marken wie Louis Vuitton und Dior bündelt, schrumpfte um zwei Prozent. Grund: Der Konflikt im Nahen Osten hat die Nachfrage der Kundschaft aus der Region einbrechen lassen – laut BofA-Analysten ein negativer Effekt von einem Prozentpunkt auf Konzernebene, bei Mode & Lederwaren sogar etwas stärker.
Der Gesamtumsatz lag bei rund 19,1 Milliarden Euro – rund zwei Prozent unter dem Marktkonsens. Währungseffekte belasteten das berichtete Wachstum zusätzlich mit etwa sieben Prozentpunkten.
Die LVMH-Aktie startete mit Verlusten in den Handel am Dienstag, gegen Mittag können die Papiere allerdings einen Großteil der Einbußen wieder aufholen. Seit Jahresanfang ist die Luxus-Aktie um rund 25 Prozent eingebrochen.
Umso mehr stürzen sich Anleger jetzt auf positive Nachrichten: Chinesische Kunden kauften im Quartal so viel wie seit Längerem nicht mehr – auf lokaler Basis sogar leicht positiv, während das Touristengeschäft weiter schwächelt. Auch die amerikanische Kundschaft drehte nach negativem Vorquartal ins Plus. UBS-Analystin Zuzanna Pusz hält fest, dass sich das operative Geschäft in nahezu allen Kundensegmenten gegenüber dem Vorquartal verbessert habe – mit Ausnahme der Nahost-Klientel.
Für das Gesamtjahr rechnen die UBS-Analysten mit einem Umsatz von gut 81 Milliarden Euro und einem bereinigten Gewinn je Aktie von rund 22 Euro – Schätzungen, die sie nach den Q1-Zahlen wegen des anhaltenden Nahost-Drucks um etwa drei Prozent nach unten korrigierten.
Die Bewertung der Aktie bleibt das zentrale Argument beider Häuser für ihre Kaufempfehlung. LVMH handelt derzeit auf dem unteren Ende seiner historischen Bewertungsspanne, etwa beim Zwanzigfachen des erwarteten Jahresgewinns 2026. BofA sieht den fairen Wert bei 675 Euro, UBS etwas konservativer bei 640 Euro – beide deutlich über dem aktuellen Kurs von rund 482 Euro. BofA begründet das mit der Portfoliostärke des Konzerns: LVMH schlage "eine einzigartige Balance zwischen starker Cashgenerierung und strukturellem Wachstum."
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
