Aluminium-Boom
Wie China vom Nahost-Konflikt profitiert
Während der Iran-Krieg die globalen Lieferketten kappt, springt China als Retter in der Not ein. Rekordexporte und sprudelnde Gewinne für Pekings Schmelzen zeichnen sich ab.
- China füllt Aluminium-Engpass durch Rekordexporte
- Nahost-Konflikt stoppt 9 Prozent des Aluhandels
- Chinas Schmelzen erzielen Margen nahe Allzeithoch
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In der globalen Metallindustrie verschieben sich die Machtverhältnisse im Eiltempo. Während der Konflikt im Iran bereits seit sieben Wochen schwelt und die wichtige Versorgungsroute am Persischen Golf blockiert, kristallisiert sich ein klarer Gewinner heraus: die Volksrepublik China.
Die Region rund um den Persischen Golf ist für etwa 9 Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion verantwortlich. Durch die kriegsbedingten Störungen ist dieser Nachschub fast vollständig zum Erliegen gekommen. Für internationale Einkäufer, die händeringend nach Alternativen suchen, führt kein Weg an China vorbei – dem ohnehin größten Produzenten des Planeten.
Die Auswirkungen sind bereits in den Handelsstatistiken ablesbar. Im März stiegen die Alu-Exporte Chinas bereits um 13 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 485.000 Tonnen. Im ersten Quartal insgesamt wurden 1,46 Millionen Tonnen Aluminium exportiert, ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Und für das Gesamtjahr sehen die Erwartungen ebenfalls sehr gut für Chinas Schmelzhütten aus. Analysten von Aladdiny erwarten, dass die Jahresexporte die Rekordmarke von 6,7 Millionen Tonnen aus dem Jahr 2024 erreichen oder sogar übertreffen könnten.
Für Chinas Aluminiumriesen wie die Aluminum Corp. of China Ltd. (Chalco) kommt der Exportboom zum perfekten Zeitpunkt. Während die heimische Konjunktur lahmt und die Lagerbestände auf ein Sechsjahreshoch geklettert sind, saugt der Weltmarkt das Überangebot förmlich auf.
Die Preisdifferenz (Premium) zwischen dem Weltmarkt und den chinesischen Inlandspreisen ist so hoch wie seit 2022 nicht mehr. Dies ermöglicht den Schmelzen laut Bloomberg Intelligence Profitmargen nahe dem Allzeithoch.
Wie groß der Druck auf dem Weltmarkt ist, zeigt ein außergewöhnliches Geschäft vom 31. März: Um den "dringenden Bedarf" eines Schlüsselkunden in Thailand zu decken, lieferte eine Chalco-Einheit 510 Tonnen Legierung – ein Teil davon wurde aufgrund der Eile sogar per Flugzeug transportiert, ein extrem seltener und kostspieliger Vorgang für Industriemetalle.
Risiken am Horizont
Trotz der Euphorie warnen Experten vor zwei Faktoren, die das Wachstum bremsen könnten:
- Logistikkosten: Die kriegsbedingten Steigerungen der Frachtraten könnten die Marge im Arbitrage-Handel (dem Ausnutzen von Preisunterschieden) schmälern.
- Substitution: In der Automobilindustrie gibt es einen Trend hin zu noch leichteren Magnesiumlegierungen, was die langfristige Nachfrage nach Aluminium dämpfen könnte.
Vorerst jedoch bleibt China der unverzichtbare Anker der weltweiten Aluminiumversorgung, während der Persische Golf als Lieferant ausfällt. Insbesondere für die Branchen Automobilbau und Verpackung werden für die Monate Mai und Juni sprunghaft ansteigende Auftragszahlen erwartet.
Zwar geht der Iran-Konflikt auch an China nicht spurlos vorbei, doch seine Vormachtstellung bei kritischen Rohstoffen erweist sich erneut als strategischer Schutzschild. Während Europa und die USA unter den unterbrochenen Lieferketten leiden, nutzt Peking seine Marktdominanz, um wirtschaftlich deutlich glimpflicher durch die Krise zu kommen als seine westlichen Rivalen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion
Aluminium wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -0,18 % und einem Kurs von 3.629PKT auf Ariva Indikation (15. April 2026, 11:02 Uhr) gehandelt.

