Kino gegen Streaming
110-Milliarden-Deal unter Beschuss: Hollywood-Fusion spaltet die Branche
Der Deal zwischen Paramount und Warner Bros stößt auf Widerstand aus der Kinobranche – während Netflix nach gescheiterter Offerte neue Strategien sucht.
- Kinos warnen vor weniger Startterminen und Vielfalt
- Über 1000 Branchenprofis protestieren gegen Fusion
- Netflix setzt vermehrt auf Werbung und Sportformate
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Die geplante Übernahme von Warner Bros Discovery durch Paramount Skydance mit einem Volumen von rund 110 Milliarden US-Dollar sorgt laut Reuters für heftige Kritik aus der Film- und Kinobranche. Auf der CinemaCon in Las Vegas warnte Michael O'Leary, Präsident und CEO von Cinema United, vor negativen Folgen für die gesamte Branche. Er sagte: "Wir sind der Ansicht, dass diese Transaktion sich nachteilig auf die Kinobranche, die Verbraucher und das gesamte Unterhaltungsökosystem auswirken wird."
Kinobetreiber befürchten insbesondere weniger Kinostarts und eine stärkere Kontrolle über sogenannte Veröffentlichungsfenster, also die Zeiträume, in denen Filme exklusiv im Kino laufen.
Sorge vor sinkender Filmvielfalt im Kino
Die geplante Fusion würde zwei der größten Hollywood-Studios vereinen. Warner Bros steht hinter Franchises wie "Harry Potter" und "Superman", während Paramount Pictures unter anderem "Mission: Impossible", "Star Trek" und "Top Gun" produziert.
Branchenvertreter verweisen auf frühere Übernahmen, etwa die Integration von Fox in den Walt-Disney-Konzern, nach der die Zahl der Kinoveröffentlichungen deutlich zurückging. O'Leary warnte erneut, dass Konsolidierung historisch gesehen zu weniger Filmen für die große Leinwand führe.
Hollywood erhöht politischen Druck
Mehr als 1.000 Schauspieler, Regisseure und Branchenprofis, darunter Jane Fonda, Joaquin Phoenix und Mark Ruffalo, unterzeichneten einen offenen Brief gegen den Deal. Sie warnen vor weniger Jobs, geringerer kreativer Vielfalt und steigenden Kosten in der Produktionskette.
Gleichzeitig verteidigt Paramount die Fusion. Ein Sprecher betonte, das neue Unternehmen werde weiterhin rund 30 Filme pro Jahr für das Kino veröffentlichen und die Studios getrennt betreiben. Dadurch solle die Produktionsleistung sogar steigen und die internationale Reichweite wachsen.
Netflix verliert Übernahmechance und richtet Fokus neu aus
Netflix hatte sich ursprünglich ebenfalls um Warner Bros Discovery bemüht, zog sich jedoch aus dem Bieterverfahren zurück. Damit hätte Netflix Zugriff auf große Franchises wie "Game of Thrones" oder "Friends" erhalten können, ohne diese selbst aufbauen zu müssen. Seit dem Scheitern des Deals ist die Aktie um rund 26 Prozent gestiegen.
Nach dem Rückzug muss sich Netflix nun auf eine stärkere Konkurrenz durch die entstehende kombinierte Struktur von Paramount und Warner Bros einstellen. Analysten erwarten, dass das Unternehmen seine Strategie stärker auf Werbung, Live-Inhalte und Sportübertragungen ausrichtet.
Tatsächlich wächst das Werbegeschäft bereits deutlich. Netflix rechnet mit steigenden Erlösen aus dem werbefinanzierten Modell, das jedoch noch vergleichsweise klein ist. Parallel investiert der Konzern in Live-Formate wie internationale Sportevents und große Musikstreams, um Reichweite und Monetarisierung auszubauen.
Regulierung und Marktdruck nehmen zu
Die Fusion wird bereits von Wettbewerbsbehörden in den Vereinigten Staaten und Europa geprüft. Auch die kalifornische Justiz hat eine Untersuchung eingeleitet. Branchenvertreter wie Cinema United kündigten an, den politischen Druck weiter zu erhöhen.
Damit steht der Deal nicht nur für eine weitere Konsolidierung in Hollywood, sondern auch für einen Machtkampf zwischen klassischen Studios, Streamingplattformen und den Kinos selbst.
Autorin: Saskia Reh, wallstreetONLINE Redaktion
*ab 500 Euro Ordervolumen, zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen
